Eine der größten muslimischen Gruppierungen Deutschlands bietet sich der hessischen Landesregierung als Ansprechpartnerin für islamischen Religionsunterricht an: die Türkisch Islamische Union (Ditib).
Innerhalb der kommenden Wochen werde Ditib einen Landesverband in Hessen gründen, sagte der Ditib-Beauftragte für interreligiösen Dialog, Bekir Alboga, der Frankfurter Rundschau.
Nach seiner Auffassung könne es zügig Vereinbarungen über Islamunterricht geben, fügte Alboga hinzu. "Wenn die Landesregierung so schnell handelt wie Ditib, dann müsste es dieses Jahr unter Dach und Fach gebracht werden."
Die neue Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) ist mit ihren Terminplänen zurückhaltender. "Ich hoffe sehr, dass es noch in dieser Legislaturperiode losgeht", sagte sie im FR-Interview.
Ditib ist eine Organisation von Muslimen aus der Türkei. Sie ist eng mit dem "Präsidium für Religionsangelegenheiten" in Ankara verbunden, das von der türkischen Regierung kontrolliert wird. In Hessen vertritt sie nach eigenen Angaben mehr als hundert Moscheegemeinden.
Ditib-Sprecher Alboga sieht Hessen "in einer glücklichen Lage", weil an der Frankfurter Universität bereits islamische Theologie unterrichtet wird. Diese Absolventen kämen mit einer zusätzlichen pädagogischen Ausbildung als Lehrer infrage, meinte er.
Henzler sagte: "Wir müssen prüfen, ob dort die von uns vorgeschriebenen Lehrinhalte unterrichtet werden können." Auf jeden Fall solle der Unterricht in deutscher Sprache sein, "von in Deutschland ausgebildeten deutschen Lehrerinnen und Lehrern unter staatlicher Schulaufsicht".
Vor Ditib hatte die Islamische Religionsgemeinschaft Hessen (IRH) Interesse angemeldet. Sie sei "gerne bereit, ihren konstruktiven Beitrag zur Erarbeitung der Lehrpläne" zu leisten, sagte ihr Vorsitzender Ramazan Kuruyüz.
Hessen lehnt es seit Jahren ab, mit der IRH Religionsunterricht vorzubereiten, da deren Verfassungstreue in Zweifel stehe. Die Organisation hofft nun auf einen neuen Anlauf mit der CDU/FDP-Regierung. Kultusministerin Henzler hegt mit Blick auf die IRH aber "große Bedenken". Sie betonte: "Wenn eine Organisation die Verfassung des Landes nicht mitträgt, kann sie auch nicht an Inhalten für hessische Schulen mitarbeiten."

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