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Studenten rüsten zum Bildungsstreik: Immer noch wütend

Sie wollen weiter gegen die Privatisierung von Bildung kämpfen, gegen Studiengebühren und den Einfluss der Wirtschaft auf die Forschung der Hochschulen: Der Bildungsstreik geht in die nächste Runde.Von Gesa Coordes und Anne Lemhöfer

Altbewährt: Demo als Trauerzug, hier im Juni 2009.
Altbewährt: Demo als Trauerzug, hier im Juni 2009.
Foto: Philipp Guelland/ddp

Sie wollen weiter gegen die Privatisierung von Bildung kämpfen, gegen Studiengebühren und den Einfluss der Wirtschaft auf die Forschung der Hochschulen: Der Bildungsstreik geht in die nächste Runde. Vom 9. bis zum 18 November planen Studierende weltweit, in einer "Global Action Week" auf die Straße zu gehen. Auch zahlreiche Schülergruppen wollen sich anschließen.

Europäisches Zentrum der Rebellion ist derzeit Österreich: Seit etwa zwei Wochen halten Studierende in mehreren dortigen Städten Hörsäle besetzt. Auslöser für den österreichischen Aufstand war die Ankündigung von Wissenschaftsminister Johannes Hahn, die Ende 2008 abgeschafften Studiengebühren wieder einführen zu wollen. Doch auch in Hessen brodelt es gewaltig.

Der Protest

Bei den größten Bildungsprotesten seit Jahren hatten im Juni nach Angaben der Veranstalter bundesweit 240000 junge Menschen für ein besseres Schul- und Universitätssystem protestiert. In rund 70 deutschen Städten gingen sie auf die Straße, um Forderungen nach einem gebührenfreien Studiumund einem gerechteren Bildungssystem Nachdruck zu verleihen. Die Schüler wandten sich gegen das "Turbo-Abitur" in zwölf Jahren und gegen ein aus ihrer Sicht überholtes Notensystem.

Zur Neuauflage des Protests, der Teil einer globalen Aktionswoche ist, soll es zwischen dem 9. und 18. November kommen. Höhepunkt in Hessen ist eine von der GEW organisierte Demonstration am 17. November in Wiesbaden. Gegen elf Uhr soll sich ein Zug vom Haupt-bahnhof aus in Bewegung setzen. lem

Aus Protest gegen die Studienbedingungen haben etwa 100 Studierende das Audimax der Marburger Philipps-Universität besetzt. Im Anschluss an eine Vollversammlung zum hessischen Hochschulgesetz und zur globalen Aktionswoche "Bildung ist keine Ware" blockierten sie das Audimax sowie einen weiteren Hörsaal.

Eigentlich wollten sie mindestens bis Sonntag bleiben - so lange wollte die Hochschule die Besetzung zunächst auch dulden. Als die Universität dann aber doch mit Räumung drohte, zogen die Studierenden freiwillig ab. Rund ums Hörsaalgebäude hatten sich Polizisten postiert.

"Teilweise brechen die Sitze auseinander"

Zeitgleich blockierten etwa 30 Studierende den Eingang der Technischen Universität Darmstadt. Der Protest in Südhessen richtete sich unter anderem gegen die Novelle des hessischen Hochschulgesetzes, die oft schlechte Umsetzung der neuen Bachelor- und Master-Studiengänge sowie die mangelhafte Ausstattung der Hochschulen. "Teilweise brechen die Sitze auseinander, und es fallen Leuchtstoffröhren von der Decke", sagte Iris Conrad vom Asta der TU.

Die Marburger Blockierer fordern die Besetzung der vakanten Professuren, bessere Arbeitsbedingungen für die studentischen Hilfskräfte sowie eine Selbstverpflichtung des Präsidiums, damit sich die Hochschulleitung an die Beschlüsse des Senats hält. Bildung werde weltweit ökonomisiert, sagte ein Sprecher: "Das ist eine ziemlich dumme Idee, weil man Bildung nicht in Geld messen kann."

Beide Aktionen stehen in Verbindung mit der weltweiten Studentenprotestwoche. Nach Auskunft der Organisatoren wollen sich Studierende von 70 Hochschulen in 30 Ländern daran beteiligen.

Autor:  Gesa Coordes und Anne Lemhöfer
Datum:  7 | 11 | 2009
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