Sie sind als Fotomotiv populärer als Claudia Schiffer und gelten als das meist fotografierte Paar schlechthin: Bulle und Bär vor der Deutschen Börse. Werk des Würzburger Bildhauers Reinhard Dachlauer, der sich zum 400-jährigen Bestehen der Börse 1985 an die Arbeit der fotogenen Symbole von steigenden und fallenden Kursen machte. Seit 1987 ziehen die Bronzefiguren nun die Massen an.
Doch Kunst im öffentlichen Raum hat eine viel längere, genauer: jahrhundertelange Tradition. Mit unterschiedlichen Motivlagen. In Wiesbaden etwa ließen Nassauer Herrscher Reiterdenkmale und Büsten von sich als Zeichen ihrer Macht aufstellen. Der Frankfurter Freigeist der Bürgerschaft stellte Goethe und Schiller auf den Sockel und bereits im 18. Jahrhundert dienten Brunnenskulpturen wie etwa der Atlasbrunnen am Kornmarkt der Stadtverschönerung.
Kunst muss auf die Straße
Ein Zweck, der sich an Plätzen, U-Bahnhöfen und -unterführungen bis heute wie ein roter Faden durch die Geschichte zieht. Wie wiederum Geschichte zur Kunst inspiriert, abzulesen an Skulpturen und Industrie-Denkmalen im Grüngürtel oder im Regionalpark Rhein-Main, die an die Heimatgeschichte von Stadt und Region erinnern.
Heimatgefühl und Identifikation, Verschönerung, Ausdruck von Wertvorstellungen, Macht und Verehrung - von der Architektur-skulptur wie Per Kirkebys Backsteinportale vor der Deutschen Nationalbibliothek, über Thomas Emdes Lichtinstallation für das Commerzbank-Hochhaus, dem Hammering Man von Jonathan Borofsky, Adornos Denkmal von Vadim Zakharov bis hin zum Brickegickel-Wegekreuz an der Alten Brücke von Edwin Hüller ist jedenfalls alles dabei. Etwa 350 Kunstobjekte sind an 220 Standorten in 32 Stadtteilen in ganz Frankfurt verteilt, erschaffen von 170 Künstlern.
In den 60er und 70er Jahren hat Kunst im öffentlichen Raum schließlich den neuen Anspruch zur Demokratisierung der Kultur erhoben, den Frankfurts Kulturdezernent Hilmar Hoffmann in seine berühmten Parole "Kultur für alle" gegossen hat. Hoffmann bezog sich allerdings auf die Museen als öffentliche Räume - die den Frankfurtern das Museumsufer bescherte. Zeitgenössische Künstler im öffentlichen Raum spannen den Fokus weiter - notgedrungen, denn in Zeiten von Arbeitslosigkeit und Hartz IV erreichen auch Museen nur noch ein Teilpublikum.
Kunst muss auf die Straße, lautet der neue Anspruch von Performance, Action-, Licht- und Videokünstlern. Muss die Massen im Vorübergehen konfrontieren, Anstöße geben, teilhaben lassen.
Galerien aus der Fahrgasse haben den Anspruch vorigen April mit ihrem dreitägigen Videokunst-Festival aufgegriffen. Ein Anliegen, das auch Touristikmanager in Sachen Imagebildung einer Stadt zupass kommt - sofern es spektakulär daherkommt.
Die bislang beispiellose Projektion von Fußballstars auf Frankfurts Hochhausfassaden zur Eröffnung der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 hat die Zug- und Leuchtkraft der weithin sichtbaren Nachtperformance bewiesen. Die Luminale schafft es seit fünf Jahren ebenfalls, Hunderttausende auf die Straßen zu locken - und Gäste in die Stadt. Parallel zur Weltleitmesse Light + Building läuft vom 11. bis 16. April die fünfte Lichtkultur-Biennale in Frankfurt und Rhein-Main.
Rund 150 Licht-Spektakel sind nach Auskunft der Organisatoren in Vorbereitung. Künstler, Designer, Performance und Visual Artists, Architekten und Ingenieure tüfteln an Konzepten Museen, Galerien, Industriearchitektur, Baustellen, Monumente, Fassaden, Plätze und Parks für die Zeit der Messe in ein internationales Lichtlabor zu verwandeln.

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