kalaydo.de Anzeigen

SPD Südhessen: Partei nimmt die Schärfe raus

Die Flügel verschieben ihren Konflikt um Rot-Grün-Rot, aber die Mehrheit steht zur linken Position Andrea Ypsilantis.

Jürgen Walter meint, die SPD solle auf Regionalkonferenzen ihr Verhältnis   zur Linken diskutieren.
Jürgen Walter meint, die SPD solle auf Regionalkonferenzen ihr Verhältnis zur Linken diskutieren.
Foto: Boeckheler

Nachts wird es dunkel. Das ist doch nur selbstverständlich. Warum sollte ich da nicht klatschen?" Der Kommentar des Genossen in einer der letzten Reihen im großen Saal der Neu-Isenburger Hugenottenhalle war auf Jürgen Walter gemünzt. Der hatte gerade - nach dem Verständnis des Kommentators - eine solche Selbstverständlichkeit eingefordert. Dass Walter von Genossen Applaus bekommt, ist weniger selbstverständlich.

Die hessische SPD, so hatte Walter vom Rednerpult den Delegierten des Parteitags zugerufen, solle in Regionalkonferenzen endlich ihr Verhältnis zur Linken klären. "Es ist nicht ein einziges Mal angesprochen worden, was für eine Partei die Linke eigentlich ist", sagte Walter. "Ohne Scheuklappen" solle die SPD überlegen, in welcher Konstellation eine stabile Regierungsmehrheit zu erreichen sei. Die "emotionale Hinwendung" zur Linken genüge nicht zur Regierungsfähigkeit. Dass Walter eine Große Koalition dem erneuten Anlauf zu Rot-Grün-Rot vorzieht, ist hinlänglich bekannt. Andernfalls drohten Neuwahlen - "die vorsätzliche Exekution der hessischen Sozialdemokratie".

Drittel-Applaus für Walter

Buhrufe gab es nicht, nicht mal Pfiffe - wie noch im Mai in Hanau, als Walter für seine Kritik an der Haltung der Partei und ihrer Vorsitzenden Andrea Ypsilanti den Unmut des Saals auf sich gezogen hatte und der Parteitag mit 90 Prozent gegen eine Zusammenarbeit mit der Union votierte. Diesmal bekam er Applaus, vor allem von Delegierten aus den Unterbezirken Main-Kinzig, Main-Taunus, Wetterau, Darmstadt-Dieburg. Ein Drittel rührte für Walter die Hand.

Man darf so etwas, wie es Walter tat, in der südhessischen SPD wieder sagen, geliebt wird man dafür nicht. Man bekommt auch keinen rhythmischen Applaus, wie der Unterbezirksvorsitzende Gernot Grumbach. Der sprach sich für einen neuen Anlauf zur Bildung einer rot-grünen Regierung in Hessen mit Hilfe der Linken aus. "Mir geht es um Politikwechsel, dir geht es um stabile Mehrheiten - das ist ein Unterschied", sagte Grumbach zu Walter. Wenn sich die SPD der Zusammenarbeit mit der Linken verweigere, bleibe Koch im Amt, blieben die Missstände erhalten. "Jeder, der dafür sorgt, dass wir in Hessen nicht regieren können, ist für die Folgen verantwortlich", sagte Grumbach in Anspielung auf die SPD-Landtagsabgeordnete Dagmar Metzger, die offen gegen eine Wahl Ypsilantis zur Ministerpräsidentin mit den Stimmen der Linken opponiert hatte.

Man hatte sich für diesen Tag vorgenommen, offenen Streit zu vermeiden, wollte dem politischen Gegner nicht noch mehr Munition für das "Sozi-Bashing" liefern, wie es Thorsten Schäfer-Gümbel formulierte. Gelungen ist das zwar nicht, immerhin aber nahmen die Redner etwas die Schärfe aus der Debatte. Das Gegrummel der Partei-Rechten war nur am Rande zu vernehmen, das Wort führte die linke Ypsilanti-Mehrheit. So warnte Erika Fleuren aus Wiesbaden davor, den Wahlerfolg zu verspielen. Koch sei am 27. Januar abgewählt worden. Die SPD müsse diesen Wählerauftrag umsetzen, andernfalls lange auf eine zweite Chance warten.

Einzig Carmen Everts aus dem Kreis Groß-Gerau mahnte, ein Bündnis mit der Linken nicht nur taktisch zu sehen, sondern auch zu fragen, ob so tatsächlich eine tragfähige Mehrheit zu finden sei.

Auf eine Linie gegenüber der Linken legten sich die Delegierten nicht fest. Zwar gab es eine ganze Reihe von Anträgen dazu, doch das Präsidium schob sie zunächst ans Ende des Treffens, und dann kamen sie gar nicht mehr dran.

Einstimmig verabschiedeten die Delegierten einen Antrag, in dem sie den SPD-Bundesvorstand auffordern, in Firmen, an denen die SPD-eigene Medienholding DDVG beteiligt ist, weder Unternehmensteile auszugliedern noch Tarifverträge zu unterlaufen. Die DDVG ist Minderheitseigentümerin des Druck- und Verlagshauses Frankfurt am Main (DUV), in dem die FR erscheint. Dort sollen Teile des Betriebs in eine GmbH überführt werden.

