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Schweinegrippe in Hessen: Erste Erfahrungen mit dem Impfstoff

Abgeblitzt beim Gesundheitsamt. Keine Zuständigkeit beim Hausarzt. Keine Termine beim Mediziner ums Eck. Das Chaos in den hessischen Praxen und Ämtern scheint groß zu sein. Von Petra Mies

So sieht er aus, der Wirkstoff gegen die Schweinegrippe. Zumindest jener für die breite Masse: Inklusive des umstrittenen Wirkverstärkers, der zu erheblichen Nebenwirkungen führen kann. Jener Impfstoff für die so genannten gefährdeten Berufsgruppen soll weit besser verträglich sein.
So sieht er aus, der Wirkstoff gegen die Schweinegrippe. Zumindest jener für die breite Masse: Inklusive des umstrittenen Wirkverstärkers, der zu erheblichen Nebenwirkungen führen kann. Jener Impfstoff für die so genannten gefährdeten Berufsgruppen soll weit besser verträglich sein.
Foto: FR/Arnold

Die zweifache Mutter Gesa F. will ihre Familie in Wiesbaden impfen lassen und blitzt beim Gesundheitsamt ab. "Wir sind derzeit bekanntlich nur für Risikogruppen zuständig", erfährt sie. Das geht auch einer Studentin in Darmstadt so, die an chronischem Asthma leidet und nach der Abfuhr beim dortigen Gesundheitsamt ebenso bei sieben niedergelassenen Ärzten mit ihrem Wunsch scheitert, gegen den H1N1-Virus geimpft zu werden.

Das Chaos in den Praxen und Ämtern scheint groß zu sein, wie auch Chantal W. berichtet. "Mein Hausarzt in Neu-Isenburg hat im November keine Termine mehr, hieß es, und die zuständige Apotheke im Landkreis bekomme vor Dezember keinen neuen Impfstoff geliefert." Sie klingt verzweifelt. Und Nachrichten wie die aus der Frankfurter Uniklinik oder aus Fulda, wo Schülerinnen infiziert von einer Sprachreise in England zurückgekehrt seien, scheinen die Angst eine Woche nach dem Start der Impfaktion in Hessen gegen die Schweinegrippe noch mehr anzuheizen. Drei Mittelstufe-Klassen der Fuldaer Marienschule wurden wegen der Schweinegrippen-Fälle für eine Woche vom Unterricht befreit.

"Die Unruhe ist groß", befindet Stefan Kortüm. Der Leiter des Gesundheitsamtes Fulda glaubt zudem, dass die vielen anderen grippeähnlichen, fieberhaften Krankeiten, die derzeit grassieren, "die Situation noch unübersichtlicher machen".

Silvia Herzinger von der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KV) kann Vorfälle wie die der herumirrenden Studentin in Darmstadt nicht verstehen. "Risikopatienten dürfen auf keinen Fall abgewiesen werden", und dazu zählten auch chronisch Kranke. Dass es Kritik gebe, liege an der knappen Zeit von der Herstellung des Impfstoffes bis zu dessen Verteilung über die hessenweit 100 Apotheken. "Seit einer Woche ist das Impfen hier überhaupt erst möglich", sagt sie. Da sei es kein Wunder, dass es Praxen gebe, die den Piks noch gar nicht verabreichten, während andere schon keinen Impfstoff mehr hätten.

Allerdings diagnostiziert auch die KV-Sprecherin eine große Unsicherheit bei den Patienten. "Mancher will sich heute impfen lassen und morgen schon nicht mehr." Nach ihren vielen Gesprächen mit Ärzten weiß Herzinger, "dass manche Ärzte ohne Pause impfen und andere die Patienten vertrösten müssen, bis sie die notwendigen zehn Impfkandidaten beisammen haben". Der Impfstoff wird in Zehner-Packungen abgegeben. Herzinger empfiehlt, "nicht nur den Oberarm frei zu machen, sondern sich umfassend beraten zu lassen".

Ob es etwa ratsamer sei, sich erst gegen die saisonale Grippe impfen zu lassen, "kann ein solches Beratungsgespräch klären". Denn: "Jeder muss nachdenken, was gerade gefährlicher für ihn oder sie ist."

Autor:  Petra Mies
Datum:  3 | 11 | 2009
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