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Überall verstreut

Europäer sichern Bestände jüdischer Kulturgüter von Frankfurt aus

Gegenstände jüdischen Alltags, hier bei einer Aktion des Jüdischen Museums.
Gegenstände jüdischen Alltags, hier bei einer Aktion des Jüdischen Museums.
Foto: Andreas Arnold

Rachel Heuberger ist begeistert. "Jetzt gibt es für uns die Möglichkeit, mehr Aufmerksamkeit zu bekommen", sagt die Bibliothekarin am Mittwoch im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau. Nun ist Rachel Heuberger nicht irgendeine Bibliothekarin, sie leitet vielmehr die Judaica-Sammlung der Frankfurter Universitätsbibliothek und hat in den vergangenen Monaten einiges dafür getan, um in Brüssel zum Erfolg zu kommen: 1,5 Millionen Euro stellt die Europäische Union bereit, um den Aufbau der Judaica Europeana zu fördern. Ein ehrgeiziges Projekt, das jüdisches Kulturgut in Europa bündeln soll. Die Leitung übernimmt Rachel Heuberger als Koordinatorin gemeinsam mit ihrer Londoner Kollegin Lena Stanley Clamp.

Es ist kein Zufall, dass die Frankfurter an zentraler Position dabei sind. Die hiesige Universitätsbibliothek ist spezialisiert auf die Geschichte des Judentums und Israels. In diesem Zusammenhang erwerbe sie nach ihren Möglichkeiten "alles, was thematisch dazu auf der Welt erscheint", berichtet Rachel Heuberger.

Stützen kann sich die Leiterin der Frankfurter Sammlung auf umfangreiches Material zur Geschichte des Judentums, das Frankfurter Bürger jüdischen Glaubens vor dem Krieg zusammengetragen hatten. Aus den früheren Beständen der Stadtbibliothek "haben wir vieles bekommen", berichtet Rachel Heuberger, die seit 1991 die Sammlung leitet. Wenn jüdische Familie selbst nicht über ausreichende Mittel verfügten, hätten sie Geld gesammelt, um beispielsweise Nachlässe von Rabbinern der Nachwelt zu erhalten.

Auf diese Sammlung kann Rachel Heuberger bauen. Auch für das Projekt Judaica Europeana, an dem sich zehn Institutionen in London, Athen, Bologna, Budapest, Paris, Rom, Warschau und eben Frankfurt am Main beteiligen, um weltweit einen Zugang zu jüdischen Kulturgütern digital zugänglich zu machen. "Damit gibt es eine großartige Gelegenheit für kulturwissenschaftliche Einrichtungen, auch die Forschung voranzutreiben", ist Sammlungsleiterin Heuberger überzeugt.

Das Projekt findet sich im Rahmen des "eContentplus-Programm" der Europäischen Kommission. Es soll als Teil von Europeana, dem Online-Netzwerk der Archive, Bibliotheken und Museen Europas, einen multilingualen Zugriff auf Sammlungen der jüdischen Kultur möglich machen.

Schließlich komme die Vielfalt jüdischer Kultur "in Hunderttausenden von Objekten, die in vielen Sammlungen verstreut sind, zum Ausdruck", betont Rachel Heuberger: "Das sind Dokumente, Bücher, Handschriften, Zeitschriften, Tonbandaufzeichnung, Bilder, Photografien, Postkarten, Plakate und Filme, aber auch Bauwerke und Friedhöfe in ganz Europa." Zunächst gehe sie mit den Kollegen daran, die bereits digitalisierten Objekte online zu stellen, in einem nächsten Schritt würden weitere Sammlungen zu Juden in Europas Städten eingebunden.

Autor:  Matthias Arning
Datum:  18 | 2 | 2010
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