kalaydo.de Anzeigen

Tarek Al-Wazir und Uwe Schneider: "Grüne und Piraten sind sich nahe"

Tarek Al-Wazir, Landeschef der Grünen, und Uwe Schneider, Vorsitzender der Piratenpartei in Hessen, sprechen im FR-Interview über Brücken und Gräben zwischen ihren Parteien.

Koalitionen denkbar, aber noch in weiter Ferne: Uwe Schneider (Piraten) und Tarek Al-Wazir.
Koalitionen denkbar, aber noch in weiter Ferne: Uwe Schneider (Piraten) und Tarek Al-Wazir.
Foto: Schick

Herr Al-Wazir, Sind Sie neidisch auf Herrn Schneider?

Tarek Al-Wazir: Wieso?

Zur Person

Tarek Al-Wazir (39) ist seit 2000 Vorsitzender der Grünen-Landtagsfraktion und seit 1995 Abgeordneter des Hessischen Landtags. Der gebürtige Offenbacher ist medienpolitischer Sprecher seiner Fraktion.

Uwe Schneider (45) ist seit November 2009 Vorsitzender der Piratenpartei Hessen. Er ist Geschäftsführer einer auf die Entwicklung elektronischer Schaltungen spezialisierten Firma in Limeshain (Wetterau). (frs)

Die Piratenpartei ist basisdemokratisch und hat einen regen Mitgliederzulauf - so wie die Grünen in ihren Anfangstagen.

Al-Wazir: Das basisdemokratische Element ist bei den Grünen auch heute noch stärker als bei allen anderen etablierten Parteien. Das sieht man etwa daran, dass selbst unsere Landesparteitage allen offenstehen, nicht nur Mitgliedern. Allerdings kann man bei einer Partei wie den Grünen, die bundesweit knapp 50000 Mitglieder hat, kein solches Prinzip auf Bundesebene erwarten. Ich habe mit Schmunzeln eine Äußerung des stellvertretenden Bundesgeschäftsführers der Piratenpartei gelesen, der sagte: Wir sind jetzt bei 11000 Mitgliedern, das geht so nicht mehr, wir brauchen neue organisatorische Strukturen. Nein, ich bin nicht neidisch. Für die Grünen war es ein langer Weg, bis sie die Professionalität hatten, die man im politischen Geschäft braucht. Dieser Weg steht den Piraten noch bevor.

Herr Schneider, wollen Sie das denn überhaupt?

Uwe Schneider: Der Tenor, der aus der Basis immer wieder kommt, ist, dass die basisdemokratischen Strukturen unbedingt erhalten werden müssen. Ein Delegiertensystem widerspricht auch in vielen Dingen dem, wofür die Piraten stehen.

Können Sie sich in Zukunft eine Koalition vorstellen? Die Grünen-Landes-AG Medien traf sich bereits mit den Piraten zu einem Gedankenaustausch zum Thema Internetfreiheit ...

Schneider: Koalitionen sind natürlich noch in ferner Zukunft bei den Piraten. Kooperationen sind aber schon denkbar. Wir werden hier in Hessen wohl erstmals bei der Kommunalwahl im März 2011 in die Gemeinde- und Stadtparlamente einziehen, bei denen ja die Fünfprozenthürde weggefallen ist. In vielen Städten und Gemeinden, auch in meinem Ortsverein Limeshain, haben wir uns mit den Grünen schon unterhalten und festgestellt, das wir in vielen kommunal wichtigen Themen dicht beieinander sind.

Al-Wazir: Man muss sehen, wozu Kooperationsgespräche führen werden. Es kann durchaus sein, dass einige Mitglieder der Piraten auf Grünen-Listen kandidieren werden und dafür dann ihre Partei vor Ort verzichtet. Das ist jedoch nichts, was wir von der Landesebene aus beschließen.

Erwächst den Grünen eine neue Konkurrenz - ähnlich wie der SPD mit der Linkspartei?

