Eine Geschichte erzählt Buchhändler Jörg Schieferstein seinen Stammkunden immer wieder gerne. Sie handelt vom Beginn seiner Buchhandlung in Rödelheim, von einem viel zu kleinen Sortiment und einigen Kalendern, die ihm in diesem Moment "die Haut retteten". Seinen neuen Laden, den Büchergarten, hatte er gerade frisch eingerichtet, alle Regale - günstige Angebote aus dem Großhandel - standen schon und auch ansonsten schien alles bereit für den Start in die Selbstständigkeit. Doch als schließlich auch das komplette Buchsortiment einsortiert war, klafften zwischen den Titeln noch große Lücken.
Zum Glück für Schieferstein und seine Frau, mit der er zusammen die Büchergarten-GmbH gegründet hatte, waren reichlich Kalender vorhanden, die sich hervorragen dazu eigneten, die Lücken zu kaschieren. Eine typische Geschichte aus den Anfängen.
Der Büchergarten, Lorscher Straße 13, hat werktags von 9 bis 19 Uhr, samstags bis 15 Uhr geöffnet.
Bestellung auch über www.buechergarten.de
Es war der Wunsch nach Selbstverwirklichung, der das Ehepaar Schieferstein im Jahre 2003 zu diesem "Experiment" veranlasste. Hätten sie sich auf brancheninterne Modellrechnungen verlassen, die von einer anfänglichen Investition von mindestens 400 Euro pro Quadratmeter Ladenfläche ausgehen, hätten sie es gleich lassen können. 25 000 Euro standen ihnen zur Verfügung, gerade einmal das Mindestkapital zur Gründung einer GmbH. "Die gehen davon aus, dass man an einem Tag den Laden aufmacht und am zweiten gleich verdient", sagt Jörg Schieferstein.
Am Anfang reichte das Geld kaum aus
Doch ganz so lief es beim Büchergarten nicht. Als der 100 Quadratmeter Laden auf der Lorscher Straße endlich eingerichtet war, blieben nur noch 5000 Euro übrig, um einen Büchervorrat aufzubauen. Zu wenig zunächst, doch in einem Stadtteil, in dem die letzte Buchhandlung schon vor der Jahrtausendwende geschlossen hatte, wurde das neue Angebot gerne angenommen. "Die Begeisterung der Leute hier war essentiell für den Erfolg."
Mittlerweile gehört der Büchergarten fest zum Rödelheimer Geschäftsleben. Dabei war es nicht die Liebe zum Stadtteil, die die Schiefersteins auf die Lorscher zog. Lange hatten sie nach einem geeigneten Standort gesucht: Adäquate Ladenfläche, günstige Miete und möglichst wenig Konkurrenz. Rödelheim bot all das. Inzwischen sei er froh, hier gelandet zu sein, sagt der Geschäftsführer, denn was als Wagnis begann, entwickelte sich in den vergangenen Jahren zu einer kleinen Erfolgsgeschichte. Mittlerweile beschäftigen die Schiefersteins eine Halbtagskraft sowie einen Auszubildenden. Sich selbst zahlen sie aber nur ein "Hungergehalt" aus. Reich macht dies die Stadtteilbuchhandlung nicht.
Große Aufregung vor der alljährlichen Buchmesse ist bei Jörg Schieferstein nicht zu spüren. In den kommenden Tagen wird er sich mit einigen Großhändlern treffen, vielleicht auch mit dem einen oder anderen Verleger. "Für uns ist das in erster Linie eine Fachmesse", erklärt der 48-Jährige. Auf die Verkaufszahlen nimmt die Branchenschau allerdings kaum Einfluss, außer dass die Kunden meist verstärkt nach Literatur aus dem Gastland fragen.
Auch da wird ihnen der Büchergarten weiterhelfen können. Von den einstigen Sortiment-Lücken ist heute nichts mehr zu sehen. Die Regale sind bis oben hin voll mit Büchern, DVDs, Hörspielen - und natürlich dem einen oder anderen Kalender.

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