Wiesbaden. Das Umweltministerium rechnet in Hessen in den kommenden Jahren mit einer Vermehrung der Waschbären. "Es ist begründet davon auszugehen, dass sich die Population der Tiere weiterhin erhöhen wird", sagte Ministerialrat Karl Apel in Wiesbaden im Interview mit der Nachrichtenagentur ddp. Grund dafür sei, dass Waschbären in Hessen optimale Lebensbedingungen vorfänden.
Nach Auffassung der Landesregierung werden insbesondere wenig oder nicht besiedelte Lebensräume verstärkt vom Waschbär angenommen. Doch auch die Zunahme in den Städten sei absehbar.
So fänden die Waschbären im besiedelten Raum "aufgrund reichhaltiger Nahrung und zahlreichen Verstecken" beste Lebensbedingungen vor, sagte Apel. Die Tiere richten in Städten dabei immer wieder Schäden an Häusern und in Gärten an.
Bürger sollen verantwortlich handeln
Um die weitere Ausbreitung der Tiere zu verhindern, müssten sowohl Nahrungsquellen wie Mülleimer oder Komposthaufen als auch geeignete Verstecke zur Jungenaufzucht reduziert werden.
"Das verantwortliche Handeln der Bürger steht hierbei besonders im Vordergrund", sagte der Referatsleiter der Obersten Jagd- und Fischereibehörde. So dürften die Menschen die Waschbären beispielsweise nicht füttern.
Ein gesetzlich geregeltes Fütterungsverbot der Tiere ziehe die Landesregierung indes nicht in Betracht. Die kontinuierliche Information der Bevölkerung über das Leben mit den "neuen Nachbarn Waschbären" werde als wesentlich effizienter angesehen, betonte Apel.
In den vergangenen Jahren breiteten sich die ursprünglich aus Nordamerika stammenden Tiere vor allem in Nordhessen aus. In Kassel bevölkern die Waschbären mittlerweile Häuser und werden von einem großen Teil der Bevölkerung als Plage empfunden.
Schuppen und Scheunen fest in Waschbärhand
Die Stadt Kassel verfügt mittlerweile über die gleiche Dichte an Waschbären wie große Städte in den Vereinigten Staaten von Amerika. Tausende dieser Tiere belagern Schuppen, Scheunen und Dachböden in der Stadt. Offizielle Zahlen gibt es nicht.
Ursprünglich stammen die Waschbären aus Nordamerika. Doch 1934 wurden mehrere Exemplare am nordhessischen Edersee ausgesetzt. Ein deutscher Züchter hatte die Idee, die bis zu 60 Zentimeter langen Kleinbären in Mitteleuropa auszusetzen, um die örtliche Flora und Fauna zu bereichern.
Hartnäckig hält sich bis heute das Gerücht, dass die Tiere auch nach Deutschland geholt wurden, um den Jägern als Beute zu dienen. Doch für solche Spekulationen gibt es keine Belege.
Die Bären sind geschickte Kletterer und fühlen sich in alten Einzelhaus- und Villenvierteln besonders wohl. Auch in der Umgebung innerstädtischer Parkanlagen steigt ihre Vermehrungsrate. Biologen schätzen, dass in Deutschland mittlerweile fast eine Million Bären leben. In nordhessischen Städten werden sie immer öfter beobachtet. (ddp)

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