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Rhein-Main und Hessen
Hessische Landespolitik und Berichte aus dem Rhein-Main-Gebiet.

02. Februar 2015

Sozialbudget: Suchthilfe-Projekte vor dem Aus

 Von 
Die Hilfe für Abhängige in Hessen ist gefährdet.  Foto: Andreas Arnold

Die Zukunft von acht hessischen Projekten, die Drogenabhängige nach ihrem Entzug betreuen, ist gefährdet. Weil die Unterstützung durch EU-Gelder wegfällt, wackelt die Finanzierung.

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Acht hessische Projekte, die Drogenabhängige nach ihrem Entzug an einen geregelten Tagesablauf und Arbeit gewöhnen, sind gefährdet. Für die etwa 165 betroffenen Menschen wäre es „tragisch“, wenn die Finanzierung nicht gesichert werden könnte, mahnt Annette Wippermann vom Paritätischen Wohlfahrtsverband.

Wenn man mit Vertretern von Landespolitik, Kommunen und Trägern spricht, bestreitet niemand, dass die Projekte sinnvoll sind und den Staat am Ende sogar entlasten, weil Kosten für Drogenentzug oder psychiatrische Behandlung vermieden werden. Die Frage ist allerdings, wer dafür bezahlt.
Zum Jahreswechsel ist ein wichtiger Teil der Finanzierung weggebrochen, der aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) gespeist wurde. Eines der Projekte, das vom Verein Trockendock in Friedberg betrieben wurde, musste nach Angaben des Wohlfahrtsverbands bereits seinen Betrieb einstellen. Anbieter in Frankfurt, Darmstadt und Limburg hielten den Betrieb mühsam aufrecht, zum Teil mit weniger Plätzen als bisher. Nur in Offenbach ist das Jobcenter eingesprungen.

Land kürzte Mittel schon 2004

Der Paritätische hofft, dass das Land die fehlenden 550 000 Euro noch in den Haushalt einstellt. Die Integrationshilfe für Menschen, die viele Jahre als Süchtige verbracht und in vielen Fällen nie ein geregeltes Arbeitsleben geführt haben, geht auf ein Suchthilfe-Programm Hessens zurück.
Lange sei sie auch vom Land finanziert worden, bis sie der Kürzungsaktion „Operation sichere Zukunft“ der CDU-Regierung im Jahr 2004 zum Opfer gefallen sei, erläutern Ossi Schneider von der Limburger Jugend- und Drogenberatung und Mechthild Rau vom Suchthilfeverein Wildhof in Offenbach. Auch deswegen hoffen sie, dass die Hilfe mit der Einführung eines Sozialbudgets unter der schwarz-grünen Landesregierung wiederkommt.

Kein Geld aus Sozialbudget

Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) erteilt dem Wunsch aber eine Abfuhr. Die Förderlinien im Sozialbudget seien nicht auf Suchthilfe oder -prävention ausgerichtet, erläuterte Grüttners Sprecherin Esther Walter. Der Haushalt 2015 wird am Mittwoch im Landtag beschlossen. Das Ministerium widersprach der Darstellung des Wohlfahrtsverbandes, dass die Angebote vor dem Aus stünden. Es zeichne sich ab, dass Kommunen und Jobcenter die Mehrzahl davon weiter fördern würden.

Bisher ist das nach Angaben der Träger aber nur in Offenbach gelungen, wo der Verein Wildhof eine entsprechende Vereinbarung mit den kommunalen Jobcentern treffen konnte. „Wir haben als einziger Träger eine nahtlose Unterstützung erhalten“, freut sich Geschäftsführerin Rau. Bei dem Projekt für Stadt und Kreis Offenbach, das insgesamt etwa 300 000 Euro im Jahr koste, stammten 80 000 Euro aus dem ESF-Topf.

In Frankfurt verhandeln nach Angaben von Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU) drei der vier betroffenen Träger mit der Stadt über die künftige Finanzierung: die Integrative Drogenhilfe, der Verein Arbeits- und Erziehungshilfe und der Verein Basis e. V. Schon bisher habe die Stadt 580000 der gut 1,5 Millionen bezahlt, sagt Birkenfelds Sprecherin Manuela Skotnik. 570 000 Euro seien vom Jobcenter aus Bundesmitteln hinzugekommen. Nun fielen 370 000 Euro weg. Derzeit prüfe man, welche Möglichkeiten es gebe, den betroffenen Klienten zu helfen. „Alle drei Projekte sind sehr sinnvoll“, betont Skotnik.

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