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Ausbaugegner im Interview

"Hartnäckigkeit macht Spaß"

Ausbaugegner sprechen im FR-Interview über ihre Motivation, trotz Rodungen weiterzumachen. Denn: "Unsere Argumente gegen den Ausbau sind nach wie vor richtig."

Wilma Frühwacht-Treber  ist Mitglied der Bürgerinitiative gegen Flughafenerweiterung und unterstützt die Kelsterbacher Mahnwache.
Wilma Frühwacht-Treber ist Mitglied der Bürgerinitiative gegen Flughafenerweiterung und unterstützt die Kelsterbacher Mahnwache.
Foto: Privat

Die Bäume im Kelsterbacher Wald sind gerodet. Der Hessische Verwaltungsgerichtshof hat geurteilt, dass der Ausbau rechtens sei. Ein Jahr nach Räumung des Waldbesetzercamps: Lohnt sich der Kampf eigentlich noch?

Wilma Frühwacht-Treber: Unsere Argumente gegen den Ausbau sind nach wie vor richtig. Hier im Kelsterbacher Wald findet ein massiver Eingriff in unsere Lebensgrundlagen statt. Hier wird zerstört, was für unser Leben wichtig ist - saubere Luft, sauberes Wasser, gesunder Boden. Das hat sich auch nach einem Richterspruch nicht geändert.

Zur Person

Wilma Frühwacht-Treber (51) ist Mitglied der Bürgerinitiative gegen Flughafenerweiterung und unterstützt die Kelsterbacher Mahnwache. Sie lebt in Mörfelden und ist Inhaberin einer Bioweinhandlung.

Jörg Lüsing (33) lebt in einem Bauwagen an der Mahnwache im Kelsterbacher Wald. Er studiert Ethnologie, Philosophie und Politik in Mainz und verdient sich sein Geld als Fahrradkurier. (frs)

Jörg Lüsing ist Student und lebt in einem Bauwagen an der Mahnwache im Kelsterbacher Wald.
Jörg Lüsing ist Student und lebt in einem Bauwagen an der Mahnwache im Kelsterbacher Wald.
Foto: Schuster/FR

Jörg Lüsing: Dass ich weiter im Wald lebe - nach der Räumung des Camps nun in der Mahnwache - verstehe ich als demokratisches Engagement. Viele Leute haben eine Meinung, tun sie aber nicht mehr kund. Und das ist eine Katastrophe. "Die machen ja sowieso, was sie wollen", höre ich von vielen frustrierten Bürgern. Die Richter haben aber ein Urteil gefällt, mit dem man sogar als Ausbaugegner ein Stück weit was anfangen kann: Über das Nachtflugverbot wird ja noch diskutiert.

Ist keine Resignation bei den Aktivisten eingekehrt?

Lüsing: Nein, das denke ich nicht. Der Eindruck, der leicht entstehen könnte, wir hätten versagt, stimmt nicht. Noch immer erfahren wir viel Unterstützung aus der Bevölkerung. Die Zustimmung für den Ausbau, auch wenn sie noch nie ermittelt wurde, ist in der Region insgesamt nicht so hoch. Die Ausbaugegner bilden ein breites Spektrum - vom Häuslebauer bis zum emanzipatorischen Aktivisten.

Frühwacht-Treber: Nach der Abholzung nun einfach abzuziehen - das wäre Resignation. Der Bau der geplanten Nordwestlandebahn bedeutet ja auch bestimmt noch nicht das Ende aller Ausbaupläne. Die Mahnwache ist ein Symbol und wichtiger Teil des Widerstands. Und zwar 365 Tage im Jahr.

Lüsing: Ja - und nicht zu vergessen: Hartnäckigkeit macht einfach Spaß.

Das zeugt von Standhaftigkeit. Doch könnten Sie nicht jederzeit wieder vom Platz fliegen?

Lüsing: Die Mahnwache hat den Status einer genehmigten Versammlung. Die Stadt Kelsterbach erlaubt uns das Aufstellen von vier Bauwagen und unbegrenzt vielen Zelten.

Frühwacht-Treber: Vor einem Jahr hatten wir professionelle Unterstützung durch die Umweltschutzorganisation Robin Wood. Fotos von spektakulären Kletteraktionen und Transparenten in den Bäumen erfuhren viel Aufmerksamkeit, auch in den Medien, sie brachten uns viele Spenden ein. Leute, die zum Teil schon bei den Protesten gegen die Startbahn West dabei waren, spenden Material und Geld. All diese Leute würden uns auch bei einer eventuellen Räumung unterstützen. In der Region haben wir viel Sympathie - nur der Flughafenbetreiber Fraport hasst uns regelrecht. Falls man uns abtransportieren würde, wäre das natürlich sofort in den Medien - und Räumungsbilder machen sich nicht so gut. Deshalb denke ich, dass man eher mit uns in Verhandlungen treten wird.

Der Ausbau mag Natur zerstören, aber er bringt doch auch neue Arbeitsplätze, oder? Die Lufthansa droht mit Wegzug nach München, falls ...

Frühwacht-Treber: Soll sie doch! Das Rhein-Main-Gebiet verträgt eigentlich keine weitere Belastung mehr. Hier gibt es eine Ballung auf engstem Raum. Fluglärm bedeutet einen enormen Stressfaktor, eine gesundheitliche Belastung für die, die hier wohnen, und für die, die hier arbeiten. Unsere Region ist nicht nur Oberzentrum mit Arbeitsplätzen, hier wohnen auch Menschen, die ihre Freizeit hier verbringen wollen. Zur Lebensqualität in der Rhein-Main-Region gehören nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch eine intakte Umwelt.

(Interview: Frank Schuster)

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Datum: 18 | 2 | 2010
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