kalaydo.de Anzeigen

Studie über Saufgelage in Marburg: Forscher: Trinker nicht vertreiben

Geduld und Gelassenheit angesichts der saufenden Jugendlichen in Marburgs neuer Mitte empfiehlt Jugendforscher Benno Hafeneger - und rät von einem Alkoholverbot ab. Von Gesa Coordes

In der Szene gehört Alkohol trinken dazu.
In der Szene gehört Alkohol trinken dazu.
Foto: dpa

Geduld und Gelassenheit angesichts der saufenden Jugendlichen in Marburgs neuer Mitte empfiehlt Jugendforscher Benno Hafeneger. Keinesfalls solle man sie von ihrem Treffpunkt rund um den Elisabeth-Blochmann-Platz vertreiben: "Die Stadt kann froh sein, dass sie so einen attraktiven Ort hat", sagt Hafeneger. Auch von Alkoholverboten rät er ab. Dann werde nur andernorts getrunken: "Die Jugendlichen müssen ja lernen, mit Alkohol umzugehen", meint der Erziehungswissenschaftler.

Hafeneger hat die Milieustudie über die jungen Leute erarbeitet, deren Saufgelage seit zwei Jahren zum politischen Zankapfel in der Universitätsstadt geworden sind. Dabei handele es sich um die bundesweit erste Studie dieser Art, berichtet der Forscher. Überraschend: Die meisten Befragten sind Gymnasiasten - zwischen 15 und 19 Jahren, mehr als zwei Drittel männlich. Sobald es wärmer wird, bevölkern sie den Platz in kleinen und großen Gruppen. Aber nur etwa ein Drittel verbringt den ganzen Abend auf dem "Chillerplatz" zwischen Kino, Kneipen und Supermärkten. Die meisten nutzen den Ort nur als Treffpunkt zum "Vorglühen", also für die ersten Drinks.

Dass die Jugendlichen insgesamt viel mehr trinken als frühere Generationen, bestreitet Hafeneger. Es gebe nur eine kleine Gruppe von Komasäufern. Dass die Erwachsenen dies anders erleben, liege vor allem an einem neuen Phänomen der Jugendkultur: "Früher haben nur die Penner in der Öffentlichkeit getrunken. Heute trauen sich immer mehr Jugendliche, sich mit der Bierflasche in der Hand zu zeigen." Sich während der Kirmes zu besaufen und zu raufen, sei aber immer schon üblich gewesen.

Hafeneger rät der Stadt Marburg, nicht hektisch neue Projekte anzustoßen. Er empfiehlt lediglich, Streetworker häufiger in die Szene zu schicken. Allerdings hat die rot-grün regierte Kommune auch schon viel ausprobiert. Marburg war die erste hessische Stadt, die ein Alkoholverbot verhängte. Von Dezember 2007 bis Mai 2008 durfte auf den Straßen rund um den Platz nach 18 Uhr niemand mehr eine Bierflasche an die Lippen setzen. Das Verbot war erfolgreich. Trotzdem wollte Oberbürgermeister Egon Vaupel es nicht fortsetzen: "Das ist immer nur das letzte Mittel", sagt er.

Kein Schnaps-Verkauf

Seitdem sucht die Stadt nach anderen Wegen, an die Jugend heranzukommen. Unter dem Motto "Ohne Alkohol geht’s auch" gibt es Fußball und Hip-Hop zu nächtlicher Stunde. Mit den Marktleitern der nahegelegenen Supermärkte vereinbarte die Stadt, dass nach 20 Uhr kein Schnaps mehr verkauft wird. In einem Markt wird weder Bier noch Wein an 16- bis 18-Jährige abgegeben.

Suchtberater gehen noch am Krankenbett zu den Jugendlichen, die mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert werden. Die Jugendkonflikthilfe stattet den Familien einen Besuch ab, wenn ihre Kinder durch Pöbeleien, Randale oder Schlägereien auffallen. Zudem patrouilliert die Polizei deutlich häufiger.

Mit diesem Mix liege die Stadt richtig, meint Hafeneger. Die Situation hat sich seitdem auch nach Einschätzung der Jugendlichen entspannt. Die Polizei registriert weniger Straftaten. Schlägereien, umgeworfene Müllcontainer, zerdepperte Flaschen und krakeelende Teenies sind seltener geworden. Indes werde es immer einen Teil Jugendlicher geben, die auch mit Angeboten der offenen Jugendhilfe nicht zu erreichen seien, sagt Hafeneger.

Autor:  Gesa Coordes
Datum:  20 | 6 | 2009
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Twitter im Landtag
 

Nachrichten aus Frankfurt und Rhein-Main

Anzeige

Social Media
Unser Twitter-Ticker für Frankfurt und Rhein-Main.

