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Bad Homburg

Eine neue Ära

Grün wirkt offenbar beruhigend: In der ersten Parlamentssitzung mit dem neuen OB Korwisi herrscht unter den Fraktionen in Bad Homburg ungewohnte Einigkeit. Von Martina Propson-Hauck

Sonnenblumen für den OB: Die Grüne Jugend gratuliert Michael Korwisi bei der Amtseinführung.
Sonnenblumen für den OB: Die Grüne Jugend gratuliert Michael Korwisi bei der Amtseinführung.
Foto: FR/Müller

Es war die erste Stadtverordnetenversammlung unter dem neuen Oberbürgermeister Michael Korwisi und sie strahlte ein wenig von dem Zauber aus, der jedem Anfang innewohnt. Zunächst verhedderte sich der neue Oberbürgermeister am Donnerstagabend ein wenig beim Umlegen seiner Amtskette, die er bei der Einführung von Beate Fleige (BLB) als neuem Magistratsmitglied tragen musste. Diese nimmt nun den Platz ihres verstorbenen Mannes ein und kümmert sich als Dezernentin künftig um die Kultur in der Stadt.

Auch Stadtverordnetenvorsteher Franz-Josef Ament verhedderte sich immer wieder, wenn er dem "Herrn Korwisi, ähem Herrn Oberbürgermeister Korwisi" das Rederecht erteilte. Aber insgesamt herrschte eine solch ungewohnte Einigkeit zwischen den Fraktionen, dass man alle Sachfragen in ungewohnter Rasanz abwickeln konnte. Man wollte sich die Augen reiben. "So friedlich kann das hier doch gar nicht weitergehen", gaben Beobachter ihrem Erstaunen Ausdruck. Das bleibt abzuwarten.

So einigten sich am Donnerstagabend also alle Frakrtionen ganz schnell, friedlich und einstimmig auf fast alle Tagesordnungspunkte. Unter anderem darauf, dass man sich mit dem Hochtaunuskreis jetzt auf das Vickersgelände als neuen Standort für den Neubau der Pestalozzischule verständigen solle.

Nach den jahrelangen Debatten um den neuen Standort der Schule, erstaunt es, wie einfach nun die Lösung ist. Abgehakt der vehemente Streit zwischen Mehrheitsfraktionen, die auf dem Bommersheimer Weg beharrten und der Bürgerinitiative, die das partout nicht wollte. Fast schon vergessen der von der ehemaligen OB und dem Landrat kurzfristig ins Spiel gebrachte und gepriesene Standort der ehemaligen Kerschensteinerschule.

Grünes Wunder in Bad Homburg

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Hart in der Sache

Mittlerweile hat die Stadt ja auch das 22000 Quadratmeter große Vickersgelände gekauft und alle finden es prima, dass dort die aus allen Nähten platzende Pestalozzischule neu entstehen kann. Die benachbarte Humboldtschule findet dort ebenfalls Erweiterungsmöglichkeiten für Klassenräume, Mensa und Sporthalle. Letztere könnte auch von beiden Schulen genutzt werden. Die Schülerzahl an der Humboldtschule wird wegen der großen Nachfrage in den kommenden Jahren von jetzt 1700 auf über 1800 steigen.

Waldemar Schütze (SPD), der in dieser Jungfernsitzung des neuen OB seinen 65. Geburtstag feierte, regte an, das Vickersgrundstück mit dem Hochtaunuskreis gegen das Grundstück zu tauschen, auf dem noch die Hochtaunuskliniken stehen. Wenn deren Neubau in fünf bis acht Jahren am Kronenhof fertig sei, könne die Stadt Bad Homburg auf dem frei gewordenen Krankenhausgelände Wohnungen und eine Kita bauen.

Ein paar kleinere politische Sticheleien blieben trotz aller Harmoniebedürftigkeit nicht aus. Dennoch scheint der Klimawandel im Parlament angekommen zu sein. Korwisi nutzte seine ersten Redebeiträge als Oberbürgermeister vor dem Parlament, um sehr sorgfälig auf die einzelnen Argumente seiner Vorredner einzugehen. Eine neue, eine ganz andere Art des Umgangs miteinander bahnt sich da an.

Selbst bei dem spitzen Einwurf, warum der Kreis das Vickersgelände denn eigentlich nicht selbst gekauft habe, da er doch Bauträger der öffentlichen Schulen sei, nahm Korwisi jede Vorwurfshaltung aus der Diskussion: "Ich kann den Landrat gut verstehen", leitete er seine Erläuterungen über mögliche Schadensersatzklagen bei der Umwidmung des Gewerbegebiets in einen Schulstandort ein. Hart in der Sache, ohne persönliche Ressentiments - wie im Wahlkampf versprochen.

"Er hat einen ganz anderen Führungsstil", sagen Mitarbeiter aus dem Rathaus, nachdem sie nun eine Woche einen neuen Chef an der Spitze haben. So wie sie es sagen, klingt es äußerst erfreut, vielleicht auch ein wenig überrascht. Die Ära Korwisi bricht nun an.

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Autor: Martina Propson-Hauck
Datum: 25 | 9 | 2009
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