So wie es aussieht, werden die Abiturienten der Max-Beckmann-Schule diesmal auch ohne einen Schulfonds zurecht kommen. Die Klassenfahrt nach Barcelona jedenfalls kann nun - wenn auch in etwas abgespeckter Form - doch noch stattfinden. Die Schüler haben das ganz allein geschafft, mit unermüdlichem Einsatz und erfolgreicher Öffentlichkeitsarbeit.
Vor Wochen noch sah das ganz anders aus. Da erschienen zwei betrübte Schülerinnen des Bockenheimer Oberstufengymnasiums im Bildungsausschuss des Stadtparlamentes und berichteten von der geplatzten Reise: Der Veranstalter hatte das eingesammelte Geld kassiert und anschließend Insolvenzantrag gestellt.
Kein Geld fürs Schulessen
Jetzt hat ein anderer Spezialanbieter von Schülerfahrten der Abi-Klasse die Fahrt zu Sonderkonditionen angeboten - das Unternehmen war durch den FR-Bericht auf das Malheur der Schüler aufmerksam geworden.
Ohne das vorbildliche Engagement der Beckmann-Schüler wäre die Fahrt aber sicher ausgefallen. Deshalb fragten die beiden Schülerinnen bei ihrem Auftritt im Ausschuss auch, ob denn die Stadt nicht für solche Fälle einen Notfonds einrichten könnte. In einer ersten Reaktion hat Bildungsdezernentin Jutta Ebeling (Grüne) bedauernd abgelehnt. Doch nun kommt Bewegung in die Sache.
Denn es gibt Eltern, die Klassenfahrten auch ohne eine Pleite des Veranstalters nicht bezahlen können. Es gibt Schüler, die aus Geldmangel die neuen Schulkantinen meiden. Und eben welche, die Not haben, sich Mäppchen, Stifte und Hefte zu kaufen. Besonders zum Schuljahresbeginn wird das Problem deutlich. Die Schulen verteilen Listen, was die Kinder an Material mitbringen sollen. Im Regelsatz für Hartz IV ist jedoch für "Schreibwaren" nur ein kümmerlicher Betrag von 1,63 Euro pro Monat vorgesehen. Eine Summe, die laut Ebeling "der Lebenswirklichkeit nicht entspricht".
Betroffen ist jedes dritte Schulkind: 20 000 der 60 000 Frankfurter Schulkinder (sechs bis 15 Jahre) stammen aus Familien, die von Arbeitslosengeld oder vergleichbaren Zuwendungen leben. "Mit hoher Wahrscheinlichkeit", glaubt Ebelings Referent Michael Damian, "wird es im Haushalt 2010 einen Schulfonds für diese Kinder geben".
Zunächst haben Vertreter von drei Dezernaten - Soziales, Bildung und Gesundheit - eine gemeinsame Arbeitsgruppe gegründet. Diese Gruppe werde im November in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses erste Ergebnisse ihrer Beratung präsentieren, heißt es in einem Bericht des Sozialdezernats. Dort wird auch schon eine mögliche Zuschusssumme genannt - 50 Euro im Jahr. Den städtischen Haushalt würde ein Schulfonds demnach mit einer Million Euro zusätzlich belasten.
"Für 2009 könnte es eine Art Notfonds geben", sagt Damian. Die formelle Verankerung im Haushalt sei für das kommende Jahr nicht mehr zu schaffen.
Eine Sache des Bundes
Geregelt ist bislang nur der städtische Zuschuss für das Schulessen - Hartz IV-Kinder zahlen dort seit Ende 2007 nur einen Euro je Menü. Eben wegen dieses Zuschusses gab es jedoch mächtig Ärger mit dem Land. Auch dort kam man nämlich auf die Idee, einen Fonds für Essensgeld einzurichten. Davon profitieren aber nur Kommunen, die bislang nichts getan haben. Frankfurt bleibt dagegen auf den Kosten sitzen. Dies wollte man im Bildungsdezernat nicht ein zweites Mal erleben.
Auch jetzt verweist Damian darauf, dass es Sache des Bundes sei, die Hartz IV-Regelsätze schnellstmöglich anzuheben. Die Stadt könne es nicht allein schultern, zusätzliches Geld bereitzustellen, damit ALG II-Empfänger "sich in der Schule nicht schämen müssen".
Stolz können die Beckmann-Schüler sein. Sie veranstalten am Freitag ein Benefizkonzert für ihre Reise. Und am Samstag verkaufen sie Crêpes auf dem Leipzigerstraßenfest.

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