kalaydo.de Anzeigen

Stolpersteine für Professoren

Die TU Darmstadt gedenkt ihrer Forscherinnen und Forscher, die von den Nazis vertrieben wurden

Studenten-Karteikarte von Kurt Lion aus dem Jahr 1923.
Studenten-Karteikarte von Kurt Lion aus dem Jahr 1923.
Foto: TUD (4)

Die Technische Universität Darmstadt (TUD) gedenkt mit der Verlegung von Stolpersteinen sechs ehemaliger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die in den Jahren zwischen 1933 und 1935 aus der damaligen Technischen Hochschule Darmstadt vertrieben wurden. Auf dem Gelände der TUD hat der Kölner Künstler Gunter Demnig im Beisein der Nachkommen der Forscher erstmals Erinnerungssteine für Opfer verlegt, die nicht ermordet, sondern ins Exil getrieben wurden.

Hans Baerwald, Walter Schwarz (später Michael Evenarí), Stephan Gradstein, Gerhard Herzberg, Luise Herzberg und Kurt Lion wurden zwischen 1933 und 1935 aus der Universität entlassen und flohen kurze Zeit später aus dem nationalsozialistischen Deutschland.

Schicksale

Hans Baerwald (1880-1946), Professor der theoretischen Physik, wurde 1934 wegen Beschäftigung eines "arischen" Dienstmädchens zu acht Monaten Gefängnis verurteilt. Nach einigen Wochen im Konzentrationslager Buchenwald wanderte er 1939 nach Großbritannien aus.

Walter Schwarz (1904-1989) habilitierte am Botanischen Institut und wurde am 1. April 1933 entlassen, weil er Jude war. Er emigrierte mit seiner Frau nach Palästina und nahm den Namen Michael Evenarí an.

Stephan Gradstein (1909-1970),

Sohn polnisch-jüdischer Eltern, studierte Physik und wurde 1933 als Diplom-Ingenieur entlassen. Er emigrierte

in die Niederlande.

Gerhard Herzberg (1904-1999) promovierte 1928 in Physik, heiratete 1930 die Jüdin Luise Oettinger und bekam 1933 die Lehrbefugnis entzogen. Mit seiner Frau emigrierte er nach Kanada, lebte später in den USA. 1971 erhielt er den Nobelpreis für Chemie.

Luise Herzberg, geborene Oettinger (1906-1971), war Physikerin in Darmstadt und unternahm Laborexperimente mit ihrem Mann Gerhard an der Hochschule. Mit ihm ging sie ins Exil nach

Kanada.

Kurt Lion, (1904-1980) promovierte in Physik im Dezember 1932. Ihm wurde 1933 gekündigt, weil er Jude war. Er arbeitete zwei Jahre in einem Privatlabor, bevor er 1935 nach Istanbul auswanderte.

TUD-Präsident Hans Jürgen Prömel verkündete zur Stolperstein-Aktion: "Die damals Verantwortlichen der Technischen Hochschule haben diesen Universitätsangehörigen schweres Unrecht angetan. Die Stolpersteine werden heutige wie künftige Generationen auf ihre Schicksale aufmerksam machen und dauerhaft an sie erinnern."

Demnig hat zunächst den Stolperstein für den Biologen Walter Schwarz (später Michael Evenarí) im Bereich des Botanischen Gartens verlegt und danach fünf weiteren Stolpersteine vor dem Physikalischen Institut. Außerdem hat die TU Darmstadt die entlassenen Wissenschaftler in einer öffentlichen Feierstunde geehrt.

Christof Dipper, Professor für Neuere Geschichte, nennt die Aktion eine, "die wir uns selber schuldig sind. Es wurde allerhöchste Zeit, die Geschichte der TU in dieser ausführlichen Form aufzuarbeiten."

