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Spargelernte: Kein Mangel an Saisonarbeitern

Die hessischen Spargelbauern profitieren von der Wirtschaftskrise in Osteuropa. Das Angebot an Saisonarbeitskräften hat in diesem Frühjahr deutlich zugenommen. Von Martin Brust

Kroatische Erntehelfer stechen auf einem Acker von Bauer Merlau in Darmstadt-Arheiligen Spargel. Die Bauern haben in diesem Jahr ein großes Angebot an Saisonarbeitern.
Kroatische Erntehelfer stechen auf einem Acker von Bauer Merlau in Darmstadt-Arheiligen Spargel. Die Bauern haben in diesem Jahr ein großes Angebot an Saisonarbeitern.
Foto: ddp

"Wir werden dieses Jahr genug Saisonarbeiter auf den Spargelfeldern haben. Das Angebot aus Polen und Rumänien ist unwahrscheinlich hoch", sagt Wolfgang Böser, Vorsitzender des Verbandes süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer (VSSE). Genaue Zahlen kann Böser nicht nennen. Aber weil die Anbaufläche sich gegenüber 2008 nicht wesentlich geändert hat, dürfte auch der Arbeitskräftebedarf auf dem Niveau des Vorjahres liegen.

Vergangenes Jahr hatten bis zum Ende der Spargelsaison am 24. Juni rund 11.500 osteuropäische Saisonarbeitskräfte einen Job auf hessischen Feldern gefunden, davon mit über 8700 der Großteil im Bezirk Darmstadt der Arbeitsagentur. Hessenweit waren das etwa 1000 mehr als 2007.

Die meisten Spargelstecher kommen aus Polen

"Auch 2009 werden über 60 Prozent der Saisonarbeiter aus Polen kommen", glaubt Böser. In den zurückliegenden Jahren gab es bei polnischen Arbeitern die Tendenz, lieber in Großbritannien oder Skandinavien anzuheuern. 2007 klagten viele Bauern, dass Arbeitskräfte nicht wie vereinbart angetreten seien. Etliche Stellen wurden dann mit Rumänen besetzt, damals wie heute die zweitgrößten Gruppe der osteuropäischen Saisonarbeiter.

Laut Böser ist heuer aber gerade die britische Insel nicht mehr so attraktiv, weil sie ihren Arbeitsmarkt besser schütze als früher. Durch die verheerenden Auswirkungen der aktuellen Wirtschaftskrise in Osteuropa hätten viele Menschen zudem kaum noch Alternativen.

Pfund-Abwertung macht Großbritannien weniger attraktiv

Dieser Ansicht ist ebenfalls Andrea Adams, Sprecherin des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz, der auch Spargelbauern vertritt. Großbritannien sei durch die Abwertung des Pfundes nicht mehr so attraktiv. Und Rolf Meinhard, Vorsitzender des Arbeitskreises Spargel Südhessen, sagt: "Die Polen kommen zurück. Viele haben gemerkt, dass nicht nur die Löhne, sondern auch die Lebenshaltungskosten in England höher sind und sie unter dem Strich weniger hatten."

Bei ihm kam schon immer die Mehrheit der 300 Saisonkräfte aus Rumänien. In der Branche, bestätigt er, hätten in den vergangenen zwei bis drei Jahren weniger Polen und mehr Rumänen gearbeitet.

Bei der hessischen Agentur für Arbeit gibt es noch keine vollständigen Zahlen für 2009. Die bereits vorliegenden lassen aber den Schluss zu, dass polnische Saisonarbeiter wieder vermehrt anfragen, so Sprecherin Angela Köth.

Konkret: Bundesweit wurden zwischen Januar und März knapp 54 000 polnische Saisonarbeiter registriert, rund 1500 weniger als 2008. In Hessen waren es zwischen Dezember 2008 und März 2009 exakt 2240, gut 400 weniger als im Vorjahreszeitraum. Dafür hat sich die Zahl der Rumänen von rund 2800 auf 3400 erhöht.

Egal, wer erntet: Liebhaber des königlichen Gemüses interessiert vor allem, dass zu Ostern der ersten - allerdings wenig und daher teuer - heimische Spargel verfügbar ist.

Autor:  MARTIN BRUST
Datum:  9 | 4 | 2009
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