Das neue Westhafen-Quartier mit seinen glatten Fassaden kann man bestaunen. Das unter der gewachsenen Stadt fast verschwundene Druckwasserwerk am Ende des Neubaugebiets dagegen ist mehr etwas fürs Herz.
Mit seinen beiden wuchtigen Türmen steht der gedrungene Backsteinbau als letzter Zeuge der Industrialisierung unter der Eisenbahnbrücke. Alles High Tech ringsum. Doch wie ein bucklig gewordener Urgroßvater beharrt das Monument auf der Überlieferung, welche Kraft es gekostet hat, mit Errichtung des Westhafens um 1880 all den Wohlstand auf die Beine zu stellen.
durch das ehemalige Druckwasserwerk am Westhafen, Rotfederring 16, beginnt am 14. September um 11 Uhr. Die frühere Maschinenhalle bleibt an dem Tag von 11 bis 12 Uhr geöffnet. Die Adresse ist mit dem Bus 33 zu erreichen.
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"13,5 Sekunden Wasserkraft pro Sekunde"
Die Kraft, die man brauchte, wurde aus dem Wasser geholt und steckte dann in den Türmen, laienhaft ausgedrückt. Von da konnte man sie sich zum Betrieb der Kräne und zum Beladen der Schiffe abholen. "13,5 Liter Kraftwasser pro Sekunde", erläutert Denkmalschützer Hans-Günter Hallfahrt, der dieses Denkmal am Sonntag vorstellen wird.
Marcel Hett, der das Industriegebäude gekauft hat, wird dann auch dabei sein. Er findet für das Prinzip des Kraftwerks, dem das 1899 fertig gestellte Haus sechs Jahrzehnte die Hülle bot, das Bild eines Luftballons, den man mit viel Puste aufbläst, um zu gegebener Zeit die ganze Luft wieder abzulassen. In der Hülle aber befand sich, um im Bild zu bleiben, per Rohr eingeleitetes Mainwasser, das "mit Dampfmaschinen auf Druck gebracht" wurde.
Die beiden schweren Dampfmaschinen standen rechts und links in der 13 Meter hohen Halle und reichten fast bis hoch zu den Fenstern, die man auch in einem Kirchenschiff finden könnte. Auch Marcel Hett (35) vollbringt einen Kraftakt mit diesem Gemäuer: "Das ist jetzt meine Lebensaufgabe." Dem Satz fehlt jeder dramatische Unterton, denn in der Bauunternehmer-Familie Hett aus Bad Homburg stecken 140 Jahre Tradition; der Urgroßvater habe sich bereits an der Rekonstruktion der Saalburg beteiligt.
Dem Charme des Gebäudes erlegen
Seit zwei Jahren baut der Unternehmens-Nachkomme das Druckwasserwerk um, denn zu jener Zeit war der vorherige Interessent, der eine Haus-Brauerei im Industriedenkmal aufmachen wollte, von der Westhafen-Entwicklungsgesellschaft aus dem Kaufvertrag entlassen worden. Hett ist eingestiegen, weil er ohnehin "dem Charme des Gebäudes erlegen" war.
Jetzt läuft beim Umbau alles zu auf ein "gutbürgerliches Lokal - mit Sauerbraten und so" . Als Gastwirt hat er Ulrich Mlcoch unter Vertrag, den früheren Betreiber des "Frankfurter Haus" an der Stadtgrenze zu Neu-Isenburg, der zuletzt bei der Gerbermühle zum Zug kommen wollte. Vielleicht geht darum dem künftigen Treffpunkt Druckwasserwerk der Ruf voraus, es werde "eine zweite Gerbermühle im Westen" entstehen.
Um da (bis zum Frühjahr) hin zu kommen, erweist sich Bauherr Hett als traditionsbewusst und detailverliebt. Am Mittwoch haben Arbeiter den Rahmen des großen Eingangstors, das während der vierzig Jahre Zwischennutzung und des Leerstands irgendwann rechteckig abgemauert worden ist, wieder in der ursprünglichen, gebogenen Form freigelegt.
Weil man von den elfenbeinweißen, geprägten Bodenkacheln nur etwa zwanzig Prozent als tauglich hat bergen können, ließ der Bauherr die Kacheln, samt "blutroten Einlegern und mit braunem Rand", für die ganze Fußbodenfläche nachbilden. Es wird perfekt aussehen, wie die Simulation zeigt. Entscheidend für den Eindruck sind auch die hohen Fenster mit ihren Rundbögen und Sprossen: alle original, aber dem heute geforderten Standard entsprechend nachgebaut - und zwar in Stahl gefasst, nicht etwa in Kunststoff: "Wenn man die in Kunststoff hier drin hätte", meint Marcel Hett, "würde man künftig hier sitzen und sich die Frage stellen, was in diesem Raum nicht stimmt".
Er scheint ein Händchen für Materialien und die gute Form zu haben. Auch das alte Dach wurde inwendig in Holz und Stahl ersetzt, weil es "unerwartet marode gewesen ist". Abgesehen davon lässt der Bauherr beim Gang ums 1995 unter Schutz gestellte Denkmal auf sein Eigentum nichts kommen: "Nirgendwo ist Pfusch zu finden. Wie die damals gebaut haben - Wahnsinn!" Und eine Herausforderung. 400 Kilo schwere Rotsandstein-Gewände hat er an der Außenfassade einsetzen lassen. Und der Mörtel wird mit Bedacht gemischt - die beladenen Schubkarren und Eimer vor der Tür enthalten vier verschiedene Sandsorten. Es gilt, "das historische Fugenmaterial herzustellen".

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