So viel Auftrieb vor dem Amt für Gesundheit in der Breiten Gasse gibt es selten. Die Diskussion, ob es bei den Impfungen gegen die Schweinegrippe eine Zwei-Klassen-Medizin gebe, hat das Interesse der Medien noch verstärkt. Als am Montag gegen 17 Uhr der Kleintransporter mit dem hessenweit ersten Impfstoff hält, drängen sich die Fotografen und Kamerateams.
"Wir werden den Impfstoff auf Wägelchen durchs Haus in den Keller rollen", hatte Oswald Bellinger vom Krisenstab Schweinegrippe kurz zuvor angekündigt. Im Keller gibt es einen Kühlraum. Der stammt noch aus der Zeit, als eine private Herzklinik in dem Gebäude saß. Bei 2 bis 8 Grad plus werden die Ampullen gelagert.
Ab Montag, 26. Oktober, beginnen die Impfungen für "zwei Zielgruppen", wie Bellinger sagt. Die eine Zielgruppe, das seien die "chronisch Kranken" - Asthmatiker, Diabetiker, Krebspatienten, die eine Chemotherapie machen , oder auch Patienten, die mit hohen Dosen Cortison behandelt werden. Diese Menschen, so Bellinger, sollen sich an ihre Hausärzte wenden. Die würden über die Apotheke mit dem Impfstoff versorgt.
Zu wenig Impfstoff für alle
Für die andere Zielgruppe, Beschäftigte, die von Berufs wegen besonders gefährdet sind, ist das Amt für Gesundheit zuständig. Gemeint sind Ärzte, Apotheker, Krankenschwestern, Altenpfleger, Zahnärzte: "Wir organisieren diese Impfungen." Das Amt sorgt dafür, dass entweder die Betriebsärzte der betroffenen Unternehmen einen halben Milliliter der Impfsubstanz "Pandemrix" in den Oberarm spritzen. Sollte das nicht möglich sein, bekommen die betroffenen Arbeitnehmer ihre Spritze im Amt für Gesundheit.
"Gesunde Erwachsene werden zunächst nicht geimpft." Das wäre derzeit ohnehin nicht möglich, weil es nicht genügend Impfstoff gibt. Schwangeren, die vermutlich ein erhöhtes Erkrankungsrisiko haben, rät Oswald Bellinger zunächst einmal abzuwarten, bis es mehr Erkenntnisse über die Nebenwirkungen des neuen Impfstoffes gibt. Der wurde im wesentlichen auf der Grundlage des Vogelgrippe-Virus H5N1 hergestellt. Mitte November werde man die Situation besser einschätzen können. Schwangeren, die eine chronische Krankheit haben, rät der Amtsarzt allerdings zu einer schnellen Impfung.
Trotz des Flughafens, der immer auch eine Drehscheibe für alle möglichen Krankheiten ist, hat sich die Schweinegrippe in Frankfurt bislang eher zurückhaltend gezeigt. 90 gemeldete Fälle, kein einziger lebensbedrohlicher Verlauf. Doch das könnte sich ändern: "Wir haben den Winter noch vor uns." Die Schweinegrippen-Viren mögen es, wenn es schmuddelig ist und kalt.
Saisonale Grippe bleibt im Fokus
Auch das Universitätsklinikum ist an dem Kampf gegen die Schweinegrippe beteiligt. Unter Leitung des Virologen Hans Wilhelm Doerr wird beobachtet, ob sich das H1N1-Virus verändert. Und es wird nach Substanzen geforscht, die dem Virus das Leben schwer machen. Es werden auch andere Impfstoffe als "Pandemrix" getestet.
Jede Impfung kann zu Beschwerden führen, erklärt Experte Doerr. Wer gegen Hühnereiweiß allergisch sei, sollte besonders vorsichtig sein. Denn alle Influenza-Impfstoffe würden in Hühnereiern hergestellt. Das neue H1N1-Virus schätzt Doerr als nicht gefährlicher ein als die saisonale Grippe. Allerdings tendiere es dazu, sich in der unteren Lunge besonders gut zu vermehren, was das Risiko einer Lungenentzündung erhöht.
Gegen die saisonale Grippe sollten sich nach Angaben des Gesundheitsamtes wieder alle chronisch Kranke und alle über 60-Jährigen impfen lassen.

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