Frankfurt hat es besser. Zumindest sieht Albert Speer das so. Frankfurt, sagt der Stadtplaner, habe schließlich am Ende "immer noch die Kurve gekriegt". Das laufe in Stuttgart ganz anders, setzt der Professor am Dienstagabend im Architekturmuseum hinzu. In der baden-württembergischen Landeshauptstadt diskutiere man nun schon mehr als ein Jahrzehnt darüber, was aus "Stuttgart 21", diesem Projekt zur besseren Erschließung der Stadt über einen für Züge durchgängigen Hauptbahnhof, denn werden solle. Und was ist passiert? Gar nichts.
Speer vermittelt seinen Zuhörern den Eindruck, als könne er es noch immer nicht fassen. Dabei ist Stuttgart doch nur ein Beispiel dafür, dass "Deutschland insgesamt sehr schwerfällig geworden ist". Das allerdings laufe den globalen Herausforderungen der Zeit inzwischen vollends entgegen, so dass man sich hüten müsse, sich das Tempo nicht künftig von China vorgeben zu lassen.
China, sagt Speer, da werde eben schneller entschieden, da würden Projekte zur Entwicklung von Städten zügiger realisiert. Der Architekt weiß nur zu gut, worüber er spricht: Manche Entwicklung in der Volksrepublik wäre heute ohne sein in der Sachsenhäuser Hedderichstraße angesiedeltes Büro schlicht undenkbar. So stellte sich seinen Planern die Aufgabe, energieeffizientes und nachhaltiges Arbeiten und Wohnen zusammen zu bringen. Wie so etwas laufen kann, haben die Autoren Jeremy Gaines und Stefan Jäger zusammen getragen. Für "ein Manifest für nachhaltige Stadtplanung", das sich mit den Ideen des Stadtplaners Speer verbindet. Deswegen auch legt der Professor seinen Zuhörern an diesem Abend im Architekturmuseum dieses gerade eben erst erschienene Buch auch nahe.
Eine Lektüre, die auch Wirtschaftsdezernent Markus Frank beeindruckt hat. Denn selbst wenn manchen Menschen "einiges heute noch immer als ökologische Spinnerei vorkommen mag", hebt der CDU-Politiker hervor, habe "es doch mittlerweile die Qualität eines Gütesiegels erreicht". Denn der Anspruch der Nachhaltigkeit für die Entwicklung der Stadt, das sei doch für Frankfurt längst eine Selbstverständlichkeit. "Die Hauptstadt des Passivhauses", so etwas über Frankfurt sagen zu können, das gefällt dem Stadtrat. Wenngleich man sich nichts vormachen sollte: In diesem Jahrhundert wachse der Druck auf die Städte enorm, weil sich dort die weitere Entwicklung abzeichne. In diesem Zusammenhang sei der Masterplan, den Speer in seiner großen Studie zur Stadtentwicklung für Frankfurt entworfen habe, "auch überaus erfolgsversprechend". Mit der Green City verbinde sich die Vorstellung, den öffentlichen Nahverkehr attraktiver, den Radverkehr schneller und den Wohnungsbau nachhaltiger zu machen.
Bessere Sozialstrukturen
Gleichzeitig, das betont Frank ausdrücklich, gehe es für seine Stadtregierung darum, "soziale Strukturen in den Stadtteilen zu verbessern". Konkret spielt der Dezernent damit auf die Sanierung der Heinrich-Lübke-Siedlung in Praunheim an, wo man den Menschen die Angst vor dem Umbau nehmen und die Aussicht auf ein besseres Leben geben müsse. Deswegen sei es auch um so besser, dass "die Zeiten, in denen gute Ideen in den Zimmern des Magistrats geboren worden sind, endgültig vorbei sind". Jetzt gehe es darum, die Bürger besser in diese Überlegungen einzubinden.
Davon hängt für Speer alles ab. "Wenn es nicht gelingt, die Bürger zu begeistern, dann haben wir verloren", sagt der Architekt, der dafür wirbt, Wissen interdisziplinär zu nutzen. Was er mit seinen Leuten in dem Manifest für die Grundlagen der Stadtentwicklung in Zeiten des Klimawandels entwerfe, "das ist relativ simpel" - allein, "wir machen es nicht". Das gilt für Speer im Grundsätzlichen, wenngleich sich die Frankfurter durchaus eingehender mit seinen Vorstellungen der Bürgerstadt befassen könnten.

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