Fünf Pferde mussten bereits getötet werden, weil sie sich mit einem tödlichen Virus infiziert haben: Ansteckende Blutarmut heißt die Krankheit, gegen die es weder Impfung noch Medikamente gibt. Gestern wurde ein weiterer Fall aus Jossa bei Fulda bekannt. Auch dort hat sich ein Pferd angesteckt.
Damit sich die tödliche Krankheit nicht noch weiter ausbreitet, stehen Hunderte von Pferden und Eseln in Hessen unter Quarantäne. In Nord- und Mittelhessen wurden fünf Sperrbezirke mit einem Radius von je einem Kilometer gebildet. Die Analyseergebnisse von 320 Pferden, die aus denselben Ställen wie die erkrankten Tiere stammen, liegen bereits vor. Bei 315 Tieren waren die Proben negativ. „Damit haben wir wieder Boden unter den Füßen“, so der hessische Tierseuchenreferent Thomas Fröhlich. Für Menschen ist die Krankheit ungefährlich.
Die Tierseuche ist eine tödlich verlaufende Erkrankung des Blutes und der blutbildenden Organe, die sich durch Fieberschübe, Appetitlosigkeit und punktförmige Blutungen auf den Schleimhäuten äußert. Sie kann jahrelang in den Tieren schlummern ohne auszubrechen. Betroffen sind Pferde, Esel, Maultiere und Zebras. Da es kein Gegenmittel gibt, müssen infizierte Tiere eingeschläfert werden.
Die Inkubationszeit beträgt zwei bis sechs Wochen. Auf Menschen kann die Krankheit nicht übertragen werden. Verbreitet ist das Virus in Sumpfgebieten in Asien, Amerika, Australien, Afrika und Osteuropa. In Deutschland tritt sie nur sporadisch auf. gec
Unterdessen ermittelt die Staatsanwaltschaft Fulda gegen eine Pferdehändlerin aus dem Kreis Fulda wegen des Verdachts auf Verstoß gegen das Tierseuchengesetz und wegen Betrugsverdachts. Ihre Tiere sind die Quelle aller bisher bekannt gewordenen Fälle, berichtet Justizsprecher Rainer Heblik. Die Händlerin hat seit 2008 etwa 60 Pferde aus Rumänien importiert, von denen zumindest einige infiziert waren. Die Staatsanwaltschaft prüft zurzeit, ob die Tiere gefälschte Gesundheitszeugnisse hatten. „Es kann sich auch herausstellen, dass die Händlerin nur gutgläubig war“, sagte Heblik. Der Geschäftsführer des hessischen Pferdesportverbandes berichtet indes, dass der letzte hessische Fall von Blutarmut 2007 ebenfalls in diesem Stall auftrat.
Nichtsahnend seien jedenfalls die Käufer gewesen, die überwiegend aus Hessen stammen, betont Heblik: „Sie sind letztlich die Geschädigten.“ Die Behörden versuchen derzeit herauszufinden, wohin die 60 Pferde verkauft wurden. Sofern Kaufverträge vorliegen, ist das kein Problem. Häufig werde in dieser Branche aber noch per Handschlag verkauft.
Krankheitsfälle wurden bislang in Hüttenberg (Lahn-Dill-Kreis), Salz (Vogelsberg), Ahnatal (Kreis Kassel), Römershausen (Marburg-Biedenkopf), Jossa (Kreis Fulda) und im Siegerland in Nordrhein-Westfalen entdeckt. Für zwei Monate dürfen Pferde und Esel in diesen Sperrgebieten jetzt weder heraus- noch hereingebracht werden. Alle Einhufer werden untersucht.
Unterdessen steht beim hessischen Pferdesportverband das Telefon nicht mehr still, berichtet Geschäftsführer Robert Kuypers: „Wir versuchen zu beruhigen.“ Übertragen wird die Krankheit nämlich hauptsächlich durch Insekten wie die Pferdebremse. Doch die Insekten sind um diese Jahreszeit nicht sehr aktiv und bleiben normalerweise einer Weide treu. Auch untereinander stecken sich die Pferde nur über Körpersekrete an. Deshalb ist oft nur ein Pferd aus größeren Ställen betroffen.
Wegen der Seuche wurden nun auch die hessischen Meisterschaften der Interessengemeinschaft für Zugpferde abgesagt, die am 19. September in Bad Vilbel ausgetragen werden sollten.

Die Stadt und Region auf einen Blick: unsere neue Übersichtsseite für Frankfurt und Rhein-Main - das Pflicht-Lesezeichen für alle Hessen.
Berichte aus Bad Homburg, Hochtaunus | Bad Vilbel, Wetterau | Darmstadt | Frankfurt | Kreis Groß Gerau | Hanau, Main-Kinzig | Main-Taunus | Mainz | Offenbach | Kreis Offenbach | Wiesbaden.
Facebook | Twitter überregional | Google+
Sehen Sie auch die Ergebnisse nach Stadtteilen als Grafik-Fotostrecke. Außerdem zeigen wir die Top- und Flop-Ergebnisse von Peter Feldmann und Boris Rhein nach Stadtteilen und noch detaillierter nach Wahlbezirken. Alles Weitere im Wahl-Spezial.
Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten gleichermaßen: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten. Das Spezial.