Dem Dezernenten Lutz Sikorski (Grüne) ist die Angelegenheit wichtig genug, um dafür am Montag eine Besprechung zu unterbrechen: "Das Zelt wurde weder beantragt, noch wäre es jemals genehmigt worden", stellt Sikorski klar.
Das Zelt des Getränkeherstellers Red Bull war am Christopher Street Day (CSD) auf dem Klaus-Mann-Platz über dem "Frankfurter Engel" errichtet worden. Eine "Geschmacklosigkeit", findet Christian Setzepfand, Mitglied im Vorstand der Frankfurter Aids-Hilfe und versierter Stadtführer. Der Engel erinnert an die Verfolgung der Homosexuellen während der NS-Zeit. Setzepfands schwule Stadtrundgänge - er hat noch fünfzig andere Varianten im Programm - beginnen hier.
Das Zelt habe einen "furchtbaren Umgang mit dem Ort" signalisiert, der typisch sei für "diese Geschichtslosigkeit bei vielen Menschen". Vor allem die jüngeren wüssten oft nicht, dass Homosexuelle von den Nazis verfolgt, misshandelt und ermordet worden sind.
Seit 25 Jahren betreibt Kurt Förster das Luckys am Klaus-Mann-Platz, einen Mix aus Bar, Bistro und Lounge, wie Förster die Lokalität beschreibt. Im Nachhinein bedauert er die Idee. "Das Zelt war kostenlos. Wir dachten, wenn es viel regnet, tun wir den Leuten etwas Gutes." Er habe davon "keinen Vorteil" gehabt und wirklich keine Gefühle verletzen wollen.
Seit 1994, als das Denkmal aufgestellt wurde, pflegt Förster den Platz. Er habe mit 20.000 Euro dazu beigetragen, dass er überhaupt Gestalt annehmen konnten. Jetzt müsse er die ganze Aufregung ausbaden. Nach dem CSD habe er noch einmal zwei Stunden gekehrt. Zum letzten Mal. "Das können jetzt die Kritiker tun."

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