Auf dem Weg in die heiligen Hallen darf sich jeder wie ein Star fühlen. Denn der Weg führt über einen roten Teppich. Zwar ist er schmal und verschmutzt, aber die Symbolkraft überstrahlt kleine Schönheitsfehler.
Dafür, dass es als größtes japanisches Filmfestival weltweit gilt, kommt Nippon Connection recht unprätentiös daher. Bis auf einige Programmpunkte passiert fast alles im Festivalzentrum im Studierendenhaus Bockenheim. Auch schicke VIP-Lounges oder Paparazzi sucht man vergeblich.
Das gesamte Studierendenhaus haben die 150 Helfer in Kleinstarbeit umgestaltet. Pink - die Festivalfarbe - leuchtet dem Besucher aus jeder Ecke entgegen, von Wänden, Kissen, Blumen und Lampen. Fabelwesen zieren die Treppenaufgänge und sogar in den Toiletten erklingen Sound-Installationen, aufgenommen auf den Straßen von Tokio und Osaka. In Ecken und Gängen versinken müde Filmfans in Sitzsäcken, während sie Grüntee schlürfen.
Die Philosophiestudentin Haru hat sich gerade ihrem Freund zuliebe "Crows Zero II" angesehen. Einen Film über zwei Jugendgangs, die sich brutal bekämpfen. Beeindruckt habe er sie schon. Um ihn aber richtig gut zu finden, sei sie wohl zu sehr Mädchen. "Irgendwann werden Schlägereien dann auch langweilig", sagt die Tochter eines Deutschen und einer Japanerin. Wegen der Überlänge haben die beiden den Vortrag über Haruki Murakami im Jügelhaus verpasst, dafür wollen sie sich jetzt einer ganz anderen Art von Kultur widmen und einen Abstecher in die "Videospielhölle" wagen. Dort kämpfen Jungs mit fiesen Nazimonstern oder muskelbepackten Samuraikämpfern.
In den nächsten Tagen will sich Haru noch mindestens einen Film ansehen. Dabei hat sie die Qual der Wahl. Vom studentischen Kurzfilm über die Trashperle "Dump Truck Woman And King Of Hormones" bis hin zur Anime-Adaption von John Fords Klassiker "Three Godfathers" eröffnet sich dem Cineasten eine schier unüberschaubare Vielfalt an Stilen, Themen und Genren. Und genau diese Vielfalt ist es, die dem klein wirkenden Festival seine internationale Bedeutung verleiht. "Viele unserer Filme kriegt man selbst in Japan nicht so einfach zu sehen", sagt Holger Ziegler, zusammen mit Marion Klompfaß Gründer und Leiter von Nippon Connection.
Die "Kompaktheit" des Festivals mache zudem einen regen Austausch zwischen Filmemachern und Publikum, aber auch zwischen Kollegen möglich. "Viele der Regisseure lernen sich erst hier kennen", sagt Ziegler.
Dass es mit ihrem Festival mal soweit kommen könnte, hätten Ziegler und Klompfaß niemals gedacht, als sie vor zehn Jahren als Studenten der Theater-, Film- und Medienwissenschaften das erste Festival organisierten. "Das Ganze war damals als einmalige Sache geplant, wir rechneten mit allerhöchstens 1500 Leuten." Plötzlich standen 10000 Schlange.
Langsam stoßen die Organisatoren aber an ihre Grenzen. Fast alle haben neben dem Festival noch Fulltime-Jobs. Und auch das Studierendenhaus platzt langsam aus allen Nähten. Doch trotz der Strapazen lässt Ziegler keinen Zweifel daran, dass hier alle mit Leidenschaft ans Werk gehen. Wer seinerseits dem Besuch im Festivalzentrum noch etwas Feuer geben will nimmt an einer professionellen Sake-Verkostung teil. Spezialistin Frau Yoshiko Ueno-Müller berichtet von traditionellen Brauarten, Wassersorten und ist der Meinung, Sake könne man immer trinken. Auch sonntagnachmittags genehmige sie sich gerne ein Tröpfchen.
Leicht angesäuselt geht es nun immer tiefer hinein in die bunte, brutale, schöne, absurde und wunderbare Welt der Nippon Connection.

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