Al-Wazir: Ich habe als Landesvorsitzender der Grünen natürlich kein Interesse daran, dass Parteien antreten, die im Zweifel auch uns Stimmen wegnehmen. Vor allem dann nicht, wenn das am Ende entscheidende Auswirkungen haben sollte. Wir werden mal sehen, was am 9. Mai bei den nächsten Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen passiert.

Herr Al-Wazir, ist die Piratenpartei eine Ein-Themen-Partei?

Al-Wazir: Ich denke, dass Neugründungen von Parteien sich meist in einem Themenfeld bewegen. Der Unterschied zwischen den Piraten und den Grünen sind weniger die Positionen. Unser jüngstes Bundestagswahlkampf-Programm war das einzige einer etablierten Partei, in dem es ein eigenes Kapitel Netzpolitik und Bürgerrechte gab ...

Die Grünen waren doch nicht die Einzigen. Die FDP ...

Al-Wazir: Die FDP entdeckt die Bürgerrechte vor allem dann, wenn es um das Bankgeheimnis geht. Wenn man sich unsere Positionen anschaut - den Stellenwert der Bürgerrechte und des Internets, unsere Positionen zu Überwachung und Zensur - dann findet man eigentlich keine großen Differenzen zur Piratenpartei. Der Unterschied besteht vielmehr im Stellenwert. Für uns ist es ein wichtiges Thema, aber eben nicht das einzige. Und die Piraten leiten quasi alles daraus ab.

Herr Schneider, wenn man Herrn Al-Wazir so hört, braucht es die Piraten gar nicht.

Schneider: Wenn der Wähler seinen Schwerpunkt auf Ökologie setzt, dann muss er die Grünen wählen. Setzt er ihn auf Bürgerrechte, dann die Piraten.

Aber die reklamiert Herr Al-Wazir doch auch!

Schneider: Sie haben es gerade selber gesagt: "Aber auch". Bei uns fallen die Bürgerrechte nicht unter "aber auch" - sie sind zentral.

Al-Wazir: Die Piraten werden irgendwann an einen Scheideweg kommen, an dem sie sich fragen müssen, ob sie auch Positionen zu anderen Themen entwickeln. Dann wird es kontrovers werden. Ihre bisherige Entwicklung ist nur denkbar, weil sie sich nur auf diesen einen Punkt konzentrierten. Auf die Klammer, die all diejenigen zusammenhält, die zu Arbeitsmarkt-, Umwelt-, Energiepolitik völlig unterschiedliche Meinungen haben. Meine Prophezeiung ist - das wird Ihnen jetzt nicht gefallen, Herr Schneider - dass dies der Anfang vom Ende des Aufstiegs sein wird. Andererseits: Wenn die Piraten nur bei ihrem einen Thema bleiben, wird es auch bald vorbei sein.

Die Grünen wurden auch mal reduziert - auf "die Ökopartei".

Al-Wazir: Es gibt drei relevante Unterschiede. Der erste ist: Wir sind damals angesichts eines Dreiparteiensystems angetreten, die Piraten stehen jetzt einem Fünfparteiensystem gegenüber. Der zweite: Ökologie wurde damals von keiner anderen Partei ernsthaft als Thema erkannt. Der dritte Unterschied: Die Grünen wurden von einer breiten Bewegung in der Gesellschaft getragen - den Ökologie-, Anti-Atomgruppen und der Frauenbewegung, also den neuen sozialen Bewegungen. Dieser Humus, der in den 70ern entstanden war, ist der eigentliche Grund, warum die Grünen überhaupt aufblühen konnten. Er war stark genug, dass man auch die unvermeidlichen Irrungen der Parteiwerdung überstehen konnte.

1 von 2
Nächste Seite »
Datum:  3 | 4 | 2010
Seiten:  1 2
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Twitter im Landtag
 

Nachrichten aus Frankfurt und Rhein-Main

Anzeige

Social Media
Unser Twitter-Ticker für Frankfurt und Rhein-Main.

