Frankfurt/Main. Die Pflege Angehöriger spielt in der Personalpolitik von Unternehmen eine wachsende Rolle. Das geht aus einer Studie hervor, die die Initiative Beruf und Familie am Dienstag in Frankfurt vorgestellt hat. "Die wichtigsten Maßnahmen betreffen dabei Information und Beratung", sagte Evelyne Freitag, Geschäftsführerin der Initiative, einer Tochter der gemeinnützigen Hertie-Stiftung. Die Beschäftigten bräuchten sofort Hilfe, wenn ein Angehöriger zum Pflegefall werde.
Die Initiative zertifiziert Betriebe für familienbewusste Firmenpolitik. Vier von fünf der ausgezeichneten Unternehmen rückten Pflege heute in den Fokus, sagte Freitag. Vor drei Jahren sei das Thema nicht einmal jedem zehnten Betrieb wichtig gewesen. Neben der Beratung seien flexible Arbeitszeiten und externe Unterstützung wichtig für die Mitarbeiter. Das sei ähnlich wie bei der Kinderbetreuung. "Der große Unterschied ist nur: Pflege ist nicht planbar", betonte Freitag. Kinder brächten zudem Freude, auch wenn die Belastung bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie hoch sei. "Pflege endet im Tod." Die Zeit bis dahin sei etwa bei Demenzpatienten unklar.
In diesem Jahr verleiht die gemeinnützige GmbH das Zertifikat "Beruf und Familie" an fast 300 Unternehmen, Institutionen und Hochschulen - davon in mehr als jedem zweiten Fall zum ersten Mal. Das Interesse an den nicht gerade profitsteigernden Themen bleibe trotz Wirtschaftskrise hoch, sagte Geschäftsführer Stefan Becker. "In Zeiten von Führungsmangel und demografischen Wandel ist das nicht mehr der Sozial-Klimmbimm, wie er früher einmal war." Besonders kleine- und mittelständische Unternehmen hätten den Bedarf familienorientierter Personalpolitik erkannt.
Die Initiative betonte, dass flexible Arbeitszeiten besonders wichtig seien. "Da werben wir noch sehr in den Unternehmen", sagte Becker. Für Ostdeutschland gelte ein differenzierterer Blick: "Viele möchten viel arbeiten, um entsprechende Einkommen zu erwirtschaften."
In Hessen werden an diesem Freitag (11. Juni) 21 Zertifikate verliehen. Es sei auch das erste Bundesland, in dem alle Landesministerien ausgezeichnet wurden, sagte Becker. Erstmals seien in diesem Jahr auch alle obersten Bundesbehörden wie Ministerien und dem Bundesrechnungshof gemäß eines Kabinettsbeschlusses zertifiziert worden. (dpa/lhe)

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