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Training bei Kälte: Zwiebeln auf Asphalt

Laufen bei annähernd Null sollte eigentlich um diese Jahreszeit nicht sein - wird es aber am Sonntag, und deshalb ist auch Großkampftag für allerlei Textilien und Polymere. Von Anne Lemhöfer

Gerüstet: die Autorin.
Gerüstet: die Autorin.
Foto: Boeckheler

Es ist nicht schön, dass dieser Text hier stehen muss. Denn es geht darin um Dinge wie das Zwiebelprinzip, ums Nicht-Ausrutschen auf Eis und Getränke in Thermoskannen. Alles nicht schlimm. Theoretisch. Praktisch aber doch. Und wie.

Mitte März sollte man nicht über das Zwiebelprinzip schreiben müssen. Das Zwiebelprinzip gehört zum Winter. Und der März gehört zum Frühling. Ja, das ist natürlich völlig falsch, kalendarisch, aber gefühlt nicht. Für einen Halbmarathon, der Mitte März stattfindet, sollte man keine Fragen stellen müssen wie: "Worauf muss ich achten, damit ich beim Laufen nicht erfriere und mir Bronchitis und Asthma und den Tod hole?" Weil aber, wer am Sonntag in Frankfurt einen Halbmarathon laufen will, das unter Umständen sogar bei Minusgraden tun wird, sollte man lieber doch fragen.

Training bei Kälte

Gegen den Wind: Bei Temperaturen von unter fünf Grad und scharfem Wind sollten Läufer ihre Trainingsrunde entgegen der Windrichtung starten - und sich erst später, müde und durchgeschwitzt, vom Rückenwind tragen lassen. So lassen sich auch Erkältungen vermeiden.

Gute Sohle: Wer auf hart gefrorenem Boden läuft, braucht ein besonders gutes Profil unterm Schuh. Wer öfter als dreimal pro Woche läuft, sollte mehr als ein paar Laufschuhe sein Eigen nennen, um für jede Witterung gerüstet zu sein.

Nicht zu warm anziehen: Beim Loslaufen scheint es kälter als es ist. Mehrere dünne Lagen statt etwa ein dickes Fleece tragen, das ermöglicht das Entblättern nach dem Zwiebelprinzip. ( lem)

"Worauf muss ich achten, damit ich beim Laufen nicht erfriere und mir Bronchitis und Asthma und den Tod hole, Herr Kranzdorf?" Torsten Kranzdorf muss das wissen, er ist Läufer und arbeitet außerdem an der Konstablerwache in einem Sportgeschäft. "Das Wichtigeste ist das Zwiebelprinzip", sagt Torsten Kranzdorf natürlich. Also: mehrere Schichten Kleidung übereinander tragen. "Am besten drei Schichten", sagt Kranzdorf.

Schicht eins: Atmungsaktive, die Feuchtigkeit nach außen transportierende Funktionswäsche. So bleibt die Haut trocken und die Körpertemperatur konstant. Schicht zwei: Das ist die Zwischenschicht, ihre wichtigste Aufgabe ist es, die Körperwäreme zu isolieren. Die Feuchtigkeit des Schweißes darf nicht aufgesaugt, sondern muss von der Haut weg transportiert werden.

"Gut ist ein Mikrofaser-Fleece", ist Torsten Kranzdorfs Erfahrung. Schicht drei sei idealerweise eine dünne, winddichte Jacke. Gut dran ist außerdem, wer eine Thermo-Leggins besitzt. Zur Sicherheit hat Kranzdorf hinter der Kasse noch einen Stapel Schneeketten für Laufschuhe aufgebaut, der Verkaufsschlager dieses Winters, der die Welt mit einer zentimeterdicken Eisdecke überzog und un-bekettete Läufer schon mal unverrichteter Dinge aus dem Park heimkehren ließ.

Es sei nicht nötig, sich länger als sonst warmzulaufen vor dem Start - aber Vorsichtsmaßnahmen seien geboten beim Herumstehen im Pulk, bevor es losgeht. Egal ob null Grad, zwei oder vier, Sonntag wird ein Tag für den Klassiker: Den alten Pulli, den man kurz vorm Loslaufen über den Kopf zieht und an den Streckenrand pfeffert in der Hoffnung, dass er später entweder weg (hässliches, ungeliebtes Kleidungsstück) oder nicht weg (Lieblingspulli) ist. Wer nur schöne Sachen im Schrank hat hat, kann statt Wegpfeffer-Pulli eine andere Variante wählen: "Ein Müllsack tut es auch, mit ausgeschnittenem Kopf und Armen. Da ist man zusätzlich gegen Regen geschützt", rät Torsten Kranzdorf.

Wenn, wie angekündigt, auf der Strecker ums WM-Stadion ein scharfer Wind weht, tue man gut, beim Laufen eine Mütze anzuziehen. "Über den Kopf entweicht die meiste Wärme." Und auch, wenn dieser Text eigentlich nie hier hätte stehen sollen: Wer hinter der Ziellinie befreundete Menschen mit Thermoskannen stehen hat, wird keinen ganz unschönen Tag erleben.

Autor:  Anne Lemhöfer
Datum:  13 | 3 | 2010
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