Rhein-Main und Hessen
Hessische Landespolitik und Berichte aus dem Rhein-Main-Gebiet.

04. Januar 2013

Schusswaffen: Fünf Knarren pro Schütze

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Jäger mit Gewehr - der darf das. Foto: dpa

Mit Jahresbeginn gilt in Deutschland dank einer EU-Weisung ein nationales Waffenregister. Polizei und andere Behörden können nun herausfinden, wer wo wie viele Waffen sein eigen nennen darf. Erstmals weiß man nun in deutschen Städten, mit welchem Potenzial an Schießeisen man zu rechnen hat.

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Mit Jahresbeginn gilt in Deutschland dank einer EU-Weisung ein nationales Waffenregister. Polizei und andere Behörden können nun herausfinden, wer wo wie viele Waffen sein eigen nennen darf. Erstmals weiß man nun in deutschen Städten, mit welchem Potenzial an Schießeisen man zu rechnen hat.

In Frankfurt sind rund 21.800 Schusswaffen registriert. „Von der kleinkalibrigen Pistole bis zum großkalibrigen Jagdgewehr“, sagt Ordnungsamts-Sprecher Michael Jenisch. Sie gehören rund 4300 Personen – das heißt jeder dieser Frankfurter hat im Schnitt fünf Exemplare im Schrank. Die meisten sind Jäger oder Sportschützen, es gibt aber auch Sammler oder Leute, die das gefährliche Stück von einem Familienmitglied geerbt haben.

Die meisten Kommunen und Landkreise haben ihre Zahlen aus dem Effeff parat. Das hat seinen Grund: Zum 1. Januar ist das nationale Waffenregister in Betrieb gegangen. Gefüttert wurde es mit den Daten der Landkreise und kreisfreien Kommunen. Es erfasst sämtliche Exemplare mit Meldepflicht: Vor allem scharfe Schusswaffen, aber auch bestimmte Schreckschuss-, Luftdruck- oder Gaswaffen. In Deutschland gibt es demnach knapp 5,5 Millionen legale Waffen im Privatbesitz von 1,4 Millionen Menschen. Eine Übersicht für Hessen lag dem Innenministerium in Wiesbaden bis zum 4. Januar nicht vor.

Viele Jäger in Darmstadt

Das Gesetz

Die europäische Waffenrichtlinie verpflichtet alle Mitgliedsstaaten, bis Dezember 2014 ein aktuelles computergestütztes Waffenregister auf nationaler Ebene zu betreiben.

Für jede erlaubnispflichtige Schusswaffe soll so nachvollziehbar sein, wer Besitzer ist, seit wann und wo er sie erworben hat.

Auch in drei anderen Rhein-Main-Großstädten hat die Frankfurter Rundschau nachgefragt. Es zeigt sich, dass in Offenbach mit Abstand die wenigsten Waffen registriert sind: 1263 Personen haben dort im Schnitt drei Exemplare im Schrank. Es folgt Wiesbaden, wo 3200 Leute im Schnitt vier Waffen ihr Eigen nennen. In Darmstadt, das nur mit älterem Datenmaterial dienen kann, ist das Verhältnis relativ hoch: Mit Stichtag Januar 2011 waren dort rund 950 Besitzkarteninhaber mit rund 5400 Schusswaffen registriert. „Davon entfielen auf Jagdscheininhaber 1112, auf Sportschützen 1791, auf Sammler 588 und auf sonstige 1861 Waffen“, informiert die städtische Pressesprecherin.

Zahlen gibt es auch aus dem ländlich geprägten Regierungspräsidium Gießen: Nach Recherchen der Behörde existieren in Mittelhessen 125.000 legale Waffen, das Verhältnis liege bei vier bis fünf Exemplaren pro Inhaber.

Aufwendige Recherchen

Die Aufbereitung der Daten für das nationale Waffenregister war sehr aufwendig, sagt Peter Weigand, Leiter des Offenbacher Ordnungsamts. „Das war eine Heidenarbeit.“ Denn es fehlten bundesweit einheitliche Registrierungsstandards. Doch jetzt, wo das „Riesenprojekt“ abgeschlossen sei, verspricht sich der Amtsleiter für die Zukunft eine Arbeitserleichterung.

Das umständliche bürokratische Prozedere, wenn eine Waffe etwa nach Frankfurt „wandert“, falle weg. Auch sei geplant, dass die Polizei Zugriff auf das Register erhält. „Bei einem Einsatz in einer Wohnung kann sie sich dann jederzeit informieren, ob dort ein Waffenbesitzer wohnt.“ Die deutschen Hersteller sollen irgendwann auch eingebunden werden. „Dann könnte man den ganzen Lebensweg einer Waffe verfolgen.“ Der endet nicht selten bei Weigand und seinen Leuten im Offenbacher Ordnungsamt. Denn nicht jedes Gewehr, jede Pistole, lagert im verschlossenen Schrank, wie das Gesetz es vorschreibt. Entrümpelungen von Dachböden oder Kellern führten immer wieder Überraschungen zutage, berichtet der Amtsleiter – „etwa den Karabiner aus dem Zweiten Weltkrieg“.

Wenn die Waffen keiner haben will, nimmt die Behörde sie in Verwahrung in ihre Waffenkammer. Bis die voll ist. Dann werden die Fundstücke vernichtet.

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