Noch kann über den Bockenheimer Uni-Campus an sonnigen Sommertagen ein laues Lüftchen hinwegwehen. Ist das Gelände im Sinne des zu erwartenden städtischen Bebauungsplanes erst einmal neu bebaut, wird damit wohl Schluss sein.
"Da das Gelände um das Bockenheimer Depot damit auch versiegelt wird, kann die Strömung aus Nord-Ost nicht mehr drüber weg streichen", erläutert Astrid Romey vom Stadtplanungsamt. Die Fachfrau versicherte aber den Bürgern in der jüngsten Sitzung des Ortsbeirats 2, dass die Situation für die an das Gelände angrenzende Nachbarschaft "überwiegend unverändert" bleibe. Für Durchlüftung und Luftaustausch dort hätte die Bebauung keine Relevanz - auch nicht das Ensemble aus vier Hochhäusern, das im Süden statt des heutigen AfE-Turms entstehen soll.
Auch wenn sich auf dem Areal selbst die Strömungsgeschwindigkeit des Windes reduziere, sei die Duchlüftung immer noch gut. Das war eine Aussage, der die Bürger keinen Glauben schenken wollten. "Für blöd" werde man hier verkauft, beschwerten sich einige. Sie kamen allerdings kaum dazu, ihre Bedenken zu äußern, da Ortsvorsteher Walter Bromba (Grüne) ihnen das Wort abschnitt. Zu groß war wohl die Befürchtung, die Diskussion könne aus dem Ruder laufen.
Dabei hatte der Ortsbeirat sich selber, auf einen Antrag der SPD hin, dafür eingesetzt, dass Klimagutachten zu Auswirkungen der neuen Bebauung auf dem Campus Bockenheim wie auch des Hochhausrahmeplans für das Westend, in der Sitzung vorgestellt werden. Bisher hatte sich das Planungs-Dezernat von Edwin Schwarz (CDU) mit dem Hinweis, es handele sich um für den Laien unverständliche Expertisen, bedeckt gehalten.
Gutachten "zu aufwendig"
Eine Untersuchung des Mikroklimas an Hochhäusern sei auch zu aufwendig, meinte Planungsamtmitarbeiter Uwe Wahl. So habe die Erfahrung gezeigt, dass etwa die Verschattung keinen großen Einfluss auf die Temperatur habe. Untersuchungen im Windkanal und am Rechner hätten ergeben, dass Hochhäuser in den vorgesehenen Clustern Durchlüftung und Luftaustausch nicht nachhaltig beeinflussten.
Einzig die Fallwinde am Hochhaus müssten von Fall zu Fall genauer betrachtet werden. Schließlich dürfe der Wind auf einer Ecke des Hochhauses nicht so beschleunigt werden, dass durch ihn Gefahr für Leib und Leben entstehe. Als zumutbar beurteilt das Stadtplanungsamt hier eine Situation, in der sich ein Passant bei starkem Wind nicht mehr sitzend oder stehend am Hochhaus aufhalten kann, sondern weitergehen muss. Eine solche Situation sei an der nordwestlichen Ecke des Operntums zu erwarten
Dumm nur, dass hier, wie Ortsbeirätin Birgit Puttendörfer zu berichten wusste, die Freifläche für die im Turm geplante Kindertagesstätte entstehen soll. Für die muss nun voraussichtlich ein geeigneter Windschott aus Pflanzen angelegt werden. Ein solcher lenkt aber den Wind nicht um. Er bricht ihn in viele kleine Einzelwirbel auf.

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