Ypsilanti gegen Leichtsinn

Die hinhaltende Taktik der Südhessen-SPD in Sachen Linke korrespondierte am Wochenende mit den Äußerungen der Parteivorsitzenden, die in Nordhessen die Bundestagung der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen besuchte. Sie wolle keinen neuen Anlauf wagen, sich zur Ministerpräsidentin wählen zu lassen, sagte sie. "Im Moment steht das nicht zur Debatte. Ich gehöre zu den Mutigen, aber nicht zu den Leichtsinnigen", sagte Ypsilanti. Ausschließen wollte die hessische SPD-Chefin den erneuten Versuch eines Linksbündnisses zwar nicht. Bis Jahresende wolle sie sich aber zunächst anschauen, wie verlässlich sich die drei Fraktionen zueinander verhielten.

Eine Linie, die Heidemarie Wieczorek-Zeul ebenfalls vor Augen hat. Die Bundesentwicklungs-Ministerin und sagte am Rande des Parteitags, SPD, Grüne und Linke sollten zunächst in inhaltlichen Punkten Mehrheiten schaffen.

Autor:  PETER HANACK
Datum:  16 | 6 | 2008
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Twitter im Landtag
 

Nachrichten aus Frankfurt und Rhein-Main

Anzeige

Social Media
Unser Twitter-Ticker für Frankfurt und Rhein-Main.

 

Facebook | Twitter überregional | Google+
Was bedeutet das hier? FR@Social Media!

Anzeige

Frage des Tages: Sollte man härter gegen Graffiti-Sprayer vorgehen?

Frankfurts Fassaden sind voll von Graffiti. Die Verursacher sind meistens nicht festzustellen. Die Polizei will nun härter gegen Graffiti-Sprayer vorgehen. Was halten Sie davon?

 

OB-Stichwahl in Frankfurt
Wahlergebnis Sehen Sie auch die Ergebnisse nach Stadtteilen als Grafik-Fotostrecke. Außerdem zeigen wir die Top- und Flop-Ergebnisse von Peter Feldmann und Boris Rhein nach Stadtteilen und noch detaillierter nach Wahlbezirken. Alles Weitere im Wahl-Spezial.
Frage des Tages: Welches Thema sollte der neue OB Peter Feldmann zuerst angehen?

Peter Feldmann wird Frankfurts neuer Oberbürgermeister. Welches Thema sollte der Sozialdemokrat in seinem neuen Amt als erstes angehen?

OB-Wahl in Frankfurt
So freuen sich Oberbürgermeister: Petra Roth (CDU) und Peter Feldmann (SPD), letzterer mit der Hand in der Hosentasche, ein Fauxpas.
Machtkampf nach OB-Wahl in Frankfurt 
        

Zählt die Tage bis zum Amtsantritt: Peter Feldmann.
Neuer Oberbürgermeister Frankfurt 
Der neue Oberbürgermeister Peter Feldmann bringt ein neues Team mit.
Nach der OB-Wahl in Frankfurt 
Prinz Asfa-Wossen Asserate.
Nach der OB-Wahl in Frankfurt 
So freuen sich Oberbürgermeister: Petra Roth (CDU) und Peter Feldmann (SPD), letzterer mit der Hand in der Hosentasche, ein Fauxpas.
Nach der OB-Wahl in Frankfurt 
Spezial: Frankfurt Flughafen

Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten gleichermaßen: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten. Das Spezial.


Spezial: Der Flughafen wächst weiter
Manche Menschen freuen sich über den Klang von Glocken, andere fühlen sich gestört. (Symbolbild)
Fluglärm in Frankfurt 
        

Für diejenigen Menschen, die unter dem Fluglärm leiden, ist Frankfurt bei weitem nicht „grün“ genug.
Fluglärm in Frankfurt 
        

Wohnen in der Region: Lärm, aber noch kein Schallschutz.
Schleppende Antragsbearbeitung 
        

Nach Sonnenuntergang sollen auch die Flieger unten bleiben.
Nachtflugverbot 

Anzeige

Staumelder

Staumelder 13 Staus mit einer Gesamtlänge von 55km
Zu den Staumeldungen
Spezial

Auch dieses Jahr dürfte beim Schulwechsel der Sturm auf die Gymnasien ungebrochen anhalten. Doch welche Schulen passen eigentlich zu welchen Kindern? Die FR bietet einen Überblick.

Glosse
        

Da steht sie auf ihrem Brunnen in der Klappergasse.

Jeden Tag gibt's nun eine kurze Glosse zu unglaublichen Geschichten aus dem Frankfurter Alltag zu lesen.

 

Anzeige

 
Frankfurter Stadtteil-Porträts
Fragt man in Frankfurt die Leute, was denn die Hauptwache sei, bekommt man viele Antworten. Die einen haben einen Platz vor Augen, andere verwechseln die Hauptwache mit der Zeil. Wieder andere gehen davon aus, mit der Verabredung sei das Café Hauptwache gemeint. Oder auch die Standuhr dahinter.
Frankfurter Innenstadt 
..die Villa Meister. Das prachtvolle und heute denkmalgeschützte Gebäude hatte Herbert von Meister,der  Sohn von Carl Friedrich Wilhelm Meister, einem der Begründer der Farbwerke Hoechst, im Jahr 1902 erworben.
Frankfurt-Sindlingen 
        

Schon schön: Ein Blick in     die Grillparzerstraße im Dichterviertel.
Frankfurt-Dornbusch 
Auf den fruchtbaren Äckern im Frankfurter Norden wird immer noch Landwirtschaft betrieben. Und manch ein Erzeuger vermarktet seine Produkte immer noch selbst.
Frankfurt-Nieder-Eschbach 
Weblog

Seit vielen, vielen Jahren ist "kit" Eishockey-Berichterstatter. Im Blog berichtet er über die Löwen Frankfurt - "in your face".