 

Facebook | Twitter überregional | Google+
Was bedeutet das hier? FR@Social Media!

Anzeige

 

OB-Stichwahl in Frankfurt
Wahlergebnis Sehen Sie auch die Ergebnisse nach Stadtteilen als Grafik-Fotostrecke. Außerdem zeigen wir die Top- und Flop-Ergebnisse von Peter Feldmann und Boris Rhein nach Stadtteilen und noch detaillierter nach Wahlbezirken. Alles Weitere im Wahl-Spezial.
Frage des Tages: Welches Thema sollte der neue OB Peter Feldmann zuerst angehen?

Peter Feldmann wird Frankfurts neuer Oberbürgermeister. Welches Thema sollte der Sozialdemokrat in seinem neuen Amt als erstes angehen?

OB-Wahl in Frankfurt
So freuen sich Oberbürgermeister: Petra Roth (CDU) und Peter Feldmann (SPD), letzterer mit der Hand in der Hosentasche, ein Fauxpas.
Machtkampf nach OB-Wahl in Frankfurt 
        

Zählt die Tage bis zum Amtsantritt: Peter Feldmann.
Neuer Oberbürgermeister Frankfurt 
Der neue Oberbürgermeister Peter Feldmann bringt ein neues Team mit.
Nach der OB-Wahl in Frankfurt 
Prinz Asfa-Wossen Asserate.
Nach der OB-Wahl in Frankfurt 
So freuen sich Oberbürgermeister: Petra Roth (CDU) und Peter Feldmann (SPD), letzterer mit der Hand in der Hosentasche, ein Fauxpas.
Nach der OB-Wahl in Frankfurt 
Spezial: Frankfurt Flughafen

Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten gleichermaßen: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten. Das Spezial.


Spezial: Der Flughafen wächst weiter
        

Nach Sonnenuntergang sollen auch die Flieger unten bleiben.
Nachtflugverbot 
Wegen der
Fluglärm Rhein-Main-Gebiet 

Anzeige

Staumelder

Staumelder 35 Staus mit einer Gesamtlänge von 129km
Zu den Staumeldungen
Spezial

Auch dieses Jahr dürfte beim Schulwechsel der Sturm auf die Gymnasien ungebrochen anhalten. Doch welche Schulen passen eigentlich zu welchen Kindern? Die FR bietet einen Überblick.

Glosse
        

Da steht sie auf ihrem Brunnen in der Klappergasse.

Jeden Tag gibt's nun eine kurze Glosse zu unglaublichen Geschichten aus dem Frankfurter Alltag zu lesen.

 

Anzeige

 
Frankfurter Stadtteil-Porträts
Fragt man in Frankfurt die Leute, was denn die Hauptwache sei, bekommt man viele Antworten. Die einen haben einen Platz vor Augen, andere verwechseln die Hauptwache mit der Zeil. Wieder andere gehen davon aus, mit der Verabredung sei das Café Hauptwache gemeint. Oder auch die Standuhr dahinter.
Frankfurter Innenstadt 
..die Villa Meister. Das prachtvolle und heute denkmalgeschützte Gebäude hatte Herbert von Meister,der  Sohn von Carl Friedrich Wilhelm Meister, einem der Begründer der Farbwerke Hoechst, im Jahr 1902 erworben.
Frankfurt-Sindlingen 
        

Schon schön: Ein Blick in     die Grillparzerstraße im Dichterviertel.
Frankfurt-Dornbusch 
Auf den fruchtbaren Äckern im Frankfurter Norden wird immer noch Landwirtschaft betrieben. Und manch ein Erzeuger vermarktet seine Produkte immer noch selbst.
Frankfurt-Nieder-Eschbach 
Weblog

Seit vielen, vielen Jahren ist "kit" Eishockey-Berichterstatter. Im Blog berichtet er über die Löwen Frankfurt - "in your face".