Ein reines Spaßbad ist das Stadionbad sicher nicht. Auch wenn die Ausstattung danach klingt: Eine 118-Meter-Rutsche, ein Sprungturm, der Mutigen die Gelegenheit zum Kurzflug von Frankfurts einziger Zehnmeterplattform gibt, ein separates und auch als solches benanntes Spaßbecken mit Wasserfall, Rutschen und Strömungskanal, Wasserkanonen, Massagedüsen und Bodensprudlern.
Das andere Bild des Stadionbades ist das der stilvollen Badeanstalt, erbaut Mitte der 1920er Jahre. Mit weiß getünchten Gebäuden und einer Anlage, die den Besucher mit auf eine Reise in längst vergangene Zeiten nimmt. Hat er den Eingang passiert, eröffnet sich dem Badewilligen eine Grünfläche, für die der Begriff Liegewiese fast schon eine Beleidigung ist. Sie gleicht vielmehr einer Parkanlage. Kinder stehen hier im wahren Sinne des Wortes im Mittelpunkt. Was aus der Ferne wirkt wie ein verspielter Brunnen inmitten des Grüns, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als bestens ausgestattetes Planschbecken. Stilvoller können Frankfurts kleinste Bürger in ihrer Stadt nirgends den Umgang mit dem Wasser erlernen.
Größere Gäste können sich zunächst einmal über die gute Verkehrsanbindung des Bades freuen. Dank seines namengebenden großen Nachbars, der früher einmal Waldstadion hieß, reist man mit der Bahn vortrefflich an. Nur an jedem zweiten Samstag der Bundesligasaison sollten gewisse Stoß- und Drängelzeiten besser gemieden werden. Radständer und Parkplätze sind ebenfalls vor der Tür. Einen recht guten und gepflegten Eindruck hinterlassen auch Umkleiden und Toiletten.
Doch nun weg vom Pragmatismus, der in diesem Bad nun wirklich fehl am Platze ist. Auf den breiten Rasenstufen oberhalb der Schwimmbecken liegt man nicht einfach nur, man thront. Mit wahrlich königlichem Blick auf die Anlage. Die bietet natürlich den perfekten Rahmen für romantische Momente, etwa bei einem Spaziergang durch die beiden wild bewucherten Rundgänge im vorderen Bereich. An dieser Stelle kommt die große Stärke des stilvollen Spaßbades voll zur Geltung: Das Stadionbad bietet nicht nur das richtige Ambiente für die großen Gefühle, es hat dank seiner vielen Attraktionen auch ausreichend Besucher im paarungsfreudigen Alter.
Was nicht bedeutet, dass man in Niederrad nicht einfach seinen Bahnen ziehen kann. Ganz in Ruhe, abgesehen vom Lärm der Flugzeuge im Landeanflug, die zum Greifen nah erscheinen. Das 50-Meter-Sportbecken, das wie die anderen Becken im Stadionbad beheizt ist, bietet beste Trainingsmöglichkeiten. Nichtschwimmer müssen sich nicht zwangsläufig im Spaßbad von der Wasserkanone berieseln lassen und sich dem Sog des Strömungskanals aussetzen, sondern können in einem separaten, flacheren Becken lernen, sich über Wasser zu halten.
Wenig stilvoll sind hingegen die beiden mobilen Imbissbuden, die nicht so recht in das gediegene Ambiente des Bades passen wollen. Auch das Wurst- und Pommes-Angebot ist wenig königlich, diniert wird auf Biergarnituren vor dem Büdchen. Dort und auf der ganzen Anlage ist Schatten indes schwer zu finden. Im Gegensatz zu den meisten anderen Bädern, ist die Zahl der Bäume im Stadionbad überschaubar. Das passt zum Gesamteindruck, den das Freibad hinterlässt: viel Licht, wenig Schatten.

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