Hot Spot Nibelungenplatz: Rund um den Verkehrsknotenpunkt im Frankfurter Nordend geht es heiß zu: Bauarbeiter Hans-Jürgen Walter steht stundenlang in der Sonne, Stephan Künkel schwitzt in seinem Copy-Shop und im Sandwich-Laden "Subways" staut sich die Hitze. Aber der Nibelungenplatz hat auch kühle Seiten: bei Francisco Sanchez Galvin, der die Gäste im spanischen Generalkonsulat begrüßt, sorgt die Klimaanlage für konstant 20 Grad. Auch in der Shell-Tankstelle gegenüber wird gekühlt - "damit uns nicht die Schokolade davonläuft", wie Michael Horn sagt.
Sommerzeit, Ferienzeit, Baustellen-Zeit - am Nibelungenplatz wird schon lange gebaut. Autofahrer, Fußgänger und Radfahrer bewegen sich in einem Labyrinth aus weiß-roten Barrieren. Hans-Jürgen Walter trägt eine gelb leuchtende Sicherheitsweste, anders als "die Jungs", die unten in der Baustelle arbeiten, hat er Sonnenschutzcreme aufgetragen. "Das sind halt alles Kerle", meint er. Es ist laut, es staubt. "Wenn die sich eincremen würden, würden die wie panierte Schnitzel aussehen." Außerdem seien sie ja abgehärtet, da sei keiner käsebleich.
Drei Liter am Tag trinken "die Jungs" bei dieser Hitze. Der Arbeitgeber spendiert die Getränke. Wenn es aber richtig heiß wird, werden öfter kleine Verschnaufpausen eingelegt. Wird die Hitze unerträglich, machen die Bauarbeiter früher Feierabend und gehen bereits um 15 Uhr oder 16 Uhr nach Hause. Eigentlich geht die Schicht von 7 bis 17.30 Uhr. Der lange Arbeitstag dient dazu, "Überstunden für die Schlechtwetter-Zeit anzusammeln", erklärt Walter.
Die Arbeitswelt von Susanna Avagyan im noblen BCN-Hochhaus ist wohltemperiert, obwohl es im Parterre, wo die Empfangsdame sitzt, anders als in den oberen Etagen keine Klimaanlage gibt. "Sehen Sie den hohen Raum, die Natursteine" - das scheint ein Bollwerk gegen die Hitze zu sein.
40 Grad in Spanien sind angenehmer als 20 Grad in Frankfurt
Im 21. Stock, im spanischen Generalkonsulat, herrscht wenige Stunden vor dem Halbfinale gegen Deutschland erhöhte Fußball-Temperatur. Ansonsten sind es angenehme 20 Grad. Auf der Fensterbank von Francisco Sanchez Galvin stehen Kakteen. Sanchez Galvin kommt aus Andalusien, aus Jerez. Wenn es dort 40 Grad sind, sei das angenehmer als 28 Grad in Frankfurt. Die Luft sei trockener, nicht so schwül, erklärt der Spanier, der vom Büro in ein Auto mit Klimaanlage steigt.
Die Bauarbeiter kochen, die Büroangestellten bekommen die Hitze oft erst nach Feierabend mit - und wie wirkt sich die Hitze auf die Kopfarbeiter aus? Zwei junge Männer stehe am Eingang der Fachhochschule und rauchen. An der FH laufen derzeit viele Prüfungen. Die beiden Studenten wollen Informations- und Kommunikationstechniker werden - kein leichter Job. Statt ins Schwimmbad zu gehen, büffeln sie täglich bis zu zehn Stunden. Wenn es richtig heiß wird, dauert das Lernen länger, sagen sie. Ihre Namen wollen sie nicht preisgeben, damit sie ihre erste Stelle später "unvorbelastet" antreten können. Viele Arbeitgeber würden das Internet durchforsten lassen, bevor sie einen Bewerber nehmen. Wenn dann ein unschönes Handy-Foto zum Vorschein käme, wäre das sicher nicht so gut. Also besser gar keine Daten, auch keine Namen.
Auch die beiden Köche im Thai-Imbiss, die in ihren Woks über einer großen Flamme fernöstliche Gerichte zubereiten, wollen anonym bleiben und auch nichts zur Hitze sagen. Im "Subway"-Laden gegenüber ist es gegen 14 Uhr irre heiß geworden. Die beiden Mitarbeiter aber müssen ihre Mützen mit dem Firmen-Emblem immer aufbehalten - schon der Hygiene wegen ist das vorgeschrieben. Wenn die Temperaturen nach oben klettern, haben sie mehr Kunden: "Die Leute haben dann keine Lust mehr selbst zu kochen."
Michael Horn von der Shell-Tankstelle hat dagegen "acht bis zehn Prozent" weniger Umsatz. Aber dafür sei nicht die Hitze, sondern die Urlaubszeit verantwortlich. Eiswürfel seien derzeit Mangelware. "Manche schleppen solche Mengen weg, als wollten sie damit das Bett kühlen." Trinken und lüften - damit hält sich Stephan Künkel in seinem Copy-Shop über Wasser. Die Kopiergeräte laufen heiß und Künkel überlegt sich wie in jedem Jahr, "ob sich eine Klimaanlage lohnt". Aber irgendwie wolle er ja auch spüren, "dass Sommer ist".

Die Stadt und Region auf einen Blick: unsere neue Übersichtsseite für Frankfurt und Rhein-Main - das Pflicht-Lesezeichen für alle Hessen.
Berichte aus Bad Homburg, Hochtaunus | Bad Vilbel, Wetterau | Darmstadt | Frankfurt | Kreis Groß Gerau | Hanau, Main-Kinzig | Main-Taunus | Mainz | Offenbach | Kreis Offenbach | Wiesbaden.
Facebook | Twitter überregional | Google+
Sehen Sie auch die Ergebnisse nach Stadtteilen als Grafik-Fotostrecke. Außerdem zeigen wir die Top- und Flop-Ergebnisse von Peter Feldmann und Boris Rhein nach Stadtteilen und noch detaillierter nach Wahlbezirken. Alles Weitere im Wahl-Spezial.
Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten gleichermaßen: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten. Das Spezial.