Die 39-jährige Frau, die Montagabend mit Schweinegrippe ins Universitätsklinikum eingeliefert wurde, schwebt nach Angaben der Klinik weiterhin in Lebensgefahr. Ihr Zustand habe sich dank eines speziellen Beatmungsverfahrens zwar stabilisiert und sogar auch geringfügig verbessert. Sie ist nicht an eine Herz-Lungenmaschine angeschlossen. Nach wie vor sei ihre Lage aber kritisch.
Die Patientin wird seit ihrer Einweisung intensivmedizinisch betreut und liegt in einer Isolierschleuse, sagt Kliniksprecherin Ricarda Wessinghage. Montagabend war die Frau mit Verdacht auf Schweinegrippe von den Städtischen Kliniken in Höchst überwiesen worden, der Befund "A/H1N1" - wie der Erreger der Infektionskrankheit heißt - "hat sich als sicher bestätigt", sagt Wessinghage. Und - was den Fall in Frankfurt bislang einmalig und alarmierend macht - weiterhin deute nichts auf etwaige Vorerkrankungen der Patientin hin.
Bislang sind sechs Menschen in Deutschland an den Folgen der Schweinegrippe gestorben, die in der Regel allerdings harmlos verläuft. Komplikationen gab es lediglich, wenn andere oder Vorerkrankungen dazu kamen. Die 39-jährige Patientin in der Uniklinik wird nach Auskunft der Kliniksprecherin ausnahmslos von geimpftem Personal betreut.
Mit Rücksicht auf die Angehörigen und aufgrund des ausdrücklichen Wunsches ihres Ehemanns informiert die Uniklinik nicht auf einer öffentlichen Pressekonferenz über den Fall und lehnt bisher auch alle weiteren Interview- oder Presseanfragen ab.
Die Universitätsklinik schützt ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit dem Impfstoff Pandemrix, wie Hans W. Doerr, Direktor des Institutes für Medizinische Virologie an der Uniklinik, bestätigt. Der Virologe rechnet durchaus mit einer Erkrankungswelle durch das A/H1N1-Virus. Das Uniklinikum habe sich deshalb den Empfehlungen der ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut (STIKO) in Sachen Schweinegrippe angeschlossen. Danach sollen neben medizinischem Personal und chronisch Kranken auch Schwangere vordringlich geimpft werden, ebenso Kinder bis zu sechs Monaten.
Alte Menschen gelten indes nicht als Risikogruppe. Die Impfkommission rät allen zur Impfung, da es sich bei dem Grippeerreger um ein schnell mutierendes Virus handele, so dass die Schwere des Krankheitsverlaufs mit der Dauer und durch die zunehmende Verbreitung der Pandemie zunehmen könne. Und da es sich um eine neue Virus-Variante handele, sei auch nicht von einer Grundimmunität in der Bevölkerung auszugehen.
In Frankfurt arbeiten die Krankenhäuser gegen die Pandemie in einem Netzwerk zusammen, das René Gottschalk, der stellvertretende Leiter des Frankfurter Gesundheitsamtes, leitet, sagt Professor Hans W. Doerr von der Uniklinik. Inzwischen haben in der Stadt auch die ersten systematischen Massenimpfungen begonnen. Von den 800 Feuerwehrleuten hat sich etwa die Hälfte impfen lassen, sagt Feuerwehr-Sprecher Hans-Jürgen Kuhnert. Und bei der Polizei hat die Kampagne mit zunächst 100 Impfungen begonnen, danach werde nachgeordert. Die Erzieherinnen indes werden nicht geimpft - für Martin Müller-Bialon, Referent im Schuldezernat - ein Skandal. Hessens Gesundheitsminister Jürgen Banzer hat sie nicht zur "bevorzugt zu impfenden Risikogruppe" erklärt.

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