Zum ersten Mal seit 2006 ist Frankfurt kurz davor, den europäischen Grenzwert für Feinstaub zu überschreiten - und das trotz Umweltzone. Schließlich wurde das Fahrverbot für alte Fahrzeuge genau aus diesem Grund eingerichtet: Es soll in der Stadt weniger Feinstaub geben, denn die Schwebeteilchen, die über die Atemluft in die Lunge gelangen, können Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen sowie Krebs auslösen.
Stefan Jacobi vom hessischen Landesamt für Umwelt und Geologie hatte es fast kommen sehen. Schon am vergangenen Freitag signalisierten mehrere Mess-Stationen in Hessen bedenkliche Werte. Wegen einer austauscharmen Wetterlage wurden die Schwebeteilchen nicht durcheinandergewirbelt und verteilt, sondern konnten sich in geringer Höhe konzentrieren.
Am Samstag war es dann so weit: 66 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft wurden in der Friedberger Landstraße gemessen - und das bereits zum 35. Mal in diesem Jahr. Der europäische Grenzwert für Feinstaub gibt vor, dass maximal an 35 Tagen eine Konzentration von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter überschritten werden darf. "Wir kratzen am Grenzwert", sagte Jacobi. Da in der kalten Jahreszeit die Feinstaub-Werte tendenziell zunehmen, geht er davon aus, dass Frankfurt 2009 den Grenzwert nicht einhalten kann. Rund 33 000 Kraftfahrzeuge rauschen täglich an der Mess-Station in der Friedberger Landstraße vorbei, drei Prozent davon sind Lastwagen. Derzeit dürften es allerdings wegen der Großbaustelle am Nibelungenplatz deutlich weniger sein.
Seit dem Jahr 2005 werden hier, zwischen Wieland- und Zeißelstraße, die Feinstaub-Konzentrationen gemessen. Und eigentlich sah es nach 48 Überschreitungstagen im Jahr 2005 und 55 "Feinstaub-Tagen" 2006 so aus, als würde die Belastung durch die gefährlichen Schwebeteilchen abnehmen. 2007 wurde der Grenzwert knapp, ein Jahr später locker eingehalten.
Keine Sanktionen
Im Umweltdezernat nennt man den Januar als Auslöser für das schlechte Abschneiden in diesem Jahr. Wegen einer langen Inversionswetterlage mit kalter Luft am Boden und milden Temperaturen in den Höhenlagen wurde im ersten Monat des Jahres der Grenzwert gleich an 16 Tagen überschritten. Drohen der Stadt mit der nächsten Überschreitung Sanktionen und welche Konsequenzen zieht man im Umweltdezernat? Der Referent von Umweltdezernentin Manuela Rottmann (Grüne), Wendelin Friedel, bleibt gelassen: "Wir haben alles umgesetzt, was machbar ist." Sanktionen werde es keine geben.
Seit dem 1. Oktober 2008 gilt in Frankfurt die Umweltzone, die mit ihren 110 Quadratkilometern eine der größten bundesweit ist. Für Fahrzeuge ohne Feinstaub-Plakette ist die Zone tabu, ab dem 1. Januar 2010 müssen Vehikel mit roter Plakette, ab 2012 auch die mit gelbem Aufkleber draußen bleiben. Wenn man den Januar vergisst, habe die Feinstaub-Belastung bereits um zehn Prozent abgenommen, erklärte Friedel.
Etwa die Hälfte der Feinstaub-Belastung entsteht durch den Verkehr. Industrie (17,3 Prozent) und Heizungsanlagen (10,8 Prozent) sind ebenso wie Blütenstaub (13 Prozent) die wichtigsten Verursacher. Welche wichtige Rolle das Wetter spielt, zeigte sich auch gestern, am stürmischen Montag. "Maximal 13 Mikrogramm" meldete Jacobi.

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