Der Besuch des Dalai Lama in Frankfurt wird teuer. Mit einem Defizit von 150.000 Euro schließt der viertägige Veranstaltungs-Marathon in der WM-Arena ab. 1,9 Millionen Euro müssen Tibet-Haus, Frankfurter Pagode Phat Hue und Deutsche Buddhistische Union zahlen, eingenommen haben sie "nur" 1,75 Millionen. Der erhoffte Überschuss ist bisher nicht in Sicht.
"Wir müssen Sie um Spenden bitten. Jeder Euro zählt", ruft Erich Frey, stellvertretender Vorsitzender der Buddhistischen Union am Sonntag die Besucher auf. Große Sammelboxen stehen schon seit dem zweiten Tag überall im Stadion. Weil der Dalai Lama nur vier statt ursprünglich sechs Tage in die Mainmetropole kam, geriet die Kalkulation ins Wanken. Vor allem bei den Gäste aus dem europäischen Ausland haben sich die Veranstalter verrechnet. Frey: "Der Markt ist uns komplett weggebrochen."
Freaks in Lederhosen, Endvierziger auf Sinnsuche, Familien mit Kindern und deutsche Buddhisten: 15000 Besucher kamen am Sonntag zum letzten Tag des Dalai-Lama-Aufenthaltes.
Das war der Spitzenwert eines Publikumsandrangs, der geringer ausfiel als erhofft. 9000 Gäste strömten am Eröffnungstag- und abend, rund 13000 jeweils am Freitag und Samstag insgesamt brachten Tages- und Abendprogramm zusammen mehr als 50000 Besucher. Das klingt viel, war aber offensichtlich nicht ausreichend genug angesichts von Stadionmiete und Sicherheitsaufwand, der dem eines Staatsgastes vergleichbar ist. Der Dalai Lama war durch Body-Guards, 220 Sicherheitskräfte und Polizisten geschützt, deren genaue Zahl die Polizei nicht bekannt gibt. Mehr als 400 freiwillige Helfer waren zudem im Einsatz.
Probleme gemacht hat den Veranstaltern nach Insider-Berichten auch der Wegfall von finanzkräftigen Sponsoren. In Zeiten globaler Wirtschaftskrise hätten Unternehmen, die auch im boomenden China engagiert sind, dann doch einen Bogen um den Tibeter gemacht. Vielleicht haben aber auch hohe Ticketpreise Spontanbesucher abgeschreckt. 20 Euro kostet der Abschlussvortrag des Dalai Lama und wer eine Dauerkarte für vier Tage gebucht hatte, musste 240 Euro hinblättern. Plus Verpflegungsbons, die erst ab zehn Euro zu erstehen waren. Mitgebrachtes Essen oder Wasser musste am Eingang abgegeben werden, weswegen der Auftakt mit langen Staus und Sicherheitskontrollen begann.
"Die Organisation am ersten Tag war etwas chaotisch", sagt Elisabeth Moser aus Augsburg. Sie und Dorothee Knop aus Bad Kreuznach hätten sich mehr buddhistische Unterweisungen gewünscht statt Podiumsdebatten. "Aber die Stimmung war gut. Es geht ja um die Botschaft", sagt Dorothee Knop. Von der Atmosphäre schwärmt Erik Götz. Er sitzt mit tibetischem Schal um die Stirn und Peace-Kette um den Hals auf dem Rasen und lauscht den Vorträgen. Den Dalai Lama kannte er nur aus Büchern. "Meine Erwartungen haben sich erfüllt", sagt er. (alu)

Die Stadt und Region auf einen Blick: unsere neue Übersichtsseite für Frankfurt und Rhein-Main - das Pflicht-Lesezeichen für alle Hessen.
Berichte aus Bad Homburg, Hochtaunus | Bad Vilbel, Wetterau | Darmstadt | Frankfurt | Kreis Groß Gerau | Hanau, Main-Kinzig | Main-Taunus | Mainz | Offenbach | Kreis Offenbach | Wiesbaden.
Facebook | Twitter überregional | Google+
Sehen Sie auch die Ergebnisse nach Stadtteilen als Grafik-Fotostrecke. Außerdem zeigen wir die Top- und Flop-Ergebnisse von Peter Feldmann und Boris Rhein nach Stadtteilen und noch detaillierter nach Wahlbezirken. Alles Weitere im Wahl-Spezial.
Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten gleichermaßen: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten. Das Spezial.