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Ausbau Frankfurter Flughafen

Nachtflüge unter der Lupe

Das Umweltbundesamt warnt vor Auswirkungen von Fluglärm während der Ruhestunden. Von Jürgen Schultheis

Auch die Lärmmessungen der Flughafenausbaugegner sind korrekt. Das ergaben jetzt Vergleichswertungen.
Auch die Lärmmessungen der Flughafenausbaugegner sind korrekt. Das ergaben jetzt Vergleichswertungen.
Foto: dpa

Mit zunehmender Fluglärmbelastung steigt das Risiko zu erkranken. Darauf hat am Montag das Umweltbundesamt (UBA) erneut hingewiesen. In der Begründung seiner Aussage beruft sich das UBA auch auf die Studie des Epidemiologen Eberhard Greiser. "Die aktuellen Ergebnisse zeigen, dass wir mehr tun müssen, um Bürgerinnen und Bürger vor Lärm zu schützen", sagt der Präsident des Umweltbundesamtes, Jochen Flasbarth. "Wir sollten im Sinne einer nachhaltigen Mobilität kritisch darüber nachdenken, welche Nachtflüge wirklich notwendig sind."

In der Einschätzung über die Effekte von Fluglärm beruft sich das UBA neben der Greiser-Studie auch auf die Hyena-Studie, in deren Verlauf die Lärmwirkung an mehreren europäischen Flughäfen untersucht worden war.

Die Autoren hatten 4861 Personen im Alter von 45 bis 70 Jahren an Flughafenstandorten in London, Berlin, Amsterdam, Stockholm, Mailand und Athen befragt und neben Flug- auch Straßenlärm berücksichtigt. Die Forscher kamen zum Ergebnis, dass mit steigendem Fluglärm vor allem in der Nacht das Risiko wächst, an Bluthochdruck zu leiden.

Unterschiede zwischen Männern und Frauen bei Fluglärm stellte die Gruppe nicht fest. Sehr wohl aber registrierten die Experten den beim Straßenlärm: Bei durchschnittlichen Pegeln am Tage, die vom Verkehr ausgehen, waren Männer stärker betroffen als Frauen. Wachsende Risiken treten auch auf, wenn nächtlicher Fluglärm und Straßenlärm zusammenkommen, dem die Anwohner 24 Stunden ausgesetzt sind. Diese Faktoren können zur Gesamtbelastung beitragen und laut Experten Herz-Kreislauf-Erkrankungen auslösen.

Die Europäische Umweltagentur weist daraufhin, dass jeder zweite Europäer, der in Städten oder Stadtregionen mit mehr als 250000 Einwohnern lebt, Straßenlärm ausgesetzt ist, der 55 Dezibel überschreitet. Nach Angaben der Agentur sind das europaweit 67 Millionen Menschen. Nach Einschätzung des Umweltbundesamtes ist mehr als jeder sechste Bundesbürger in Westdeutschland einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch Straßenlärm ausgesetzt. Eine Lärmuntersuchung des DLR Instituts für Luft- und Raumfahrtmedizin in Köln kommt darüber hinaus zum Ergebnis, dass Fluglärmbelästigungen höher ausfallen, "wenn zusätzlich zum Fluglärm eine zweite oder dritte Verkehrslärmquelle auf den Betroffenen einwirkt", schreiben Julia Quehl und Mathias Basner vom DLR Institut.

Der Epidemiologe Eberhard Greiser hatte vor einiger Zeit eine Fluglärmstudie vorgestellt, die für das Umfeld des Flughafens Köln/ Bonn erarbeitet worden ist. Dort starten und landen im Jahr zwischen 22 Uhr und 6 Uhr 32400 Maschinen (2009). Das sind knapp 90 Flüge in der Nacht, wobei an Samstagen und Sonntagen weniger Flugzeuge starten und landen als an durchschnittlichen Wochentagen. Im Jahr 2000 waren rund 40000 Maschinen zwischen 22 und 6 Uhr geflogen, das sind durchschnittlich 110 Starts und Landungen pro Nacht. In Frankfurt fliegen rund 50 Maschinen zwischen 23 und 5 Uhr, der beklagte Planfeststellungsbeschluss sieht durchschnittliche 17 Flüge vor. Fraport-Chef Stefan Schulte hatte kürzlich von acht bis zehn Nachtflügen gesprochen, die für den Betrieb auf Rhein-Main notwendig seien.

Schutz gegen Schlaganfall

Greiser geht davon aus, dass ohne zusätzlichen Lärmschutz rund um den Frankfurter Flughafen 6000 Personen mehr Schlaganfälle erleiden und 14500 Männer und Frauen mehr an ihren Herzkranzgefäßen erkranken werden. Zudem erwartet Greiser 2500 zusätzliche Brustkrebsfälle. Bei einer Veranstaltung in Flörsheim hatte Greiser gesagt, dass der Verdacht bestehe, dass Fluglärm ab 40 Dezibel die menschliche Gesundheit nachhaltig schädige. Ein Schalldruckpegel von 40 Dezibel herrscht beispielsweise in einer Bibliothek, in einer normalen Wohnung sind es 50 dB, und ein Staubsauger in einem Meter Entfernung erzeugt einen Schalldruck von 70 dB.

Das Frankfurter Stadtparlament hat vergangene Woche beschlossen, dass sich die Stadt an einer Studie zu den gesundheitlichen Auswirkungen von Fluglärm beteiligen werde. Zuvor soll eine Expertenanhörung anberaumt werden. Das Umweltbundesamt weist daraufhin, dass es bisher noch keine Antwort auf die Frage gebe, ob eine direkte Übertragung der Studienergebnisse zum Risiko durch nächtlichen Fluglärm auf andere Flughäfen möglich ist.

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Autor: Jürgen Schultheis
Datum: 1 | 3 | 2010
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