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Studenten-Proteste: Frankfurter Uni-Präsident kritisiert Politik

Werner Müller-Esterl hat angesichts steigender Studentenzahlen ein Ende der "deutschen Kleinstaaterei in der Hochschulpolitik" gefordert. Es sei "fahrlässig" anzunehmen, die Unileitungen würden den Zustand "irgendwie" managen.

Noch sieht es ruhig aus an der Frankfurter Goethe-Uni, aber die neuen Anmeldungszahlen steigen in die Höhe wie nie.
Noch sieht es ruhig aus an der Frankfurter Goethe-Uni, aber die neuen Anmeldungszahlen steigen in die Höhe wie nie.
Foto: dpa

Darmstadt/Frankfurt/Gießen. Der Präsident der Frankfurter Universität, Werner Müller-Esterl, hat angesichts steigender Studentenzahlen ein Ende der "deutschen Kleinstaaterei in der Hochschulpolitik" gefordert. Es sei fahrlässig, wenn die Politik offenbar stillschweigend davon ausgehe, die Universitäten würden diese Steigerung "schon irgendwie managen können", sagte Müller-Esterl am Dienstag in Frankfurt laut Mitteilung. Mit den derzeit gewährten Mitteln sei "den hohen Erwartungen an eine Qualitätssteigerung in Forschung und Lehre zugleich kaum zu entsprechen".

An der Frankfurter Stiftungsuniversität sind im laufenden Wintersemester knapp 37.000 Studenten eingeschrieben, acht Prozent mehr als im Vorjahr. Die Kapazitätsgrenze sei erreicht. Die Uni ist damit fünftgrößte Hochschule in Deutschland. Die Studentenzahlen haben aber im laufenden Semester mit 2,13 Millionen (plus fünf Prozent) auch bundesweit einen Höchststand erreicht.

Studenten protestieren weiter Mit Blockaden von Uni-Räumen und mit Seminaren zu bildungspolitischen Themen haben Studierende in Frankfurt, Gießen und Darmstadt ihren Protest am Dienstag fortgesetzt. Die Aktionen sind Teil des bundesweiten Protestes gegen die Studienbedingungen.

An der Frankfurter Goethe-Universität stritten Hochschulleitung und Studenten über Vandalismusschäden. Die Hochschulleitung warf den Protstierenden vor, bei der Besetzung des historischen Casinos der Hochschule mehrere zehntausend Euro Sachschaden verursacht zu haben.

Sie kündigte an, Anzeige zu erstatten. Studentensprecher wiesen dies als "Skandalmacherei" zurück. Parolen wie "Bildung für alle" an die Wände zu sprühen, sei ein Ausdruck studentischen Protests und kein Vandalismus.

Die Technische Universität Darmstadt prüfte unterdessen, Seminare und Vorlesungen, die wegen des Protests ausfielen, an andere Orte zu verlagern. Seit Montag halten nach Angaben der Organisatoren bis zu 200 Studenten einen kleineren Bereich der Universität besetzt. An der TU Darmstadt gibt es rund 21.000 Studenten.

Eine Sprecherin der Protestler sagte, die Besetzung des Schlosses solle während der derzeit laufenden europaweiten Aktionswoche der Studenten für bessere Bildungsmöglichkeiten weitergehen. "Wir haben vor, hier drin zu bleiben." Auch die Studierenden der Frankfurter und der Gießener Universität kündigten an, ihre Proteste und Blockaden fortzusetzen.

In Frankfurt waren bis Freitag verschiedene Workshops geplant, die sich außer mit bildungspolitischen Fragen auch mit hochschulinternen Themen beschäftigten. Dabei gehe es beispielsweise darum, weshalb sich an der Hochschule mehrere Lehrstühle mit Marketingtrends befassten, Gesellschaftskritik und Konfliktmanagement aber klein geschrieben würden, sagte ein Sprecher. (dpa/lhe)

Datum:  1 | 12 | 2009
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