Wiesbaden. Der frühere hessische SPD-Vize Jürgen Walter hat den Verbleib Andrea Ypsilantis an der Spitze des SPD-Landesverbands und der Landtagsfraktion kritisiert.
Sie erschwere damit dem neuen Spitzenkandidaten Thorsten Schäfer-Gümbel, bis zur Neuwahl des Landtags aus ihrem "Windschatten" zu treten, sagte Walter am Montagabend in der ARD-Sendung "Beckmann". "Es hätte die Chancen von Thorsten Schäfer-Gümbel und damit der SPD erhöht, wenn sie mindestens eins der beiden Ämter aufgegeben hätte." Walter rechnet nach eigenen Worten damit, sein Landtagsmandat zu verlieren.
Der frühere stellvertretende SPD-Landesvorsitzende warf Ypsilanti vor, sich früh auf eine von der Linken tolerierte rot-grüne Minderheitsregierung versteift zu haben. Der innerparteiliche Diskussionsprozess sei nicht ergebnisoffen gewesen.
Walter und drei Fraktionskolleginnen hatten wegen ihrer Bedenken gegen eine Zusammenarbeit mit der Linken in der vergangenen Woche die Wahl Ypsilantis zur Ministerpräsidentin und damit eine Regierungsübernahme ihrer Partei verhindert. In der Sendung warfen sie Ypsilanti vor, ihre wiederholten Einwände und Warnungen missachtet zu haben. Ypsilanti habe "durchregieren" wollen, sagte die Landtagsabgeordnete Carmen Everts.
Sie habe auf die Abhängigkeit der Abgeordneten von ihrem Mandat spekuliert: "Das ist etwas, was mich fassungslos gemacht hat." Ihre Kollegin Silke Tesch erklärte, sie habe "gebetsmühlenartig" in jeder Fraktionssitzung vorgetragen, welche Probleme sie bei einer Zusammenarbeit mit der Linken sehe. Etwa eine Woche vor dem Wahltermin habe Ypsilanti ihr den Posten einer Landtagsvizepräsidentin in Aussicht gestellt.
Sie lasse sich aber nicht kaufen. Die Abgeordnete Dagmar Metzger, die sich schon im März Ypsilantis Vorhaben verweigert hatte, verglich die Stimmung bei einer damaligen Parteiratssitzung mit einem Tribunal. (dpa)

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