Frankfurt/Ulm. Im Tarifkonflikt des hessischen Einzelhandels sind am Montag rund 80 Mitarbeiter der Drogeriekette Schlecker in einen Warnstreik getreten. In den Bezirken Südhessen und Rüsselsheim seien bis zu 35 Filialen betroffen gewesen, sagte ein Verdi-Sprecher auf ddp-Anfrage. Mit zwei Bussen seien die Beschäftigten zu einer zentralen Kundgebung nach Ulm gefahren. An der Streikaktion beteiligten sich Mitarbeiter aus Hessen, Bayern, Baden-Württemberg und dem Saarland.
Hintergrund des Warnstreiks ist nach Angaben von Verdi die aktuelle Tarifrunde des hessischen Einzelhandels. Die Gewerkschaft fordert eine einheitliche Lohnerhöhung von 130 Euro pro Monat bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Zudem wehrten sich die Beschäftigten von Schlecker gegen die Umstrukturierung des Unternehmens, sagte der Sprecher. Durch die Eröffnung von XXL-Märkten versuche Schlecker, Tarifflucht zu betreiben.
In Ulm demonstrierten rund 600 Schlecker-Beschäftigte aus vier Bundesländern für bessere Arbeitsbedingungen und gegen den geplanten Stellenabbau der Drogeriemarktkette. Wie Streikleiter Manfred Wages auf ddp-Anfrage sagte, streikten zudem 200 weitere Mitarbeiter. Sie hätten aber wegen fehlender Kinderbetreuung nicht nach Ulm kommen können, da zeitgleich zu dem Schlecker-Warnstreik auch viele Erzieher ihre Arbeit niedergelegt hatten. Diese befinden sich seit Freitag im unbefristeten Ausstand, um einen Gesundheitstarifvertrag durchzusetzen.
Wages betonte, neben dem Arbeitsdruck stiegen auch die psychischen und physischen Belastungen der Beschäftigten. So seien die Mitarbeiter nach wie vor meist allein in ihren Filialen, das Überfallrisiko sei sehr groß, ebenso sei der Druck des Vertriebs "immens gewachsen". Hintergrund dafür sei die bevorstehende "Filialschließungsorgie" im Zuge des Konzern-Umbaus. In den nächsten Jahren sollten 4000 bis 4500 Schlecker-Filialen geschlossen werden. Dadurch sind laut Verdi 12.000 von 36.000 Arbeitsplätzen in Gefahr. (ddp)

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