Der Hobby-Heimatgeschichtler Hermann Lixenfeld hat den Artikel über die Geschichte der Juden in Weilbach zurückgezogen, den er für das Jahrbuch des Main-Taunus-Kreises verfasst hatte. Dazu habe sich Lixenfeld nach einem Gespräch mit Kreisvertretern entschlossen, teilte Landrat Berthold Gall (CDU) am Montag im Kreistag mit. Gall gab zugleich eine „Ehrenerklärung“ für Lixenfeld ab, wie er es wörtlich nannte. Dieser habe nie den Anspruch erhoben, Historiker zu sein, sondern lediglich als „heimatverbundener“ Autor zwölf Artikel für das Jahrbuch geschrieben: „Die meisten waren gut“, sagte Gall sichtlich aufgebracht.
Lixenfeld war in die Kritik geraten, weil er in Hattersheim eine Kampagne gegen die Verlegung von Stolpersteinen zur Erinnerung an NS-Opfer gestartet hatte. Im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau diffamierte er zudem einen Verfolgten als „Betrüger“ und sprach ihm das Recht auf ein Denkmal ab. Lixenfeld redete außerdem das Ausmaß der Zerstörungen in der Pogromnacht klein.
Die Wählergemeinschaft Die Linke hatte daraufhin gefordert, Lixenfelds Artikel über die Juden in Weilbach solle vor einer Veröffentlichung von Experten des Fritz-Bauer-Instituts auf historische Richtigkeit geprüft werden.
Deswegen ging Landrat Gall die Linke scharf an. Es sei „schändlich“, den ehrenamtlich sehr engagierten Lixenfeld so „anzuprangern und zu verleumden“.
Aus Sicht des früheren Hattersheimer Bürgermeisters Hans Franssen (SPD) hat sich Lixenfeld mit seinen „Pamphleten“ zum Thema Stolpersteine als Autor des Jahrbuchs disqualifiziert.
„Dass permanent aus Tätern Opfer gemacht werden, können wir nicht auf uns sitzen lassen“, sagte Franssen im Kreistag. Lixenfeld hatte Franssen wiederholt angegriffen, weil der zunächst zugesagt hatte, Stolpersteine nicht gegen den Willen von Hauseigentümern zu verlegen. Später rückte er davon aber ab. Unterstützung bekam Lixenfeld von den Hattersheimer Oppositionsparteien CDU, FDP und FWG.
Die Zeitung Main-Spitze hatte im Sommer 2009 über einen von Lixenfeld geführten Rundgang durch Weilbach berichtet und ihn mit den Worten zitiert: „Bei uns gab es keinen Holocaust.“ Das bringe den Heimatforscher „nahe an den Staatsanwalt“, sagte Franssen nun: „Die Leugnung des Holocaust ist ein Straftatbestand.“ Lixenfelds Äußerungen „dürfen wir uns als Demokraten nicht bieten lassen“. Beate Ullrich-Graf (Linke) sagte, Lixenfeld stehe mit seinen Äußerungen für „die „Geschichtsrelativierung einer ganzen Generation“ .

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