Seit Montag sind auf 22 hessischen Autobahnabschnitten Tempolimits aufgehoben worden. Autofahrer können fortan auf knapp 80 Kilometern ohne Geschwindigkeitsbegrenzung fahren. Auf weiteren neun Kilometern werden die Tempobestimmungen gelockert. 78 Kilometer der insgesamt 970 Kilometer langen hessischen Autobahnen behalten ihr Tempolimit. Und an vier Autobahnabschnitten wird es von 100 auf 120 Stundenkilometer angehoben.
Anlass für die Veränderungen ist die routinemäßige, alle fünf Jahre anfallende Untersuchung der Tempolimits. "Der wesentliche Maßstab ist, wie sich die Unfallzahlen in den letzten fünf Jahren entwickelt haben", sagt ein Sprecher des Ministeriums. Das heißt, dass die Zahl der Unfälle seither zurück gegangen ist.
Frankfurt
A 648: Vom Eschborner Dreieck bis zum Frankfurter Westkreuz wird das Tempolimit in beiden Fahrtrichtungen aufgehoben.
A 66: Vom Eschborner Dreieck bis zum Frankfurter Nordwestkreuz wird das Tempolimit von 100 auf 120 Stundenkilometer angehoben.
Vom Frankfurter Nordwestkreuz bis zur Ludwig-Landmann-Straße wird das Tempolimit in Richtung Osten aufgehoben, ebenso von der Ludwig-Landmann-Straße bis zum Eschborner Dreieck in Richtung Westen.
A 661: Von Bad Homburg bis nach Nieder-Eschbach wird das Tempolimit in beiden Fahrtrichtungen aufgehoben, außerdem wird das Tempolimit von Offenbach bis nach Neu-Isenburg in Richtung Süden aufgehoben.
Westhessen
A 3: Von Idstein bis zum Wiesbadener Kreuz in Richtung Süden wird das Tempolimit aufgehoben, ebenso jenes an der Anschlussstelle Niedernhausen.
Von Niedernhausen bis zum Wiesbadener Kreuz wird das Tempolimit von 100 auf 120 Stundenkilometer angehoben.
Vom Wiesbadener Kreuz bis nach Raunheim in Richtung Süden wird das Tempolimit aufgehoben.
Mittelhessen
A 485: Vom Gießener Nordkreuz bis Gi-Schiffenberger Tal wird das Tempolimit von 100 auf 120 Stundenkilometer angehoben.
Vom Gießener Südkreuz bis zum Anschluss B3 in Richtung Süden wird das Tempolimit aufgehoben, ebenso von der Ausfahrt Linden bis Gießener Nordkreuz Richtung Norden.
A 66: Von Langenselbold bis zum Hanauer Kreuz wird das Tempolimit in Richtung Westen aufgehoben.
Verkehrsminister Dieter Posch (FDP) begründete die Veränderungen mit dem guten Zustand der Straßen und den geringeren Unfallzahlen. Sein Motto: Weniger ist mehr. "Weniger Schilder haben einen höheren Aufmerksamkeitswert. Zu viele Schilder laufen Gefahr, nicht mehr ernstgenommen zu werden", sagt der Minister. Der Verkehrssicherheit sei am besten gedient, wenn man Temposchilder nur dort aufstelle, wo sie erforderlich seien.
Der Verkehrsclub Deutschland findet dieses Verhalten unverantwortlich. Pressesprecherin Anna Fehmel meint: "Wer es mit Klimaschutz und Verkehrssicherheit ernst meint, der sollte ein bundesweites Tempolimit von 120 Stundenkilometern einführen." Laut Berechnungen des Umweltbundesamtes ließen sich dadurch jährlich 3,4 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid einsparen.
Einzelne Tempolimits wieder abzuschaffen, hat Fehmel zufolge auch in Bezug auf Staugefahr keinen Sinn. "Es ist bekannt, dass gerade hohe Geschwindigkeitsunterschiede zu Stau führen." Überdies sei Deutschland der einzige Industriestaat ohne Tempolimit.
Kritisch äußern sich auch die hessischen Grünen zu den neuen Bestimmungen. "Will Posch, dass erst wieder Unfälle passieren, damit dann wieder Geschwindigkeitsbegrenzungen gerechtfertigt sind?", fragt Karin Müller, verkehrspolitische Sprecherin der Grünen. Sie fordert, ein generelles Tempolimit auf Autobahnen durchzusetzen.
Die Straßenbehörde untersucht momentan auch die Tempolimits auf autobahnähnlichen Bundesstraßen. Laut Ministerium wird die Überprüfung im Sommer abgeschlossen sein. Auch hier sind Veränderungen möglich.

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