Mathe, Deutsch und Öko: Einige hessische Schüler büffeln nicht nur Formeln und Satzbau, sondern auch grünen Lernstoff. Sie haben sich auf die neue Fachrichtung Umwelttechnik und Umweltökonomie spezialisiert, die im Rahmen eines Pilotprojekts an fünf Schulen in Hessen angeboten wird: in Groß-Gerau, Weilburg, Bensheim (2) und im osthessischen Lauterbach. An der Vogelsbergschule dort haben zehn Jungen und sechs Mädchen die Umweltfächer gewählt. „Erneuerbare Energien, das ist doch total aktuell“, begründet ein 16-Jähriger seine Motivation.
Die Jugendlichen diskutieren dabei zum Beispiel über das Für und Wider von Windkraft - gerade im Vogelsbergkreis allgegenwärtig, wo viele Windräder stehen. Bettina Kreuzer leitet die Abteilung Umwelt der Vogelsbergschule. Sie sagt: „Unser vorrangiges Ziel ist es, eine Fächerkombination zu schaffen, die in die Region Vogelsberg passt, die zur bestehenden Fachrichtung Wirtschaft passt und am Bedarf des Arbeitsmarktes orientiert ist. Deswegen sind wir sehr froh über diese Verbindung aus technischem und wirtschaftlichem Schwerpunkt. Im Hinblick auf Nachhaltigkeit scheint uns beides zukunftsträchtig zu sein.“
Der fächerübergreifende Unterricht an dem beruflichen Gymnasium soll die Schüler befähigen, innovative Fachkräfte und Ingenieure zu werden, die mit technischem und wirtschaftlichem Denken vertraut sind. Fünf Wochenstunden Umwelttechnik und zwei in Umweltökonomie umfasst der Lehrplan der Jahrgangsstufen 10 und 11.
Passend zu den grünen Unterrichtsthemen haben die Schüler in Lauterbach ihren Klassenraum mit kleinen Gummibäumen und einer Sonnenblume geschmückt. Pflanzen sind bei ihnen auch Versuchsobjekte.
Marc (16) und Lisa (17) haben sich Schutzbrillen aufgesetzt. Im Fach Umwelttechnik spritzen sie mit einer Pipette eine Kupferlösung auf eine Pflanze. Sie untersuchen, wie sich Schadstoffe aus der Umwelt auf die Färbung der Blätter auswirken. In dem Fach geht es auch um die Erhaltung intakter Ökosysteme, Müllrecycling und die Reinhaltung der Luft.
Im Grundkurs Umweltökonomie lernen die Schüler, wie ein Wirtschaftskreislauf funktioniert. Friederike (15) erklärt: „Wir haben eine fiktive Firma gegründet, die andere Unternehmen in Umweltfragen berät. Wir haben überlegt, was alles dafür nötig ist: die Logistik, Marketingstrategien und Finanzierungskonzepte.“ Lehrer Benjamin Schuh sagt: „Wir versuchen, die abstrakten Inhalte wirtschaftlicher Fragen greifbar zu machen. Deshalb nehmen wir konkrete Beispiele aus der Region.“
In drei Jahren wollen die Schüler an dem beruflichen Gymnasium ihr Abitur machen - und haben dann zusätzliche Kenntnisse in Umweltthemen in der Tasche. Dadurch erhoffen sie sich auch beste Berufsaussichten in Industrie und Wirtschaft. (Petra Groß, dpa)

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