Efeu an den Fassaden ringsum, unter der hohen Blautanne ein Garten voll praller Oleanderbüsche und auf der berankten Mauer ein schwarzer Vogel, schmiedeeisern: Die Amselhof-Buchhandlung in Alt-Niederursel gleicht einem Refugium, einer Laube, in der eher Bücher gelesen, vielleicht gar geschrieben werden. Aber nicht verkauft.
"An Sommerabenden, wenn der Garten beleuchtet ist und wir zu Veranstaltungen einladen, ist das ein Paradies", schwärmt Ramon Brüll. Der 57jährige Holländer hat sich mit dem Laden vor acht Jahren auch einen Traum erfüllt. Anspruchsvolle Romane für jedermann werden in der original auf Anthroposophisches spezialisierten Buchhandlung ebenso angeboten wie Kinderbücher und hochwertiges, vor allem aus Holz gefertigtes Spielzeug und naturbelassener Bastelbedarf. Die antiquarischen Bestände werden vornehmlich via Internet an den Kunden gebracht.
Der Amselhof,
Alt-Niederursel 22, hat dienstags bis freitags von 9 Uhr bis 19 Uhr geöffnet.
"Wir haben zwar keine 1a-Lage in der City zu bieten, dafür aber reichlich Platz. Das gleicht es wieder aus", sagt Brüll und deutet die drei Geschäftsräume aus, die den Hof säumen. Ergänzt wird das Ensemble von einer alten Scheune, die bis Ende der 90er Jahre die Apfelwein- und Süßmostkelterei von Wilhelm Amsel beherbergte. Seit 2002 wird sie sommers für Lesungen, Ausstellungen und Diskussionsrunden genutzt. Ein Schildchen mit Preisen fürs Stöffsche und Limonade an der Innenseite der mächtigen, dunklen Holztür zeugt noch vom Vorbesitzer, dessen Namen die Nachfolger hochhalten. "Die Leute hier sind sehr kompetent. Mir gefällt das ganze Konzept", sagt Dagmar Schneider. Die Heilpädagogin aus Rödelheim besucht mehrmals im Jahr den Amselhof, für Bastelmaterial.
Brüll kam vor 25 Jahren über die in Niederursel herausgegebene Zeitschrift "info3 - Anthroposophie im Dialog" in den Stadtteil. Als er dann mit info-Chefredakteur Jens Heisterkamp dem Amselhof ein neues Gesicht gab, lag das Anthroposophische nahe: Mit dem Waldorf-Kindergarten sowie dem "Hof", pädagogisch-therapeutisches Zentrum für Kinder und Jugendliche und freie Bildungsstätte für Erwachsene, existieren in unmittelbarer Nähe Einrichtungen, die als potenzielle Kunden für Bücher dieser spirituellen Weltanschauung in Frage kamen.
Das Sortiment sei auch auf diese Klientel abgestimmt, aber selbstverständlich nicht darauf beschränkt, betont Brüll. "Wir haben auch für die Omi von nebenan das passende Buch. Wir wollen die kleine, freundliche Buchhandlung vor Ort sein und verstehen uns nicht zuerst als Händler. Im Vordergrund steht das Buch als Kulturgut."
Für die fundierte Beratung sorgt vornehmlich Buchhändler Hans Rakow. Sogar einen eigenen, monatlichen "Lesekreis" hat der Amselhof begründet. Mitarbeiterin Pia Schönherr erklärt, jeder sei herzlich eingeladen, dort mitzuwirken und Empfehlungen einzubringen, welche Bücher unbedingt eingekauft und für die Kundschaft angeboten werden sollten.
Der "Lesekreis" wie der proppevolle Veranstaltungskalender stehen für Transparenz und Öffentlichkeitsarbeit des Amselhofes. Ramon Brüll verhehlt keineswegs, dass es anfangs, 2000, 2001 wegen der mit anthroposophisch-esoterischer Literatur gut gefüllten Regale "Vorbehalte in der Bevölkerung" gab.
"Das lässt sich nur abbauen, indem wir transparent sind", sagt er und verweist da auf die tätige Unterstützung der Kirche. Es sei ein gutes Zeichen, meint er, dass die beiden evangelischen Stadtteil-Pfarrer in der Buchhandlung schon "ganz selbstverständlich" ein- und ausgehen.

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