Es ist das schleichende Ende einer großen Tradition. Im Teppichboden klaffen Löcher und Risse. Die Sessel vor den Leinwänden sind zerschlissen. "Das Kino ist marode", urteilt Frankfurts Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU). 1927 war am Eschenheimer Turm in Frankfurt das erste Lichtspielhaus eröffnet worden. 1950 erstand es als "Turmpalast" neu. Bis heute kommen Fans aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet, um hier die Originalversionen englisch- und türkischsprachiger Filme zu sehen. Doch ab 25. Februar übernimmt das benachbarte, moderne "Premierenkino" Cinestar Metropolis diese Aufgabe zum Teil.
"So wird die Lücke in Stadt und Region geschlossen, die durch die Schließung des Traditionskinos Turmpalast entstanden ist", heißt es in einer Mitteilung Semmelroths. Die 20 Mitarbeiter im Turmpalast lesen sie am Donnerstag fassungslos. "Wir sind doch noch offen", sagt einer.
Tags zuvor hatte der Kulturdezernent mit den Geschäftsführern der Cinestar-Gruppe aus Kiel, Marlies Kieft und Oliver Fock, ein Gespräch geführt. Dabei hatten Kieft und Fock laut Stadt mitgeteilt, dass die Originalversionen ab 25. Februar "in drei Sälen" des Cinestar Metropolis gezeigt werden. Die Beschäftigten im "Turmpalast" fragen sich am Donnerstag, was ihnen dann noch bleiben wird. "Shutter Island", der neue Thriller von Martin Scorcese mit Leonardo di Caprio, wird nach der Uraufführung bei der Berlinale im Original nicht mehr im "Turmpalast", sondern im Metropolis zu sehen sein. Das wissen sie schon.
Am Nachmittag widerspricht Cinestar-Geschäftsführer Oliver Fock der Stadt. Die Pressemitteilung der Kommune sei falsch. "Wir wollen die Besucher des Turmpalasts langsam an das Cinestar Metropolis gewöhnen", so Fock, der sich bei den Filmfestspielen in Berlin aufhält. Deshalb werde ein Kino im Metropolis ab 25. Februar Originalversionen zeigen.
Nach der Schließung des Turmpalast am 30. Juni übernähmen dann drei Kinos im Metropolis dessen Rolle. Der Betriebsrat im Turmpalast verhandelt um Abfindungen. Kulturdezernent Semmelroth zeigt sich "begeistert über die schnelle Lösung". Der Wechsel in das Cinestar Metropolis ermögliche "eine fast nahtlose Fortsetzung des anspruchsvollen cineastischen Programms an einem herausragenden Standort in der Innenstadt".

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