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Schulen in Hessen: Sparen bei der Lehrerbildung

Das Land Hessen will Ausbilderstellen streichen. Außerdem sollen Ausbilder weniger Zeit für Referendare erhalten. Opposition und Verbände warnen vor einer Verschlechterung der Unterrichtsqualität.

        

Für  guten Unterricht braucht man gute Lehrer.
Für guten Unterricht braucht man gute Lehrer.
Foto: Arnold

Angehende Lehrer werden in Hessen künftig schlechter auf das Unterrichten vorbereitet als bisher. Davor warnen jedenfalls Vertreter der Opposition, der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Personalräte und Lehrerverbände. Sie fordern die Landesregierung auf, geplante Kürzungen bei der Lehrerausbildung zurückzunehmen.

Lehrer werden

Die Lehrerbildung hat drei Abschnitte. Erste Phase ist das Studium an der Hochschule, die zweite Phase der Vorbereitungsdienst in Schulen und an Studienseminaren (Referendariat), die dritte Phase ist die Fort- und Weiterbildung während des Berufslebens.

Hessen hat zurzeit rund 4.800 Referendare (Lehrer im Vorbereitungsdienst).

Mit Beginn des nächsten Schulhalbjahres am 1. Februar sollen 75 von rund 740 Ausbilderstellen wegfallen, zum 1. August dann weitere 75. Zudem erhalten die Ausbilder weniger Zeit für die Betreuung der einzelnen Referendare. Und die Ausbilder sollen selbst sechs Stunden in der Woche unterrichten.

„Wer das macht, nimmt in Kauf, dass wir in Hessen schlechtere Lehrer bekommen“, sagte eine Ausbilderin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, der Frankfurter Rundschau. Durch die Kürzungen würden gerade jene Teile der Ausbildung wegfallen, die für guten Unterricht besonders wichtig seien.

Was tue ich, wenn in der Klasse Streit ausbricht? Wie gestalte ich eine Stunde so, dass alle aufmerksam bleiben? Wie spreche ich mit aufgebrachten Eltern? All das seien Probleme, auf deren Bewältigung die künftigen Lehrer nicht an der Universität, sondern an der Schule vorbereitet werden müssten. „Stattdessen aber lässt man die Referendare allein, so dass sie sich selbst durchwursteln müssen“, sagt die Ausbilderin. „Und Lehrer“, ergänzt ein Kollege, „die nicht gelernt haben, Konflikte zu lösen, geben nachher eben Fünfen, statt gut zu unterrichten.“

„Wir brauchen bessere und nicht verschlechterte Bedingungen in der Lehrerausbildung“, schimpft GEW-Chef Jochen Nagel. Die geplanten Kürzungen könnten wohl helfen zu sparen, „aber sie führen zu einer erheblichen Verschuldung gegenüber der jüngeren Generation“.

Der Personalrat am Frankfurter Studienseminar für Gymnasien warnt, Ausbilder könnten aufgrund der Kürzungen künftig kaum noch die Zeit finden, an die Schulen zu kommen. Gerade im ländlichen Raum würden allein schon die langen Wege Schulbesuche erschweren.

Kritiker monieren Rechentricks

Die Kritiker werfen dem Kultusministerium außerdem vor, durch „Rechentricks“ den Anschein erwecken zu wollen, die Ausstattung der Schulen mit Lehrkräften verbessere sich.

Weil Ausbilder weniger Zeit für die Betreuung der Referendare zugewiesen bekommen und statt dessen selbst unterrichten sollen, steige rechnerisch die Zahl der Lehrerstellen um 150. Tatsächlich aber, heißt es in einem Papier der Personalrats, werde dieser Unterricht aufgrund von Zeitüberschneidungen kaum stattfinden.

Weitere 300 Lehrerstellen würden statistisch geschaffen, indem je Referendar den Schulen künftig acht statt 6,4 Stunden Unterricht angerechnet werden. Und Lehrer, die als Mentoren die Referendare an den Schulen unterstützten, würden nicht entlastet, obwohl Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) dies zugesagt habe. „So versucht das Ministerium, die Stellenzahl an den Schulen zu erhöhen, ohne dass ein einziger neuer Lehrer an die Schule kommt und eine einzige Stunde zusätzlich unterrichtet wird“, sagt Mathias Wagner (Grüne).

Das Ministerium weist den Vorwurf zurück, es gebe Verschlechterungen in der Lehrerbildung. „Durch eine stärkere Praxisorientierung wird die Qualität sogar weiter verbessert“, sagte ein Ministeriumssprecher. Theoretische Anteile seien zugunsten von Schulpraxis reduziert worden. Er verweist zudem auf die verkürzte Referendariatszeit von 24 auf 21 Monate. Dies reduziere den Ausbildungsaufwand um ein Achtel. Siehe Kommentar

Autor:  Peter Hanack
Datum:  13 | 1 | 2012
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