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Streit um "Hamburger am Turm": Titanic will Imbissbude retten

Weil die Stadt der alterwürdigen Verkostigungsstation am Eschenheimer Turm an den Kragen will, wollen sich die Satiriker nun an den Kiosk ketten - aus Protest. Von Claudia Michels und Stefan Behr

Christinas Diesy, die Besitzerin der Imbissbude Hamburger am Turm,
hat gekämpft - nun macht ihr Kiosks nicht dicht.
Christinas Diesy, die Besitzerin der Imbissbude "Hamburger am Turm", hat gekämpft - nun macht ihr Kiosks nicht dicht.
Foto: FR/Kraus

Der Widerstand formiert sich. "Bäume kann man nicht essen", weiß Leo Fischer, Chefredakteur des Satiremagazins Titanic. Die Titanic ist gerade 30 geworden, und so alt wird man nur, wenn man auch nächtens mit Grundnahrungsmitteln wie Bier und Pommes versorgt wird. In der "scheußlichen Systemgastronomie" wollen die Satiriker keinen Cent lassen. Und daher setzen die Titanic-Menschen auf Kunst, um den altehrwürdigen "Hamburger am Turm", dem die Stadt an den Kragen will, zu retten.

Da die Kunst der Stadt so sehr am Herzen liege, wolle man die Imbissbude zum Kunstobjekt umgestalten. In Zusammenarbeit mit dem Grünflächenamt, mit dem man ja schon das berühmte Grüngürteltier aus der Taufe gehoben hat. Nun also "das Brutzeltier", so Fischers bislang noch nicht gänzlich ausgereifter Vorschlag. So ließen sich kulinarische mit ästhetischen Genüssen koppeln. Andere Titanic-Redakteure wären auch bereit, sich an dem Laden anzuketten. Das könnte nötig werden, denn Stadtplanungsamt und Grünflächenamt veranlassten die Kündigung des Imbisshauses.

Betreiberin Christine Diesy soll, wie berichtet, den Betrieb einstellen. Die Stadt verlangt bis Ende des Jahres "die Gebäudeniederlegung". Die Wallanlage am Eschenheimer Tor wolle man "von Fremdeinflüssen bereinigen" und mehr Kunst aufstellen. Seit dem FR-Bericht ist eine Protestwelle losgebrochen. Dutzende Leserbriefe sind in der Redaktion eingegangen. Die Unterschriftenliste im Imbiss unter dem Satz "Wir sind gegen die Schließung" ist bereits sieben beschriebene Seiten lang. Besucher des Filmmaker-Festivals im Metropolis-Kino gegenüber tragen die Kunde von der "Politik gegen den Menschen", wie die Junge Union das Vorgehen der Stadt nennt, in die Welt. Die Junge Union fordert dazu auf, "die Entscheidung zu revidieren".

Offene Briefe sind an die Verwaltung als auch an Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) geschickt worden. Birgit Menzel, die in der Nähe arbeitet, argumentiert: "Nicht alle Menschen schlafen nachts und nicht alle dürfen das." Essen aber könne man "in dieser angeblichen Weltstadt dann fast nirgends". Matthias von der Malsburg schreibt an die OB: "Durch den Imbiss fühle ich mich nachts sicherer."

Autor:  Claudia Michels und Stefan Behr
Datum:  6 | 10 | 2009
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