Im Internet-Gästebuch der "Seven Roses" gehen die Beileidsbekundungen am Montag fast im Minutentakt ein. Seit die Bild-Zeitung die Mädchenband der Kasseler Hegelsbergschule ins Licht der Öffentlichkeit gezerrt hat, kondolieren auch Menschen, die Büsra A. allenfalls aus den Nachrichten kennen. Noch vor einer Woche hat die 15-Jährige mit ihrer Girlgroup auf der Bühne gestanden. Jetzt ist sie tot. Und für Freunde, Fans und Internet-Passanten steht außer Frage, woran die Schülerin gestorben ist: "Mein Beileid, ich hoffe, diese Schweinegrippe tötet nicht noch mehr Menschen", hat ein Besucher im Gästebuch notiert. Dabei ist das nach wie vor alles andere als sicher.
Als Karin Müller, Leiterin des Gesundheitsamts für die Region Kassel, am Montagmittag vor die Presse tritt, gibt es eigentlich nichts Neues zu berichten. Büsra A. kam am Donnerstagmittag mit einer Herzmuskelentzündung ins Kasseler Klinikum, wurde innerhalb weniger Stunden "reanimationspflichtig", wie es die Ärzte ausdrücken, und starb am Freitagmorgen. Was jedoch die tödliche Entzündung ausgelöst hat, muss erst noch aufwendig untersucht werden. War es wirklich der Schweinegrippenvirus H1N1, der bei dem Mädchen nachgewiesen worden ist? Oder doch etwas anderes? "Die Schlagzeilen legen einen Zusammenhang nah, den man so nicht feststellen kann", betonte der ärztliche Direktor des Klinikums, Wolfgang Deinsberger. "Es gibt keinen Beweis. Aber auch keinen Gegenbeweis."
Erst in zwei bis drei Wochen, wenn die Untersuchungen abgeschlossen sind, wird man schlauer sein - vielleicht. Vielleicht, sagte Deinsberger, lasse sich die Ursache der Herzmuskelentzündung aber auch gar nicht mehr eindeutig feststellen. Zunächst aber sind Ärzte und Gesundheitsamtschefin um Beruhigung bemüht: Geradezu demonstrativ geben sie bei der Pressekonferenz allen Anwesenden die Hand. Ihre zentrale Botschaft: "Keine Panik!" Und die müssen die Mitarbeiter des Gesundheitsamts seit dem Tod von Büsra A. im Akkord verbreiten: "Wir werden von Impfanfragen überschwemmt und kloppen Überstunden", berichtete Seuchenreferent Markus Schimmelpfennig. Die Hysterie ist groß, der Dienst an der eigens eingerichteten Hotline Schwerstarbeit. "Wenn Sie den Hörer auflegen, klingelt es gleich wieder."
Auch bei Lydia Gundlach stehen die Telefone nicht still: Die Schulleiterin der Hegelsbergschule muss so viele Interviews geben, dass sie nur noch unwillig antwortet: Ja, bestätigte sie, die Schule bleibe bis Dienstag noch geschlossen. Aber nicht aus Gründen der Prävention, sondern "weil uns das tief getroffen hat". Um Trauer gehe es und darum, den Eltern Zeit zu geben, sich zu informieren - "damit sie ihre Kinder am Mittwoch wieder beruhigt zur Schule schicken." Falls sie nicht erkrankt sind.

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