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Thema DDR: Lehrer sollen Bildungslücken füllen

Hessische Schulen sollen künftig die Taten des Unrecht-Regimes im Unterricht aufarbeiten, um ähnliche Verbrechen künftig zu verhindern. Einen entsprechenden Antrag stellen CDU und FDP im Landtag. Von Jutta Rippegather

Der erste Sekretaer der Sozialistischen Einheits Partei Deutschlands
(SED) und Staatsratsvorsitzende der DDR Walter Ulbricht, im August 1961 in Ostberlin.
Der erste Sekretaer der Sozialistischen Einheits Partei Deutschlands (SED) und Staatsratsvorsitzende der DDR Walter Ulbricht, im August 1961 in Ostberlin.
Foto: ddp

Deutschlands Schüler wissen zu wenig über die DDR-Geschichte. Willy Brandt, glauben manche, war ein DDR-Politiker. Erich Honecker ein demokratisch gewählter Präsident. Eine neue Handreichung soll Hessens Lehrern helfen, die Bildungslücken zu füllen.

Einen entsprechenden Antrag stellten CDU und FDP am Mittwoch bei der Landtagssitzung. Anlass für eine hitzige Debatte über die Zustände in der DDR. Dabei teilten FDP und CDU auch Seitenhiebe in Richtung Linken-Fraktion aus. Die ließ sich auch provozieren.

Marjana Schott (Linke) hatte Hans-Jürgen Irmer (CDU) in einem Zwischenruf gefragt, ob er wirklich die Naziverbrechen bedauere. Kurze Zeit drohte die Debatte außer Kontrolle zu geraten.

Dabei haben alle Fraktionen ein Interesse daran, Hessens Schüler aufzuklären, um ähnliche Verbrechen künftig zu verhindern. Auch die Fraktion der Linken, wie Sprecherin Barbara Cárdenas betonte. Zuvor hatte Irmer (CDU) detailliert den Alltag in der DDR beschrieben - angefangen von Menschenhandel bis hin zu einer Dose Ananas für 18 Ostmark.

Dem Antrag von CDU und FDP zufolge gibt es einen "bedenklichen Trend zur Verklärung des DDR-Unrechtsregimes". Dem müsse im Schulunterricht entgegengetreten werden. Der Landtag solle "eine Handreichung ausarbeiten", damit Hessens Lehrerinnen und Lehrer "die Geschichte der DDR im Schulunterricht angemessen darstellen können"".

Eigentlich, wäre der Antrag nicht notwendig gewesen. Hatte sich doch fast auf den Tag genau vor einem Jahr bereits eine Parlamentsmehrheit für eine solche Handreichung gefunden.

Seinerzeit hatten allerdings CDU und Grüne für den Antrag gestimmt, SPD und FDP sich dagegen ausgesprochen. "Ich halte es nicht für eine Aufgabe der Landesregierung, ein Konzept zu entwickeln, wie bestimmte Dinge im Unterricht dargestellt werden", hatte FDP-Abgeordnete Dorothea Henzler damals argumentiert.

"Dafür gibt es Lehrplankommissionen, die arbeiten und die tagen." Seit dem Beschluss geschah nichts. Daraus schlossen die SPD und Grünen, dass CDU und FDP das Thema an sich nicht wirklich wichtig sei. Um so verwunderlicher sei es, dass die FDP es nun sogar zu ihrem Spitzenthema des Sitzungswoche ernannt habe, sagte Mathias Wagner von den Grünen.

Und begrüßte den Meinungsumschwung der Liberalen: "Sie haben damals danebengelegen und jetzt dazugelernt." Zugleich nahm er aber auch die 68er-Lehrer in Schutz, von denen so mancher nach Auffassung der FDP die DDR-Geschichte verkläre. Wagner drängte darauf, mit einem sofortigen Beschluss ein Zeichen für die Schulen zu setzen. Ohne Erfolg. Der Antrag wurde in die Ausschüsse überwiesen.

Autor:  JUTTA RIPPEGATHER
Datum:  28 | 8 | 2008
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