Herr Bullmann, wo konnten Sie den Hessen im Europaparlament helfen?
Von den ehrgeizigen europäischen Anstrengungen beim Kampf gegen den Klimawandel profitieren auch hessische Unternehmen, etwa in der Solar- oder Windkraftbranche. Wir haben erreicht, dass Hessen jeweils rund 27 Millionen Euro pro Jahr sowohl für Regionalentwicklung als auch für Beschäftigungsförderung erhält. Darüber hinaus konnte ich vielen Bürgerinnen und Bürgern direkt weiterhelfen. Ob es nun darum ging, Fördergelder für konkrete Projekte zu beantragen oder das angebliche Verbot des hessischen Apfelweins als ein Wahlkampfmanöver der hessischen Landesregierung zu entlarven.
Udo Bullmann (SPD) gehört dem Europäischen Parlament seit zehn Jahren an. Der promovierte Politikwissenschaftler aus Gießen wird am Tag nach der Europawahl 53 Jahre alt.
Im Europaparlament kümmert sich Gewerkschaftsmitglied Bullmann um eine soziale Beschäftigungspolitik.
Der Politiker ist Mitglied im Landesvorstand der hessischen SPD.
Was bringt Ihre Politik den Hessen in Zukunft, wenn Sie als Abgeordneter wieder gewählt werden? Nennen Sie bitte konkrete Punkte.
Wir setzen uns für faire Finanzmärkte ein. Das hilft dem Finanzplatz Frankfurt und der gesamten Region. Wir müssen Opel eine Perspektive als modernem europäischen Technologiekonzern geben. Hieran hängen zehntausende Arbeitsplätze in Hessen. Wir machen uns dafür stark, dass kleine und mittlere Unternehmen in Hessen dringend benötigte Kredite erhalten. Wir wollen sicherstellen, dass die Heuschrecken der Finanzmarktbranche nicht weiter ihr Unwesen treiben, wie derzeit bei den Firmen VAC in Hanau oder Norma in Maintal.
Viele Entscheidungen werden in Brüssel und Straßburg gefällt. Ist Ihre Arbeit inzwischen wichtiger als die der Abgeordneten in Berlin oder Wiesbaden?
Den globalen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts können wir nur gemeinsam begegnen. Die Europäische Union spielt daher eine zentrale Rolle für die deutsche Politik. Mittlerweile werden bereits 60 bis 80 Prozent aller nationalen Entscheidungen in Deutschland direkt oder indirekt von der EU beeinflusst. Das zeigt, wie wichtig die Arbeit im Europäischen Parlament ist.
Die Europapolitik liegt den meisten Menschen fern oder sie ärgern sich über "die in Brüssel". Was wollen Sie beitragen, um das zu ändern?
Wer mehr Gutes aus Europa will, muss wählen gehen und sich einmischen. Oft wird nicht erkannt, dass die EU für viele Verbesserungen etwa beim Verbraucher- oder Umweltschutz verantwortlich ist. Negativ empfundene Entwicklungen hingegen werden "Brüssel" angelastet, und das obwohl die nationalen Regierungen an allen EU-Entscheidungen beteiligt sind. Ich werde daher weiterhin die Menschen vor Ort direkt informieren. Außerdem setze ich mich mit Nachdruck für den Vertrag von Lissabon ein. Er stärkt das Europäische Parlament aber auch die nationalen Parlamente und ermöglicht europäische Bürgerbegehren.
Interview: Pitt von Bebenburg

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