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Serie - Unsere Urahnen (5): Interessantes Loch im Kopf

Der Rhodesiamann begann seine moderne Karriere als gruselige Arbeitsmotivation: Sein Schädel auf einem Pfahl sollte afrikanische Bergwerksarbeiter zu mehr Maloche antreiben. Von Lia Venn

Homo Rhodesiensis: der Rhodesienmann, 300.000 Jahre alt.
Homo Rhodesiensis: der Rhodesienmann, 300.000 Jahre alt.
Foto: FR/Arnold

Junge, Junge, oder eher Rhodesiamann, Rhodesiamann: Dem Träger dieses Schädels ist einiges zuzutrauen. "Broken Hill 1", wie der Fund offiziell heißt, war zu seinen Lebzeiten mit Haut und Haar, seinen 1,75 Meter Größe und rund 70 Kilogramm Gewicht sicher eine imposante Erscheinung. Das ist rund 300.000 Jahre her.

Furchteinflößend war er aber offenbar auch noch als nackter Schädel im Jahre 1921. Tom Zwigelaar, südafrikanischer Bergarbeiter der "Rhodesia Broken Hill Developement Co.", hatte den Schädel damals auf der Suche nach Blei und Zink gefunden - und auf einen Pfahl gesteckt, um seine Männer zu härterer Arbeit anzutreiben. Ob´s gewirkt hat, ist nicht überliefert. Am 26. Mai 1954 taucht das Unternehmen im "Glasgow Herold" allerdings noch auf, aber das nur am Rande der Menschheitsgeschichte.

Unsere Urahnen

In loser Folge stellen wir einige unserer Ahnen vor. Alle 27 Schädel sind bis 18. April in der "Safari zum Urmenschen" im Senckenbergmuseum zu sehen - und im Katalog für 9,80 Euro. www.urmensch.senckenberg.de

Der als Rhodesiamann bezeichnete Fund landete bald in den Händen des britischen Paläontologen Arthur Smith Woodward, der ihn noch 1921 erstmals beschrieb und schon damals als "archaischen Menschen" zwischen Neandertalern und dem modernen Homo sapiens einordnete.

Der Rhodesiamann war nach Einschätzung der Wissenschaftler der erste Fund eines menschlichen Vorfahren in Afrika überhaupt. Zusammen mit dem "Kind von Taung", einem Fund der Gattung Australopithecus africanus, gilt er als Beleg für die Theorie Charles Darwins, dass die Wiege der Menschheit in Afrika steht. "Broken Hill" wird heute als Teil der afrikanischen Vorfahrengruppe gesehen, die als Ursprung des modernen Menschen gilt. Junge, Junge.

Aber, wie auch mancher moderne Mensch erfahren musste: Robustheit und imposante Erscheinung schützen vor Krankheit nicht. Der arme Rhodesiamann war krank und verletzt. Zehn der sechzehn Zähne des Oberkiefers weisen Aushöhlungen auf, die vermutlich durch Abszesse entstanden waren. Auf der linken Seite oberhalb des Ohres ist eine kreisrunde, nahezu einschussartige Öffnung erkennbar.

Geschossen wurde vor 300.000 Jahren zwar noch nicht, Gewalt gab es aber natürlich. Man spekuliert nun, wie die Verletzung entstanden sein könnte. Entweder hat jemand dem Rhodesiamann etwas Scharfkantiges übergezogen oder ein Raubtier hat ihm da einen Zahn reingerammt. Womöglich litt er gar unter einer chronischen Innenohrinfektion. So genau können das die Wissenschaftler nach 300.000 Jahren aber nicht sagen.

Autor:  Lia Venn
Datum:  27 | 2 | 2010
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