Der Historiker leitet ein auf zwei Jahre angelegtes Forschungsprojekt an der TU Darmstadt, in dem deren Geschichte in der Zeit des Nationalsozialismus beleuchtet wird. Das namentliche Gedenken an die entlassenen Wissenschaftler geht auf eine Initiative des Evenarí-Forums für deutsch-jüdische Studien zurück. Dem Evenarí-Forum gehören auch Lehrende der TU Darmstadt an. Sie treffen sich unregelmäßig zum Gedankenaustausch sowie zu Exkursionen mit Studierenden nach Israel.

Gunter Demnig verlegt seit 1997 Stolpersteine. Mittlerweile liegen in Deutschland und im europäischen Ausland mehr als 20000 seiner Quader. (an)

Datum:  18 | 3 | 2010
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Regionale Startseite
Ressort

Von Wiesbaden über Frankfurt bis Hanau - Die Stadt und die Region auf einen Blick


Nachrichten aus der Region

Anzeige

 
Spezial

Die heiße Phase naht: Termine, Reportagen, Bilder - vom Kinderfasching bis zur Prunksitzung.

Anzeige

Spezial
Beschäftigte des Druckmaschinen-Herstellers Manroland demonstrieren vor der Allianz-Niederlassung in Frankfurt. Allianz und MAN haben dem angeschlagenen Konzern den Geldhahn zugedreht.

Offenbach bangt um einen großen Arbeitgeber: Die Krise beim insolventen Druckmaschinen-Hersteller Manroland.

Social Media
Unser Twitter-Ticker für Frankfurt und Rhein-Main.

 

Facebook | Twitter überregional | Google+
Was bedeutet das hier? FR@Social Media!

Anzeige

Spezial
Wer zieht im März in den Römer ein?

Wer folgt Petra Roth? Mitte März wählt Frankfurt einen neuen OB. Alles über die Kandidaten im Spezial.

OB-Wahl in Frankfurt
        

Rechnet mit einer Stichwahl: Ursula Fechter.
FAG-Kandidatin Fechter 
Das zentrale Themenplakat der Piraten (für ganzes Bild bitte klicken).
Piraten in Frankfurt 
OB-Bewerber Oliver Maria Schmitt setzt sich für ein nichtraucherfreies Frankfurt ein.
OB-Wahl Frankfurt 
        

Ganz großes grünes Kino: OB-Kandidatin  Heilig und der Berliner Fraktionsvorsitzende  Trittin in der Harmonie.
OB-Wahlkampf bei den Grünen 
Boris Rhein hat auf Facebook einen falschen Freund abgekriegt: einem stadtbekannten Rechtsextremen aus Maintal.
Frankfurter OB-Wahlkampf im Internet 
Altenhilfe der FR

Spendenkonten, Bankverbindung, Online-spenden und Informationen zu Spendenquittungen.

Spezial

Mit gutem Gewissen investieren und gleichzeitig Geld verdienen? Die FR schaut, wie erfolgreich Firmen und Fonds dabei sind.

Spezial

Der Ausbau des Flughafens ist in der Region heftig umstritten. Die FR-Serie informiert über die Landebahn.

Fotostrecke 1. Derpart Familien-Reise-Tag

Staumelder

Staumelder 86 Staus mit einer Gesamtlänge von 273km
Zu den Staumeldungen
Meistgeklickt
Verrauchte Sicht für Frankfurts Keeper Oka Nikolov.
Eintracht gegen Fortuna 
Diskussionen: Bamba Anderson redet auf Schiedsrichter-Assistent Jan Hendrik Salver ein.
Fußball-Kolumne Ballhorn (IV) 
Wütend nach dem Eintracht-Spiel in Düsseldorf: Heribert Bruchhagen.
Eintracht-Boss hadert mit Schiedsrichter und Schauspieler 
Ornella de Santis (links) hat es ins Finale von
„Unser Star für Baku“ 
Marktplatz

"Wir wünschen uns einen großen Garten um unser Frühlingsglück zu genießen." Über 25.000 Bauplatz- und 6.000 Baugebiet-Angeboten.