 

Facebook | Twitter überregional | Google+
Was bedeutet das hier? FR@Social Media!

Anzeige

Frage des Tages: Sollte man härter gegen Graffiti-Sprayer vorgehen?

Frankfurts Fassaden sind voll von Graffiti. Die Verursacher sind meistens nicht festzustellen. Die Polizei will nun härter gegen Graffiti-Sprayer vorgehen. Was halten Sie davon?

 

OB-Stichwahl in Frankfurt
Wahlergebnis Sehen Sie auch die Ergebnisse nach Stadtteilen als Grafik-Fotostrecke. Außerdem zeigen wir die Top- und Flop-Ergebnisse von Peter Feldmann und Boris Rhein nach Stadtteilen und noch detaillierter nach Wahlbezirken. Alles Weitere im Wahl-Spezial.
Frage des Tages: Welches Thema sollte der neue OB Peter Feldmann zuerst angehen?

Peter Feldmann wird Frankfurts neuer Oberbürgermeister. Welches Thema sollte der Sozialdemokrat in seinem neuen Amt als erstes angehen?

OB-Wahl in Frankfurt
So freuen sich Oberbürgermeister: Petra Roth (CDU) und Peter Feldmann (SPD), letzterer mit der Hand in der Hosentasche, ein Fauxpas.
Machtkampf nach OB-Wahl in Frankfurt 
        

Zählt die Tage bis zum Amtsantritt: Peter Feldmann.
Neuer Oberbürgermeister Frankfurt 
Der neue Oberbürgermeister Peter Feldmann bringt ein neues Team mit.
Nach der OB-Wahl in Frankfurt 
Prinz Asfa-Wossen Asserate.
Nach der OB-Wahl in Frankfurt 
So freuen sich Oberbürgermeister: Petra Roth (CDU) und Peter Feldmann (SPD), letzterer mit der Hand in der Hosentasche, ein Fauxpas.
Nach der OB-Wahl in Frankfurt 
Spezial: Frankfurt Flughafen

Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten gleichermaßen: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten. Das Spezial.


Spezial: Der Flughafen wächst weiter
Manche Menschen freuen sich über den Klang von Glocken, andere fühlen sich gestört. (Symbolbild)
Fluglärm in Frankfurt 
        

Für diejenigen Menschen, die unter dem Fluglärm leiden, ist Frankfurt bei weitem nicht „grün“ genug.
Fluglärm in Frankfurt 
        

Wohnen in der Region: Lärm, aber noch kein Schallschutz.
Schleppende Antragsbearbeitung 
        

Nach Sonnenuntergang sollen auch die Flieger unten bleiben.
Nachtflugverbot 

Anzeige

Staumelder

Staumelder 113 Staus mit einer Gesamtlänge von 547km
Zu den Staumeldungen
Spezial

Auch dieses Jahr dürfte beim Schulwechsel der Sturm auf die Gymnasien ungebrochen anhalten. Doch welche Schulen passen eigentlich zu welchen Kindern? Die FR bietet einen Überblick.

Glosse
        

Da steht sie auf ihrem Brunnen in der Klappergasse.

Jeden Tag gibt's nun eine kurze Glosse zu unglaublichen Geschichten aus dem Frankfurter Alltag zu lesen.

 

Anzeige

 
Frankfurter Stadtteil-Porträts
Fragt man in Frankfurt die Leute, was denn die Hauptwache sei, bekommt man viele Antworten. Die einen haben einen Platz vor Augen, andere verwechseln die Hauptwache mit der Zeil. Wieder andere gehen davon aus, mit der Verabredung sei das Café Hauptwache gemeint. Oder auch die Standuhr dahinter.
Frankfurter Innenstadt 
..die Villa Meister. Das prachtvolle und heute denkmalgeschützte Gebäude hatte Herbert von Meister,der  Sohn von Carl Friedrich Wilhelm Meister, einem der Begründer der Farbwerke Hoechst, im Jahr 1902 erworben.
Frankfurt-Sindlingen 
        

Schon schön: Ein Blick in     die Grillparzerstraße im Dichterviertel.
Frankfurt-Dornbusch 
Auf den fruchtbaren Äckern im Frankfurter Norden wird immer noch Landwirtschaft betrieben. Und manch ein Erzeuger vermarktet seine Produkte immer noch selbst.
Frankfurt-Nieder-Eschbach 
Weblog

Seit vielen, vielen Jahren ist "kit" Eishockey-Berichterstatter. Im Blog berichtet er über die Löwen Frankfurt - "in your face".