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Tests im Rhein-Main-Gebiet: Bei Ankunft Grün

Ampeln schalten auf Grün, sobald sich ein Fahrzeug nähert. Wissenschaftler erproben, wie ein ruhiger, staufreier Verkehr, zu geringerem Benzinverbrauch, weniger Abgasen und vermindertem Lärm führt. Von Jürgen Schultheis

Der uralte Menschheitstraum vom fließenden Verkehr.
Der uralte Menschheitstraum vom fließenden Verkehr.
Foto: FR/Michael Schick

Thomas Otto hat am Donnerstag Vorfahrt in Hattersheim. Wo der Student der Universität Kassel auch hinkommt, welcher Ampel er sich auch nähert - die Lichtsignalanlagen, von der Fachleute gerne sprechen, schalten umgehend auf Grün. "Diese Testfahrten, das ist einfach herrlich", sagt der 28-Jährige, der gerade vom Hessendamm nach links in die Mainzer Landstraße abbiegt.

Otto hat sich die Vorfahrt einbauen lassen: Ein PDA, das dem iPhone ähnelt, macht dem Verkehrswissenschaftler den Weg frei. Dabei kommunizieren PDA und spezielle Ampelanlagen über ein gebräuchliches WLAN-System, tauschen Daten aus - und schalten auf Grün, wenn der VW Golf mit Thomas Otto am Steuer sich einer Ampel nähert. Das Gerät zeigt zudem an, ob das Fahrzeug optimal in einer Grünen Welle rollt oder wie lange die Rotphasen der Ampeln in anderen Fahrtrichtungen dauern.

Der Testlauf ist Teil des Projektes Aktiv, mit dem Siemens, die Universität Kassel und das Institut für Angewandte Forschung in Magdeburg kooperieren und das Verkehrsmanagement optimieren wollen. Dabei gehen Wissenschaftler und Techniker von der Annahme aus, dass ein ruhiger, staufreier Verkehr, zu geringerem Benzinverbrauch, weniger Abgasen und vermindertem Lärm führt. Fahrer würden dann nicht mehr unnötig beschleunigen, um noch die Grünphase zu schaffen, sagt Andreas Batzer, Siemens Mobility Division in Frankfurt.

Straßenlärm ist erste Quelle bei Transportlärm in Großstädten

Die Modellrechnungen zeigen, sagt Thomas Otto, dass die Zahl der Halte in der Stadt um bis zu 70 Prozent verringert werden kann, wenn 20 Prozent der Autos mit diesem Kommunikationssystem ausgerüstet wären. Für die Anwohner in Städten mit vielbefahrenen Straßen wäre das eine Erleichterung: Denn Straßenlärm ist nach Einschätzung der Europäischen Umweltagentur (EEA) mit Abstand die vorherrschende Quelle bei Transportlärm in großen Stadtregionen. Vor allem von anfahrenden Autos mit hochdrehenden Motoren geht eine erhebliche Lärmbelastung aus.

In den vergangenen Wochen haben die Techniker das System verbessert, eine Schwachstelle - das langsame WLAN - soll demnächst durch den WLAN Standard P verbessert werden. Die Reaktionszeiten in der Kommunikation würden dann von zwei oder drei Sekunden auf wenige Millisekunden reduziert werden. Der Testlauf prüft Vorrangschaltungen, die in der Praxis Rettungs-, Polizei- und Feuerwehrautos nutzen können, die dann ohne Risiko auf Ampelanlagen zufahren können.

Darüber hinaus ist Siemens bei SIMTD aktiv, bei Sichere Intelligente Mobilität Testfeld Deutschland. Auch in diesem Bereich steht die Kommunikation zwischen Autos und/oder anderen Einrichtungen im Mittelpunkt. Frankfurt-Niederrad, die A5 im Raum Frankfurt und die B3 im Norden der Stadt werden dann der Raum für den Massentest im nächsten Jahr sein.

Autor:  Jürgen Schultheis
Datum:  19 | 3 | 2010
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