In Kirche und Politik gehen die Diskussionen über das gesetzliche Tanzverbot an christlichen Feiertagen weiter. Nach Protesten gegen Frankfurts Tanzverbot an Ostern sieht sich die Evangelische Kirche in der Pflicht, Feiertage für die Menschen „anders erlebbar“ zu machen.
Die Kirchen fragten sich, „was wir dazu beitragen können, dass gesetzliche Feiertage als sinnvoll wahrgenommen werden“, sagte der Sprecher der Evangelischen Kirche für Hessen und Nassau, Stephan Krebs, der Frankfurter Rundschau.
Wagner verlangt Respekt
Auch in der Landespolitik wird weiter über den Sinn des Veranstaltungsverbots gestritten. Der Fraktionsvorsitzende der CDU, Christean Wagner, verteidigte das Tanzverbot gegen „respektlose Anfeindungen“. Dabei bezog er sich auf eine „Tanzverbot-Demo“ in Frankfurt mit mehreren hundert Menschen, die von der Grünen-Landtagsabgeordneten Sarah Sorge unterstützt worden sei. CDU-Politiker Wagner forderte die Präses der Synode der Evangelischen Kirchen in Deutschland (EKD), Katrin Göring-Eckardt, in einem offenen Brief zur Stellungnahme auf.
Öffentliche Tanzveranstaltungen sind an gesetzlichen Feiertagen in Hessen „von 4 Uhr bis 12 Uhr verboten“. So steht es im Hessischen Feiertagsgesetz. Betroffen sind Neujahr, Karfreitag, Ostermontag, Himmelfahrt, Pfingstmontag sowie erster und zweiter Weihnachtstag.
Einschränkungen gibt es auch an weiteren Tagen im Jahr. Dazu zählt das Gesetz Gründonnerstag, Karsamstag, den Volkstrauertag und den Totensonntag.
Verboten sind auch Aufzüge, die Gottesdienste an den christlichen Festtagen stören könnten.
Göring-Eckardt ist zugleich Bundestagsabgeordnete der Grünen. Er bitte die Bundespolitikerin um eine „Einschätzung dieser aufgezeigten Tendenzen, insbesondere auch bei Mitgliedern Ihrer Partei“, formulierte CDU-Mann Wagner. Göring-Eckardt war am Montag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.
Die hessischen Grünen sprachen vom „respektlosen Umgang mit dem Amt der Präses“. Der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Mathias Wagner, sagte: „Normalerweise bespricht man so etwas in der Synode.“ Christdemokrat Christean Wagner versuche sich „als evangelische Glaubenskongregation aufzuspielen“.
Die SPD-Innenpolitikerin Nancy Faeser urteilte, das Tanzverbot solle „weder von der CDU noch von den Grünen zu populistischen Zwecken missbraucht“ werden. Sie halte die CDU in der Frage des Feiertagsschutzes nicht für glaubwürdig, da sie die Ausweitung der Videotheken-Öffnungszeiten auf Sonntage unterstützt habe. FDP-Sprecher Marco Krause sagte nur: „Es gibt ein Gesetz, das gilt.“
Die CDU/FDP-Koalition hatte das Feiertagsgesetz verändert und Öffnungszeiten für Autowaschanlagen, Videotheken und Bibliotheken vorgesehen.
Am heutigen Dienstag kommt der evangelische Kirchenpräsident Volker Jung bei einer ökumenischen Konferenz auch mit den katholischen Bischöfen zusammen. Die öffentliche Bedeutung der christlichen Feiertage steht zwar nicht ausdrücklich auf der Tagesordnung. Es gilt aber angesichts der öffentlichen Debatten als durchaus möglich, dass die Kirchenführer darüber sprechen.
Aus der Sicht von Kirchenpräsident Jung ist gerade der Karfreitag „eine besondere Provokation in unserer Spaß- und Erlebnisgesellschaft, weil er als einzig verbliebener arbeitsfreier Tag Leiden, Sterben und Tod thematisiert“. Das seien heutzutage weitgehend tabuisierte und ins Private abgedrängte Themen, urteilte der evangelische Präsident.

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