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Staatstheater Darmstadt: Kein Mobbing am Staatstheater

Der zur Schlichtung des Streits am Staatstheater Darmstadt eingesetzte Mediator Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff hat keine Belege für Mobbing ausmachen können.
Der zur Schlichtung des Streits am Staatstheater Darmstadt eingesetzte Mediator Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff hat keine Belege für Mobbing ausmachen können.
Foto: dpa

Am Staatstheater Darmstadt flogen die Fetzen. Intendant John Dew und Generalmusikdirektor Constantin Trinks stritten sich, weil einer den Lebensgefährten des anderen als Sänger abgelehnt hatte. Jetzt soll ein „Moderator“ auf Dew aufpassen.

Darmstadt –  

Der zur Schlichtung des Streits am Staatstheater Darmstadt eingesetzte Mediator Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff hat keine Belege für Mobbing ausmachen können. Die angespannte Situation sei auf eine „explosive Mischung“ aus dem autokratischen Führungsstil des Intendanten John Dew und der in großem Ausmaß betriebenen Rollenbesetzung durch Familienmitglieder zurückzuführen, sagte der ehemalige nordrhein-westfälische Staatssekretär am Donnerstag bei der Vorstellung seines Prüfberichts in Darmstadt.
Zwischenzeitlich habe die Auseinandersetzung am Theater „Züge einer Schlammschlacht“ angenommen, kritisierte der Darmstädter Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) auf derselben Pressekonferenz. Der Bericht Grosse-Brockhoffs habe zur Versachlichung der Diskussion beigetragen. Partsch will nun gemeinsam mit der hessischen Kunstministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) schnellstmöglich wieder ein konstruktives Arbeitsklima herstellen.

Mobbing-Vorwürfe am Staatstheater Darmstadt: Eine Chronik
Ein Ränkespiel in mehreren Akten

Am Staatstheater Darmstadt standen in den vergangenen Wochen angebliche Intrigen hinter den Kulissen im Rampenlicht. Die Hauptdarsteller: Generalmusikdirektor Constantin Trinks und Intendant John Dew.



Kühne-Hörmann und Partsch wollen den Empfehlungen des Mediators folgen und einen Ombudsmann am Theater einsetzen, der als ständiger Ansprechpartner für alle Beschäftigten zur Verfügung stehen soll. Zusätzlich wird ein externer Moderator bestellt, der das Leitungsteam begleiten soll. Außerdem sollen keine neuen Besetzungen mit Ehe- oder Lebenspartnern zugelassen werden, sagte Kühne Hörmann. Diese Regelung gelte zunächst nur für das Staatstheater Darmstadt.

Theater am Theater

Bei dem Streit am Theater geht es vor allem um die gegenseitige Nichtberücksichtigung der Partner von Generalmusikdirektor Constantin Trinks und Intendant John Dew bei Rollenbesetzungen. Trinks wirft Dew vor, er habe seine - Trinks' - Lebensgefährtin, die Sopranistin Alexandra Lubchansky, trotz Zusage von der Besetzungsliste einer Oper gestrichen. Damit soll sich Dew an Trinks gerächt haben, weil dieser Dews Lebensgefährten Sven Ehrke bei einer anderen Inszenierung nicht berücksichtigt habe.

Intendant John Dew soll einen „höchst autokratischen Führungsstil“ pflegen.
Intendant John Dew soll einen „höchst autokratischen Führungsstil“ pflegen.
Foto: Barbara/dapd

Trinks hat seinen Vertrag Mitte Dezember in Folge der Verwerfungen zum Ende der laufenden Spielzeit, also Ende Juni 2012, gekündigt. Damit habe sich der Generalmusikdirektor einer konstruktiven Wahrheitsfindung verweigert, sagte Kühne-Hörmann. Die beim Bühnenschiedsgericht eingereichte Kündigungsschutzklage habe das Ministerium inzwischen zurückgenommen. Sie sehe keine Möglichkeit zur konstruktiven Zusammenarbeit mehr, begründete die Ministerin die Entscheidung. Trinks bleibe bis auf Weiteres freigestellt, das Ministerium prüfe eine außerordentliche, fristlose Kündigung.

„So führt man kein Haus“

Auch Intendant John Dew habe schwere Fehler begangen, sagte die Ministerin. Die Absetzung von Lubchansky sei indiskutabel verlaufen, sagte auch Grosse-Brockhoff. „So führt man kein Haus.“ Dew habe seine Grenzen überschritten, jedoch habe er Fehler zugegeben und sich entschuldigt. Außerdem habe er das in der Vergangenheit immer wieder zu Konflikten führende Engagement seines Lebenspartners inzwischen gelöst, sagte Kühne-Hörmann. Sven Ehrke hatte Mitte Januar um die Auflösung seines Vertrages gebeten.
„Daher ergeben sich auf den ersten Blick keine Anhaltspunkte, die juristisch eine außerordentliche Kündigung Dews rechtfertigen würden“, sagte Kühne-Hörmann. Die Prüfung dauere aber noch an. (dapd)

Datum:  19 | 1 | 2012
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