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Studentendemo in Frankfurt: Der Präsident muss weg

Rund 800 Studierende haben am Montagabend für zweieinhalb Stunden zwischen Frankfurter City und Hauptbahnhof den Verkehr lahmgelegt. Sie demonstrierten gegen den Polizeieinsatz in dre vergangenen Woche.

Demo in Frankfurt.
Demo in Frankfurt.
Foto: FR/Pistorius

Im Fußball würde man sagen: Unentschieden, aber ein prima Spiel. Die Studenten, die am Monatgabend am alten Frankfurter Campus Bockenheim loszogen, erreichten nicht die zweifelsfrei extrem attraktiven Ziele Zeil und Weihnachtsmarkt an Paulsplatz und Römerberg. Die Polizei ihrerseits zeigte sich allerdings nicht als stete Herrin der Lage während der zweieinhalb Stunden des Protestmarsches. Deshalb: Gleichstand. Beide Seiten können sich jeweils auf die eigenen Schultern klopfen.

Das Wichtigste - Es gab keine Ausschreitungen, keine größeren Rempeleien, keine Festnahmen (zumindest nicht bis Redaktionsschluss). Ein einziges Mal fühlte ein getriebener Polizist sich genötigt, seine Spraydose zu ziehen und ein Warnwölkchen Reizgas abzugeben. Zog laute Empörung der Studenten nach sich. Aber sonst auch nichts.

Formiert hatte sich der Zug der Studierenden gegen 18 Uhr auf dem Campus. Die Demo-Route war weitestgehend unbekannt in der Öffentlichkeit. Während also massive Polizeikräfte die Studenten die Bockenheimer Landstraße hinunterbegleiteten, warteten Kolleginnen und Kollegen schon am Opernplatz "um die Meute aufzuhalten", wie einer sich Kollegen gegenüber ausdrückte.

Die "Meute", zu diesem Zeitpunkt, so gegen 18.45 Uhr, bestand aus gut 800 jungen Studierenden, die diszipliniert im geschlossenen Pulk - am Kopf des Zuges von eigenen Transparenten in klarer Marschformation gehalten - sich dem Opernplatz näherten. Ein lockerer Polizeikordon an den Seiten, elf Wannen hintendrein, im weiteren Umfeld Motorradpolizisten, die den Feierabendverkehr in den Seitenstraßen aufhielten.

Die Zeil ist tabu

Am Opernplatz drängte die Polizei den Zug nach Süden ab, Richtung Mainzer Landstraße. Kein Student sollte seine Forderungen für eine Umkehr der aktuellen Bildungspolitik, Lernen für Alle und nicht Privilegien für Wenige, selbstständiges Studieren, kulturelles und politisches Engagement und Schluss mit der Verzahnung von Wissenschaft und Wirtschaft, irgendwo in der Frankfurter Innenstadt skandieren. Später schallte es durch die Lautsprecher der polizeilichen Einsatzleitung: "Sie wissen, Zeil und Weihnachtsmarkt sind tabu."

Genau diese beiden Orte aber waren natürlich Ziele der Demonstration. Erstmal aber ging es die Mainzer Landstraße hinunter. Am Platz der Republik schwenkte der Zug gen Hauptbahnhof. In der Enge der Düsseldorfer Straße nutzten die vorne Marschierenden dann die Gunst des Augenblicks und legten einen kurzen Sprint ein. Wodurch die vor ihnen gehenden Polizisten ebenfalls zum Rennen gezwungen wurden. Dabei zückte dann einer die Spraydose.

Mentale Kraftprobe

Vorm Hauptbahnhof angekommen, machten die Studenten dann Punkte gut, indem sie scheinbar spontan in den Kaisersack einbogen, eine massive Formation, der die Polizei nichts entgegenzusetzen hatte und der wohl drei Dutzend Beamte erstmal ein Stück hinterherlaufen mussten. Den zweiten Vorteil holten sich die Demonstranten dann am Anfang der Kaiserstraße (beim Hotel Frankfurter Hof): Dort schwenkten sie auf einmal in den engen - und durch eine Baustelle noch engeren - Wurmfortsatz der Bethmannstraße. Bange Momente, wie es weitergehen würde. Ein erster großer Moment für alle mitlaufenden Fotografen, auch wenn es nicht mehr sehr viel größer werden sollte. Der Demozug bog auf die Berliner Straße ein und näherte sich setig dem Weihnachtsmarkt am Paulsplatz.

Dort wurde den meisten Marktbesuchern praktisch erst klar, das eine Demo war, als die exakt vor ihnen stand. Mentale Kraftprobe zwischen Polizei und Demo: ein zaghafter Ausbruchsversuch die neue Kräme hinauf wurde abgeblockt. Schließlich mussten sich die Studierenden ins Unvermeidliche geben - ihr Zug würde auf der Berliner weitermarschieren. No-go City.

Aber bis zur Konstablerwache reichte es noch. Da war die Truppe, eine Stunde zuvor vielleicht knapp auf 1000 angeschwollen, wieder auf so 600 Teilnehmer geschrumpft. Aber an der Konstabler skandierte der Zug noch einige Male seine Forderungen - immer wieder auch "Der Präsident muss weg" wegen Werner Müller-Esterls Entscheidung, die Polizei das besetzte Kasino räumen zu lassen -, dann war Feierabend. "Wir gehen jetzt zurück zum Campus, wir wollen ja nicht noch eingekesselt werden oder sowas."

Autor:  Peter Rutkowski
Datum:  7 | 12 | 2009
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